Blender: Dank Sturheit zum erfolgreichen Open-Source-Projekt
Die Anfänge der freien 3D-Grafiksuite Blender reichen mehr als 25 Jahre zurück und Projektgründer Ton Rosendaal schaut auf der diesjährigen Fosdem-Konferenz(öffnet im neuen Fenster) spürbar mit Stolz auf die historische Entwicklung seines Projekts. Doch dass dieses sich überhaupt zu der erfolgreichen Open-Source-Software entwickeln konnte, die es jetzt ist, liegt wohl an Rosendaals eigener Sturheit, wie er selbst in seinem Vortrag sagt. Denn Blender war nicht immer Open Source.
Mitte bis Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts experimentierte Rosendaal gemeinsam mit den Firmen, die formal die Rechte an dem Quellcode hielten, mit verschiedenen Geschäftsmodellen. Zum Höhepunkt der Dotcom-Blase sammelte das Unternehmen, zu dem Blender damals gehörte, sogar 4,5 Millionen US-Dollar Risikokapital ein, um die Software weiterzuentwickeln. Dieses Geld sei aber schon nach einem Jahr komplett "verbrannt" gewesen, wie Rosendaal sagt, und das Unternehmen ging pleite.
Rosendaal wollte sich aber nicht damit abfinden, dass die von ihm initiierte Software damit einfach nicht mehr weiterentwickelt werden kann, er wollte das Projekt weiterführen. Dazu gründete Rosendaal die Blender Foundation mit dem Ziel, 100.000 US-Dollar an Spenden zu sammeln und die Software quasi freizukaufen.
Blender freigekauft
Und hier kommt Rosendaals Sturheit ins Spiel. Damit meint er nicht etwa den Plan, Blender nicht einfach sterben zu lassen. Rosendaal sagt, dass die Möglichkeit des Freikaufens des Codes überhaupt erst durch seine Sturheit möglich geworden sei. Denn er habe sich jahrelang als Entwickler geweigert, Code von anderen Leuten in sein Projekt aufzunehmen und habe im Prinzip alles selbst geschrieben.
Damit war es extrem einfach, die Rechte an dem Code zu klären und diese eben weiterzureichen. Hätte Blender zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel auf andere proprietäre Abhängigkeiten oder Ähnliches gesetzt, wäre das schlicht nicht möglich gewesen. Mit Hilfe der damals schon verhältnismäßig großen Blender-Community gelang es Rosendaal schließlich in nur sieben Wochen, das benötigte Geld einzusammeln und so Blender im Jahr 2002 freikaufen zu können .
Stetiger Community-Aufbau zum Gewinn
Der folgende Aufbau und die langfristige Pflege des Open-Source-Projekts seien dann zwar nicht immer einfach gewesen, für Rosendaal stand von Anfang an aber fest, dass Blender und das Projekt voll und ganz auf die Community der Nutzer ausgerichtet sein müssten. Zu Beginn habe es dann aber immer noch eine Art Trennung zwischen den Nutzern von Blender und den Entwicklern gegeben.
Rosendaal und die anderen Beteiligten haben schließlich versucht, dies durch ein extrem ambitioniertes Filmprojekt zu überwinden. Diese Erfahrung sei "interessant und seltsam gewesen" , am Ende seien aber alle Beteiligten stolz auf den Film und ihre Erfahrungen gewesen. Das war der Beginn der Open Movies, die Blender auch heute noch produziert.
Mit dem sehr bekannten Kurzfilm Big Buck Bunny ist Blender dann weltweit bekannt und berühmt geworden. Es folgten viele weitere Projekte, bei denen die Software selbst immer weiter verbessert wurde.
Als letzte große Neuerung habe die Blender Foundation den Development Fund gestartet, der ähnlich wie bei der Linux-Foundation Unternehmen dazu ermutigen soll, kontinuierlich zur Weiterentwicklung der Software beizutragen. Dieser Schritt habe die jährliche Spendensumme für Blender verfünffacht und eine Vielzahl großer namhafter Unternehmen finanziert nun direkt die Weiterentwicklung von Blender. Fast 26 Jahre nach dem Start von Blender sagt Rosendaal: "Wir haben gewonnen" .
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