Blaupunkt Ring im Test: Ein Ring, sich zu knechten
Ein smarter Ring statt einer Smartwatch oder eines Fitness-Wearables, um körperliche Aktivitäten und Messwerte aufzuzeichnen, ist eine attraktive Idee: Ein Ring ist wesentlich unauffälliger als ein Wearable für den Arm, stört nicht beim Schlafen und ermöglicht es Trägern, eine "richtige" Armbanduhr zu tragen. Anbieter wie Oura oder Ultrahuman bieten seit einiger Zeit entsprechende Ringe an, die jeweils deutlich mehr als 300 Euro kosten.
Das ist einiges mehr als der Preis für ein für gewöhnliches Fitnessarmband oder eine preiswerte Smartwatch. Das deutsche Unternehmen Skyteam Smart Solutions bietet unter einer Blaupunkt-Lizenz nun eine merklich günstigere Option an: Der Blaupunkt Ring soll im Grunde das Gleiche wie die Konkurrenz können, kommt ohne monatliches Abo und kostet 200 Euro. Golem.de hat den Ring ausprobiert und neben Positivem auch ein paar Macken gefunden – vor allem in Verbindung mit unseren Android-Geräten.
Der Blaupunkt Ring ist in insgesamt sieben Ringgrößen erhältlich, von Größe 7 bis 13. Unser Testgerät ist mattschwarz, außerdem gibt es den Ring noch in mattem Silber und mattem Gold. Das uns ebenfalls vorliegende Vorserienmodell in Schwarz ist glänzend und zerkratzt relativ leicht – das matte Serienmodell ist glücklicherweise weniger empfindlich.
Ring aus erstaunlich haltbarem Titan
Der Blaupunkt Ring ist aus Titan gefertigt, die Innenseite mit den verbauten Sensoren ist aus durchsichtigem Kunststoff. Die Verarbeitung des Rings ist hochwertig, die Oberfläche hat während unserer mehrwöchigen Tragezeit keine großen Blessuren davongetragen. Mit 3 Gramm ist der Blaupunkt Ring in der uns vorliegenden Ringgröße 12 dank der verwendeten Materialien zudem merklich leichter als ein vergleichbar großer Ring aus Neusilber, der 7 Gramm auf die Waage bringt. Der Blaupunkt Ring ist 8 mm breit und um die 2 mm dick.
Entsprechend unauffällig trägt sich der Ring, der komplett rund ist und keine Ausbuchtung hat wie etwa das erste Modell von Oura. Die Sensorik ist plan mit der Innenseite des Rings verbaut, auch den Ladeanschluss bemerken wir während des Tragens nicht. Der Ring bietet vor allem beim Schwitzen einen besseren Tragekomfort als Smartwatches oder Fitnessarmbänder mit Silikonarmbändern.
Der Blaupunkt Ring hat vier photo-plethysmographische Sensoren (PPG), dazu kommen vier Temperatursensoren und ein 3-Achsen-Gyrosensor. Mit dieser Ausstattung misst der Blaupunkt Ring den Puls, den Blutsauerstoffgehalt, die Herzratenvariabilität, den Stresslevel und den Schlaf. Außerdem lassen sich sportliche Aktivitäten mit dem Ring aufzeichnen.
Ein Display hat der Ring aufgrund der Größe natürlich nicht – alle Daten sind über eine eigene App einsehbar. Sie ist für Android und iOS verfügbar und übersichtlich aufgebaut. Auf der Hauptseite gibt es eine Übersicht der Aktivitäten, der Trainings, der Körperwerte und des Schlafs. Klicks auf die jeweiligen Angaben bringen Nutzer zu einer ausführlicheren Darstellung.
Gut gemachte, informative App
In einer Menüleiste gibt es zudem noch eine separate Aktivitätsübersicht mit detaillierteren Informationen zu Schritten, verbrannten Kalorien, Aktivitätsminuten und den erreichten Zielen der letzten Tage. Auch gibt es eine detailliertere Übersicht des Schlafs, inklusive Aufsplittung in verschiedene Schlafphasen, einer Puls- und Temperaturübersicht während des Schlafes und des HRV-Durchschnitts. Aktuell wird der Blutsauerstoff nachts nicht gemessen, die Funktion soll aber folgen.
Die App ist insgesamt sehr gut gemacht: Sie ist übersichtlich aufgebaut und läuft sowohl auf Android als auch iOS flüssig. Hilfreich finden wir die vielen Erklärungen: Wer sich mit bestimmten Messwerten wie etwa HRV nicht auskennt, bekommt direkt ausführliche Informationen dazu. Auch beim Sporttracking gibt es zahlreiche Informationen, wie beispielsweise die Herzzonen zu deuten sind.
GPS-Aufzeichnungen nur mit Smartphone
Aufgrund der geringen Größe hat der Blaupunkt Ring keinen eingebauten GPS-Empfänger. Wollen wir eine Laufeinheit oder eine Fahrradtour inklusive der Wegstrecke aufzeichnen, müssen wir unser Smartphone mitnehmen. Wer das nicht möchte, kann diese Aktivitäten auch ohne GPS aufzeichnen – dann muss nur der Ring aufgesteckt werden. Aufgrund der fehlenden GPS-Daten sind die aufgezeichneten Informationen aber wesentlich weniger detailliert.
Grundsätzlich ohne das Smartphone können wir sportliche Aktivitäten wie verschiedene Mannschaftssportarten, Rudern auf der Rudermaschine, Golf, Yoga, Fitness, oder auch Radfahren auf dem Ergotrainer aufzeichnen. Insgesamt bietet der Blaupunkt Ring 19 Sportarten ohne GPS und fünf Sportarten mit GPS zur Aufzeichnung an. Das ist weniger als bei einer Smartwatch oder einem Fitnessarmband, die gängigsten Aktivitäten wie Laufen, Radfahren und Fitness sind aber abgedeckt.
Machen wir mit dem Ring Sport, ist er tatsächlich unauffälliger und angenehmer zu tragen als etwa eine Smartwatch. Allerdings müssen wir bei der Nutzung mehr auf den korrekten Sitz des Rings achten als bei einem Wearable, das um das Handgelenk getragen wird. Die Blaupunkt-App gibt praktischerweise entsprechende Hinweise.
Beim Training muss auf den korrekten Sitz geachtet werden
So müssen wir in unserem Fall den Ring vor dem Start des Trainings am Finger hochschieben, damit die Sensoren einen zuverlässigen Kontakt zur Haut haben. Während des Trainings sollte der Ring nicht herunterrutschen oder sich so am Finger drehen, dass die Sensoren auf der Rückseite des Fingers liegen – wir benutzen unter anderem eine Rudermaschine, weshalb die Sensoren auf der Rückseite des Fingers beim Halten des Griffs keinen Kontakt zur Haut hätten.
Wird dies nicht beachtet oder verrutscht der Ring während des Trainings, werden die Messwerte ungenau. Anders als mit der von uns zum Vergleich der Werte getragenen Pixel Watch 2 müssen wir beim Blaupunkt Ring also immer wieder schauen, dass er richtig sitzt. Dank der beim Training dauerhaft grün blinkenden LEDs auf der Innenseite ist die Ausrichtung glücklicherweise schnell erkennbar.
Bei uns hat sich der Ring während des Sports im Grunde nie gedreht – wir mussten eher darauf achten, dass er in der Mitte des unteren Fingergelenks sitzt. Schieben wir den Ring ganz nach unten, werden die Messwerte ungenau, da der Finger an dieser Stelle etwas dünner ist und kein hundertprozentiger Kontakt zur Haut besteht.
Verglichen mit der Pixel Watch 2 liefert der Blaupunkt Ring im Training bei korrektem Sitz vergleichbare Werte. Allerdings unterscheidet sich die Berechnung der verbrannten Kilokalorien: Die Blaupunkt-App gibt hier durchweg höhere Werte an als die Pixel Watch 2. Auch die Einordnung der Herzfrequenzzonen unterscheidet sich, schon alleine, weil der Blaupunkt Ring eine feinere Einteilung hat. Bei GPS-Aufzeichnungen nutzt der Ring den Empfänger des Smartphones, entsprechend genau ist der Standortverlauf.
Verbindungsprobleme mit unseren Android-Testgeräten
Ein reibungsloses Nutzungsergebnis haben wir aber nur in Verbindung mit einem iPhone und der Blaupunkt-App unter iOS bekommen. Verwenden wir den Blaupunkt Ring mit einem unserer Android-Smartphones, im Test sind es das Oneplus Open und das Pixel 8 Pro , kommt es im Training immer wieder zu Verbindungsfehlern und eigenartigen Werten. Grundsätzlich ist die Einrichtung genauso komfortabel wie unter iOS, im Alltag bleibt der Ring auch stabil per Bluetooth 5.1 mit dem Android-Gerät verbunden.
Sobald wir allerdings Sport aufzeichnen und etwa die Aufzeichnung Freies Training gestartet haben, meldet uns das Oneplus Open nach ein, zwei Minuten, dass die Verbindung zum Ring unterbrochen sei. Im Hintergrund ist in der App allerdings zu sehen, dass die Verbindung weiter besteht. Nach wenigen Sekunden verschwindet der Hinweis auch wieder – allerdings wurde zu diesem Zeitpunkt die Trainingsaufzeichnung bereits automatisch beendet. Darüber hinaus reagierte der Ring auch nicht mehr, wir mussten ihn zurücksetzen, trennen und neu mit der App verbinden.
Bei GPS-Läufen haben wir das Verbindungsproblem nicht bemerkt, wohl aber bei den Sportarten Freies Training, Rudermaschine und Fitness – wohlgemerkt nur auf einem Android-Smartphone. Auch ein Wechsel vom Vorserien- zum Serienmodell hat an dem Problem nichts geändert, weshalb wir die Software verantwortlich machen. Skyteam Smart Solutions sollte hier schleunigst nachbessern.
Schlafaufzeichnung mit guter Zeiterkennung
Die Schlafaufzeichnung unterscheidet sich bei der Erkennung von Einschlaf- und Aufwachzeiten nicht sonderlich von der Pixel Watch 2. Die Schlafphasen bestimmen die Blaupunkt-App und die Pixel Watch 2 aber unterschiedlich. Da die Schlafanalyse durch Wearables wohl bei Weitem nicht so genau wie die eines Schlaflabors sein dürfte, können wir an dieser Stelle kein Urteil darüber fällen, welches Gerät genauer misst. Grundsätzlich erfassen sowohl der Blaupunkt Ring als auch die Pixel Watch 2, wenn wir in einer Nacht nicht gut geschlafen haben.
Der Akku des Blaupunkt Ring ist je nach Ringgröße unterschiedlich groß, da mal mehr, mal weniger Platz dafür ist. Der Hersteller gibt die Größe der Batterie zwischen 14,5 und 20,5 mAh an, die Laufzeit mit sieben Tagen – abhängig von der Nutzung. Tragen wir den Ring nur am Finger und zeichnen keinen Sport auf, kommen wir problemlos auf eine Laufzeit von einer vollen Woche. Zeichnen wir Sport auf, sinkt die Laufzeit – fünf Tage sind dann aber immer noch möglich.
Im Lieferumfang ist ein Ladegerät enthalten, auf dem der Blaupunkt Ring magnetisch befestigt und drahtlos geladen wird. Der Ring ist in unter einer Stunde wieder voll aufgeladen, der Ladevorgang wird durch eine blinkende LED angezeigt. Den Ladestand können wir grundsätzlich nur in der App ablesen, nicht am Ring selbst.
Der Blaupunkt Ring ist nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt, wir können mit dem Gerät auch ins Wasser tauchen. Zum Händewaschen muss der Ring also nicht abgenommen werden.
Verfügbarkeit und Fazit: Blaupunkt Ring
Der Blaupunkt Ring ist auf der Webseite des Herstellers verfügbar und kostet 200 Euro. Wer seine Ringgröße nicht kennt, kann vorher für 10 Euro ein Set zur Bestimmung der Ringgröße bestellen. Alternativ dürften hier ein Juwelier oder die Schmuckabteilung eines Kaufhauses helfen.
Fazit
Der Blaupunkt Ring ist ein hochwertig verarbeitetes, angenehm zu tragendes Wearable, das wesentlich unauffälliger als eine Smartwatch oder ein Fitnessarmband ist. Auf den ersten und auch zweiten Blick sieht der Blaupunkt Ring wie ein herkömmliches Schmuckstück aus, da er von außen ausschließlich aus Titan besteht – die Technik ist nur auf der Innenseite erkennbar.
Im Test haben wir bei der Sportaufzeichnung mitunter arge Probleme mit der Verbindung und den aufgezeichneten Werten gehabt. Wie sich herausgestellt hat, treten diese nur in Verbindung mit den Android-Geräten in unserem Test auf – mit einem iPhone 14 Pro Max funktioniert der Blaupunkt Ring problemlos.
Dort zeichnet der Ring zuverlässig und vergleichbar mit der Pixel Watch 2 unsere sportlichen Aktivitäten auf. In Details wie den verbrannten Kalorien gibt es Unterschiede – dieser Wert beruht aber auch auf Berechnungen. Entsprechend dürften sich die Algorithmen unterscheiden; welches Unternehmen den "richtigen" Algorithmus hat, können wir schlicht nicht sagen. Die grundlegenden Werte wie Puls und Sauerstoffsättigung unterscheiden sich nicht von der Pixel Watch 2.
Der Blaupunkt Ring dürfte sich – wie andere Fitnessringe – bei der Sportaufzeichnung eher für erfahrenere Sportler eignen. Aufgrund des fehlenden Displays können wir anders als bei einer Smartwatch nicht kurz auf das Display schauen, um beispielsweise herauszufinden, in welcher Herzfrequenzzone wir uns befinden. Dafür müssten wir auf unser Smartphone schauen. Das Smartphone müssen wir allerdings eh mitnehmen, wenn wir etwa eine Laufeinheit mit GPS aufzeichnen wollen.
Wer allerdings seinen Körper so weit kennt, dass er diese Informationen beim Sport nicht braucht, kann mit dem Blaupunkt Ring seine Aktivitäten gut aufzeichnen – vorausgesetzt der Ring sitzt korrekt. Und vorausgesetzt, dass ein iPhone verwendet wird: Unter Android scheint der Ring aktuell softwaretechnisch noch einige Probleme zu haben – zumindest in unserem Test. Die sind trotz des deutlich niedrigeren Preises als bei der Konkurrenz nicht akzeptabel, wir können den Ring dadurch nicht zuverlässig für Sport verwenden.