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Zirkulärgeschäfte, fehlende Liquidität

Eine aktuelle Untersuchung der auf Venturekapital, Hedgefonds und ähnliche Anlagevehikel spezialisierten Marktanalysten von CB Insights(öffnet im neuen Fenster) ergab, dass etwa die Hälfte des weltweit verfügbaren Venturekapitals bereits in KI-Start-ups steckt. Aber auch institutionelle Anleger sind vorsichtig geworden und wägen ab, wie viel KI-Risiko bei hohen, aber ungewissen Gewinnaussichten ihr Anlageportfolio verträgt.

Und weil Liquidität rundum fehlt, werden Allianzen wie die aktuelle geschlossen, bei der OpenAI und Microsoft gleichzeitig Partner, wechselweise Dienstleister und Kunden sind.

Bei den Geschäften werden im Grunde nur Papiere über den Tisch und wieder zurückgeschoben. Microsofts aktueller Deal ist ein prototypisches Zirkulärgeschäft, wie es für diese Phase typisch ist. OpenAI mietet bis zum Jahr 2032 Rechenzeit in der Azure-Cloud im Wert von 250 Milliarden US-Dollar, Microsoft wiederum kann sich am Fundus von OpenAI für die eigenen KI-Pläne bedienen. Der Konzern aus Redmond (Washington) hält durch den Deal nun 27 Prozent an OpenAI PBC, 26 Prozent verbleiben bei der OpenAI Foundation.

Wohltäterei mit kommerziellen Zielen

Die OpenAI Foundation wurde im Jahr 2015 von Sam Altman, Elon Musk und anderen Entrepreneurs als gemeinnütziges Non-Profit-Unternehmen OpenAI Inc.(öffnet im neuen Fenster) gegründet. Erklärtes Firmenziel war es, der angeblich drohenden Gefahr einer bösartigen Superintelligenz (Artificial General Intelligence, AGI) entgegenzuwirken, die irgendwer anderes entwickeln könnte, um die Menschheit zu knechten.

Als KI-Forschungsinstitut kam man einfacher und günstiger an die großen Mengen Datensätze, die für die Trainings der Vorläufer von ChatGPT nötig waren. Dass OpenAI allerdings von vornherein als Geschäft geplant war, zeigte 2019 die Gründung einer Tochterfirma, die bereits eingeschränkt kommerziell ausgerichtet war.

Im Zuge der Vereinbarung mit Microsoft wurde die Firma als OpenAI PBC in ein vollständig kommerzielles Unternehmen umstrukturiert, auch wenn PBC für Public Benefit Company steht. Das bedeutet nur, dass neben dem Shareholder Value – der Gewinnmaximierung – etwas Gemeinnütziges in den Firmenzielen stehen muss. Zum Beispiel, dass man der drohenden Gefahr einer bösartigen Superintelligenz durch die Schaffung einer gutartigen Superintelligenz begegnen werde.

PI-mal-Daumen-Bilanzierung

Dieses Unternehmen, an dem Microsoft und die OpenAI Foundation nun Sperrminoritäten halten, steht noch immer weitgehend unter Kontrolle der Stiftung(öffnet im neuen Fenster) , die unter anderem das Recht hat, die Führungsstruktur von OpenAI PBC zu bestimmen. Wie man gesehen hat, waren die Anleger nicht begeistert, dass sich Microsoft so eng an ein Unternehmen bindet, das in sechs Jahren kommerzieller Existenz nahezu 60 Milliarden US-Dollar verbrannt und kein einziges Quartal positiv abgeschlossen hat. Von Gewinnen ganz zu schweigen.

Und dann enthält der Quartalsbericht noch Hinweise darauf, dass Microsoft bei dem Deal mit OpenAI deutlich mehr Geld verbrannt hat , als bisher bekannt war. Während OpenAIs CEO Sam Altman vor der Neustrukturierung noch eine "burn rate" von rund 8,5 Milliarden US-Dollar bei Umsätzen von 13 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2025 angegeben hatte, dürfte es sich tatsächlich um eine zweistellige Summe handeln.

Die angegebenen 13 Milliarden Jahresumsatz für 2025 wiederum wurden von einem Monat mal zwölf hochgerechnet, wie das bei Start-ups üblich ist. Bis dato galten für OpenAI ja keine erweiterten Berichtspflichten wie für börsennotierte Firmen, sondern die Usancen des Start-up-Milieus.


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