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Rick Deckard: keine Zeit zum Sterben

Um das leicht modernisierte Setting nicht all seiner nostalgischen Elemente zu berauben, bedient sich Blade Runner 2049 eines cleveren Kniffs. Ein Ereignis zwischen den Filmen hat für einen großen Blackout gesorgt, wodurch die Menschheit kurzzeitig in eine analoge Steinzeit zurückversetzt und um die meisten ihrer digital gespeicherten Daten gebracht wurde. Deswegen sehen wir die Hauptfigur K in einer Szene Lochkarten nach wichtigen Daten absuchen und musikalisch dominieren Evergreens von Frank Sinatra und Elvis die Wohnzimmer besser situierter Bürger. Die Ärmeren sind im Zuge der Katastrophe selbstverständlich noch ärmer geworden, auch von diesem Teil der Gesellschaft sehen wir im fiktiven Szenario von Blade Runner 2049 sehr viel mehr als zuvor. Schauplatz ist, wie schon erwähnt, trotz allen Fortschritts und all der erhabenen Pyramidenbauten, nach wie vor eine im Herzen hässliche Dystopie.

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Hampton Fancher und Michael Green haben mit ihrem grundsätzlich sehr gelungenen Drehbuch nicht versucht, den Ur-Blade-Runner zu kopieren, dessen Handlung aber trotzdem tief in ihrer Fortsetzung verankert. Sie geben der melancholischen Liebesgeschichte zwischen Deckart und Rachael, die immer noch im Zentrum der Geschehnisse steht, neue Bedeutung und verschieben die offenen Fragen des Originals in eine vorher noch gar nicht implizierte Richtung.

Blade Runner 2049 funktioniert zwar wahrscheinlich auch für sich selbst gesehen ganz gut, wir empfehlen wegen der vielen Überschneidungen aber trotzdem unbedingt, vorher den Final Cut des ersten Teils nachzuholen und am besten auch die online veröffentlichten Kurzfilm-Handlungsbrücken zwischen den Filmen zu schauen. Wer Blade Runner von 1982 noch nie gesehen hat, wird die emotionalen Elemente einiger wieder aufgegriffener Handlungsstränge außerdem nicht unbedingt nachempfinden können.

Es fehlen neue Tränen im Regen

Während das Grundgerüst der direkten Fortsetzung durchweg überzeugt und eine spannende Geschichte erzählt, enttäuschen Nebenfiguren und gerade die Antagonisten ein wenig. Außer dem spät im Film zurückkehrenden Rick Deckard (Harrison Ford so gut wie lange nicht mehr) und dem neuen Blade Runner K sind die meisten Personen sehr stereotyp und nicht halb so interessant wie die Szenerie, in der sie leben. Ausgerechnet die Hologramm-KI Joi (verkörpert von Ana de Armas) ist die einzige weibliche Person im Film, bei der wir einen Hauch Vielschichtigkeit ausmachen konnten. Ks prinzipientreue Vorgesetzte Lieutenant Joshi (Robin Wright) bleibt dagegen genauso blass wie die Rechte-Hand-Replikantin Luv (Sylvia Hoeks) und ihr Vorgesetzter Niander Wallace (Jared Leto), dem wir als Schöpfer der neuen Replikanten-Generation mit gottgleichem Selbstverständnis nach den Trailern eine viel größere Rolle zugetraut hätten.

  • Nicht mehr solo: Deckard schließt sich Blade Runner K an. (Bild: Sony Pictures)
  • Holo-Werbung für frivole Gelüste - mehr als nur lebensgroß. (Bild: Sony Pictures)
  • K macht eine Entdeckung, die seine Reise für den Rest des Films bestimmen wird. (Bild: Sony Pictures)
  • Fallout lässt grüßen: Blade Runner K auf dem Weg ins verstrahlte Las Vegas (Bild: Sony Pictures)
  • Keine Sci-Fi-Reihe lässt den Traum von fliegenden Autos so gemütlich wirken wie Blade Runner. (Bild: Sony Pictures)
  • Spielt im Film nicht so eine große Rolle wie erwartet: Jared Leto als Niander Wallace. (Bild: Sony Pictures)
  • Lieutenant Joshi und Replikantin Luv: schlagkräftige, aber leider nicht sehr vielschichtige Frauenfiguren (Bild: Sony Pictures)
  • Regisseur Denis Villeneuve ist ein erklärter Fan echter Sets mit möglichst wenig CGI. (Bild: Sony Pictures)
Spielt im Film nicht so eine große Rolle wie erwartet: Jared Leto als Niander Wallace. (Bild: Sony Pictures)

Zwar ist der erste Blade Runner keinesfalls für seine umfangreiche, komplexe Handlung bekannt, durch seine traumhafte Neo-Noir-Stimmung hinterlassen Figuren, Geschehnisse und auch die Dialoge allerdings einen tieferen Eindruck. Einen solch legendären Moment wie Rutger Hauers "Tränen im Regen"-Monolog hat das Sequel nirgends zu bieten. Stattdessen wirkt der ein oder andere Dialog gerade dann einen Tick zu plakativ, wenn der neue Film besonders angestrengt versucht, philosophisch zu sein.

Blade Runner 2049 endet auch nicht ansatzweise so mysteriös wie der Final Cut des Vorgängers. Die immer gut mitverfolgbare, klar verlaufende Handlung ist trotz einer Vielzahl effektiver Wendungen in sich schlüssig und findet besonders emotional gesehen einen sehr runden Abschluss für ihre Hauptfiguren. Die Tatsache, dass so gut wie gar kein Raum für Interpretation und Spekulationen bleibt, lässt Blade Runner 2049 verglichen mit dem Original letztendlich jedoch die größte Faszination einbüßen. Immerhin ist die Tür für einen dritten Teil mit Fokus auf den großen Konflikt zwischen Replikanten und ihren Schöpfern wohl nicht ganz zufällig sehr weit geöffnet worden.

Fast ein Wunder

Blade Runner 2049 mag atmosphärisch nicht an seinen brillanten Vorgänger herankommen, der ist in diesem Bereich aber zugegebenerweise ein wahrer Meilenstein. Dass Denis Villeneuve trotzdem so ein starkes Sequel gelungen ist, das die offene Handlung schlüssig fortführt und viele Gedanken des Klassikers weiterentwickelt, grenzt aus Fan-Sicht trotz kleinerer Schwächen an mehr als nur ein Wunder. Alleine die nach wie vor faszinierende Cyberpunk-Welt von Blade Runner detailgetreu in so echt wirkender Pracht zu sehen, ist für Science-Fiction-Freunde das Kinoticket wert.

Genau wie 1982 dürfen sie aber kein Actionfeuerwerk erwarten. Sie sollten bereit sein, einen Film zu sehen, der sich für seine Handlung viel Zeit nimmt und der einzelne Momente gerne lange stehen lässt. Blade Runner 1 hinterlässt auf diese Art mehr Eindruck, Villeneuves eigenes Meisterwerk Arrival ist zweifellos der bessere Science-Fiction-Film. Es gibt ansonsten aber kaum nennenswerte Genrevertreter der vergangenen Jahre, die sich mit Blade Runner 2049 als Gesamtwerk annähernd messen könnten.

 Blade Runner 2049: Ein gelungenes Update für die Zukunft
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Friedhelm 17. Okt 2017

Also ich war sofort begeistert als ich ihn in den 80ern gesehen habe. Mich interessiert...

Friedhelm 17. Okt 2017

"Blade Runner 2049: Trotz Kritikerbeifall am ersten Wochenende gefloppt" 2 Stunden 43...

HanSwurst101 11. Okt 2017

Kubrick ?! LOL. Wenn man keine Ahnung hat, ----

Vaako 09. Okt 2017

Kann ich auch nur bei pflichten die 3std im Kino waren echt etwas zuviel für mich und gab...

notnagel 09. Okt 2017

Komische Aussage. Vin Diesel ist ein ähnlicher Schauspielertyp wie Ford und ähnlich...


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