Blackout: Internet im Iran abgeschaltet

Im Iran ist es zu einem nahezu vollständigen Zusammenbruch der Internetverbindungen gekommen. Messdaten der Netzbeobachter von Netblocks(öffnet im neuen Fenster) zeigen, dass der Datenverkehr landesweit innerhalb kurzer Zeit massiv eingebrochen ist.
Die Organisation spricht von einem nationalen Internetausfall mit gleichzeitigen Einbrüchen über mehrere Netze hinweg, wodurch sowohl mobile Datenverbindungen als auch Festnetzanschlüsse in weiten Teilen des Landes nicht mehr nutzbar seien.
Analysen von Cloudflare Radar(öffnet im neuen Fenster) bestätigen diese Entwicklung. Demnach ist insbesondere der mobile Datenverkehr stark betroffen. Die über IPv6 abgewickelten Daten gingen zeitweise um mehr als 90 Prozent zurück. Die Messwerte zeigen, dass der Ausfall nicht auf einzelne Regionen begrenzt ist, sondern große Teile des Landes erfasst.
Auffällig ist, dass die Störungen zeitgleich bei verschiedenen Netzanbietern auftraten und damit ein einheitliches Muster bilden. Das spricht gegen technische Defekte und deutet auf eine koordinierte Abschaltung hin.
Für die Bevölkerung bedeutet der Blackout, dass Kommunikationsdienste, Nachrichtendienste, soziale Netzwerke und viele Onlineangebote nicht oder nur noch eingeschränkt erreichbar sind.
Proteste gegen Wirtschaftskrise
Der Internetausfall fällt mit wachsenden Protesten gegen die wirtschaftliche Lage im Land zusammen. Wie The Guardian(öffnet im neuen Fenster) berichtet, haben Demonstrationen in mehreren Städten zugenommen. Auslöser sind stark gestiegene Preise, die hohe Inflation und der anhaltende Wertverlust der Landeswährung.
In sozialen Netzwerken verbreiteten sich in den vergangenen Tagen Videos und Berichte über Kundgebungen, die Kritik an der Regierung und an staatlichen Institutionen äußern. Beobachter gehen davon aus, dass die Maßnahme darauf abzielt, die Organisation weiterer Demonstrationen zu behindern und die öffentliche Wahrnehmung der Unruhen zu kontrollieren.
Solche Eingriffe in die digitale Infrastruktur sind im Iran nicht neu. Bereits im November 2019 kappte die Regierung während landesweiter Proteste gegen steigende Benzinpreise den Internetzugang fast vollständig. Der Blackout dauerte mehrere Tage und galt als einer der umfassendsten weltweit. Auch während der Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini im Jahr 2022 kam es erneut zu großflächigen Drosselungen und Sperren.