Blackout in Berlin: BKA schreibt eine Million Euro als Belohnung aus
Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin will die Bundesregierung linksextreme Gruppen stärker bekämpfen. Neben zusätzlichem Personal für die Sicherheitsbehörden zählen dazu mehr digitale Ermittlungsbefugnisse. Dabei gehe es um automatisierte Datenanalysen, biometrische Gesichtsabgleiche und die Speicherung von IP-Adressen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt(öffnet im neuen Fenster) (CSU) am 27. Januar 2026 in Berlin.
Konkreter Anlass für die neuen Pläne ist ein Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin(öffnet im neuen Fenster), von dem Anfang Januar 2026 unter anderem 45.000 Haushalte betroffen waren. In diesem Zusammenhang startete das Bundeskriminalamt (BKA) einen öffentlichen Zeugenaufruf, der bis zum 24. Februar 2026 läuft. "Für Angaben, die bis zu diesem Zeitpunkt eingehen und zur Ermittlung des oder der Täter führen, ist eine Belohnung von bis zu einer Million Euro durch das BKA ausgesetzt", teilte die Behörde mit(öffnet im neuen Fenster).
Vulkangruppe veröffentlichte Bekennerschreiben
Zu dem Anschlag bekannte sich die linksextreme Vulkangruppe, die bereits im März 2024 die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide sabotiert hatte. Ziel des Angriffs sei die Unterbrechung der Stromversorgung des angrenzenden Heizkraftwerks in Berlin-Lichterfelde und "die fossile Energiewirtschaft" gewesen, zitiert das BKA aus dem Bekennerschreiben(öffnet im neuen Fenster).
Der Generalbundesanwalt führt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.
Kritis-Dachgesetz wird verabschiedet
Dobrindt verwies darauf, dass der Schutz kritischer Infrastrukturen auch durch das neue Kritis-Dachgesetz verstärkt werden solle. "Das nimmt vor allem auch die Betreiber der kritischen Infrastruktur in die Verantwortung, um Risikoanalysen durchzuführen und entsprechende Resilienzen zu schaffen", sagte der Minister.
In diesem Zusammenhang kündigte Dobrindt an, die gesetzlichen Regelungen zu ändern, die Betreiber kritischer Infrastrukturen zur öffentlichen Bereitstellung von Informationen verpflichten.
Öffentliche Informationen reduzieren
"Ich glaube, dass wir ein zu hohes Maß an öffentlichen Informationen gegenüber unserer kritischen Infrastruktur zur Verfügung stellen. Das ist zu einem erheblichen Teil gesetzlich sogar angeordnet", sagte Dobrindt zur Begründung.
Das mache es "Personen, die Anschläge vorbereiten, in manchen Bereichen zu leicht, weil man Engstellen, weil man Flaschenhälse, weil man Elemente einer kritischen Infrastruktur durch öffentlich zugängliche Informationen identifizieren kann, die dann auch, wenn man sie attackiert, zu einem maximalen Schaden führen können", ergänzte der Minister. Daher wolle er zusammen mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) "dieses Maß an Transparenz reduzieren". Dobrindt kündigte an: "Wir werden die notwendigen Gesetze dafür vorlegen, um diese Informations-Zurverfügungstellung einzuschränken."
Entsprechende Forderungen erhob bereits der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor zwei Wochen. Arne Semsrott von der Organisation Frag den Staat wies diese Forderung jedoch zurück und verwies darauf, dass die bei dem Anschlag beschädigte Kabelbrücke kilometerweit zu sehen sei. "Man kann solche Brücken oder andere potenzielle Anschlagsziele wie Bahnlinien oder Atomkraftwerke nicht verstecken", sagte er der Berliner Morgenpost(öffnet im neuen Fenster).
Informationskampagne geplant
Darüber hinaus will die Regierung laut Dobrindt nun "alle Register" im Kampf gegen Linksextremismus ziehen. Zusätzlich zu der hohen Belohnung werde es eine "breit angelegte Informationskampagne" im Großraum Berlin und Brandenburg geben. Auf Anzeigetafeln, Plakaten und Handzetteln werde auf den Fahndungsaufruf hingewiesen.
Die Ausweitung der digitalen Ermittlungsbefugnisse steht jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit dem Anschlag, sondern findet sich bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Einen Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung brachte das Bundesjustizministerium im Dezember 2025 bereits auf den Weg.
Dem Bundesinnenminister zufolge soll der verstärkte Kampf gegen den Linksextremismus und Linksterrorismus jedoch nicht dazu führen, dass andere Bedrohungen aus dem Fokus der Sicherheitsbehörden geraten. "Es kommt zu keiner Schwerpunktverlagerung, sondern schlichtweg zur Aufrüstung gegen Linksextremismus", sagte Dobrindt und fügte hinzu: "Wir kämpfen gegen den Rechtsextremismus, wir kämpfen gegen den islamistischen Extremismus."
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