Blackberry Key2 im Test: Ordentliches Tastatur-Smartphone mit zu vielen Schwächen

Auf das Blackberry Keyone folgt das Key2 . Für einen Nachfolger zu dem im vergangenen Jahr erschienenen Blackberry-Smartphone ist der Name konsequent, in Anbetracht der natürlich deutlich mehr als nur zwei Tasten umfassenden QWERTZ-Volltastatur wohl aber die Untertreibung des Jahres. Leider beweist das Key2 im Test, dass viele Tasten noch längst kein gutes Smartphone machen.
Das Blackberry Key2 sieht dem Keyone auf den ersten Blick sehr ähnlich. Beide Geräte haben einen hochkant aufgestellten Touchscreen, von dem etwa das untere Viertel von der Tastatur eingenommen wird. Die Nähe zum Vorgänger ist grundsätzlich nicht schlimm, immerhin hat es Blackberry Mobile schon beim Keyone verstanden, trotz der Tastatur die schlanke Linie des Gehäuses zu wahren und so bei Bedarf auch die Einhandbedienung zu ermöglichen. Auch auf dem Key2 lassen sich Texte komfortabel lesen, durch längere Listen oder die Bildergalerie kann mühelos mit dem Daumen der haltenden Hand gescrollt werden. Dafür soll auch die als Trackpad nutzbare Tastatur sorgen, die uns im Test allerdings einige Probleme bereitet hat.
Für Texteingaben mit der physischen Tastatur wird idealerweise die zweite Hand hinzugenommen. Denn auch wenn das Key2 an sich schlank genug ist und sich auch die weiter entfernten Buchstaben mit dem Daumen erreichen lassen, ist es doch ein Unterschied, ob eine Taste tatsächlich gedrückt oder nur eine auf dem Bildschirm eingeblendete Fläche berührt werden muss.

Kurz: Einhändiges Schreiben auf dem Key2 wird schnell anstrengend. Beidhändig ist das Schreiben jedoch sehr angenehm. Dafür sorgen die recht weichen, aber gut definierten Druckpunkte, die im Vergleich zum Keyone um 20 Prozent höheren Tasten und der größere Zeilenabstand. Tatsächlich ist das Tippen von Texten auf dem neuen Blackberry angenehmer als beim Vorgänger, durch die spürbar größeren Tasten kommen Fehleingaben seltener vor.
Mit dem neuen Speed Key führt Blackberry Mobile eine neue Taste auf dem typischen Blackberry-Layout ein, die bei gleichzeitigem Drücken mit einer Buchstaben-Taste auch abseits des Startbildschirms eine vorher definierte Aktion ausführt oder eine App aufruft. Darüber hinaus hat der Hersteller ein großes Manko des Keyone und anderer älterer Blackberry-Smartphones beseitigt: Beim Key2 sitzen alle Funktionstasten auf der rechten Seite, der nun geriffelte Power-Knopf quetscht sich zwischen die Lautstärkewippe und die Komforttaste.
Auswirkungen auf die Abmessungen haben die Veränderungen an der Tastatur des Key2 übrigens nicht, es ist nahezu genauso groß wie der Vorgänger. Allerdings ist das neue Smartphone kantiger, es entspricht damit eher dem Touchscreen-Modell Motion . Die typisch schwarze, nicht abnehmbare Kunststoffrückseite hat eine fühlbare Struktur und ist leicht gummiert, das Smartphone ist dadurch angenehm griffig und rutscht beim Tippen nicht so leicht aus der Hand wie das Vorgängermodell.
Der Rahmen des Key2 besteht aus Aluminium, wenngleich er wegen seiner stumpfen Oberfläche zumindest in der silbernen Farbausführung eher wie Kunststoff anmutet. Nicht ganz so elegant erscheint die Blende rund um die Tastatur, die sich mit einem sichtbaren Spalt vom Rest des Gehäuses absetzt. Davon und von der aus dem Rücken herausragenden Dual-Kamera einmal abgesehen ist die Verarbeitung des Blackberry-Smartphones aber durchaus gelungen. Keine Überraschung: Das Key2 ist nicht wasserdicht, wofür nicht zuletzt die Tasten verantwortlich sein dürften.
Bei der Hardware herrscht Mittelklasse-Ausstattung vor.
Gutes Display, aber nicht überragend hell
Wie bereits im Keyone verbaut Blackberry Mobile im Key2 ein 4,5 Zoll großes Display im 3:2-Format. Durch das für Smartphones eher ungewöhnliche Seitenverhältnis ist die Darstellungsfläche kürzer als bei üblichen 16:9- oder den noch längeren 18:9-Bildschirmen. Das angenehm blickwinkelstabile IPS-Panel stellt 1.620 x 1.080 Pixel dar, das sind gute 433 Pixel pro Zoll.
Die Farbwiedergabe ist auf Natürlichkeit getrimmt und nicht so satt wie auf modernen AMOLED-Displays, der sRGB-Farbraum wird jedoch mehr als abgedeckt und Abweichungen bei Farben und Grautreppe sind mit Werten um die 5 Delta-E im Rahmen. Die gemessene Helligkeit von 425 cd/m² entspricht etwa der des Vorgängers. Schon beim Keyone empfanden wir die Anzeige als zu dunkel.
Übrigens: Das Key2 hat keine On-Screen-Buttons. Stattdessen setzt der Hersteller auf kapazitive Android-Navigationsknöpfe, die nur bei Bedarf beleuchtet werden - im Standby sind sie also nicht zu sehen. Eine Always-on-Anzeige hat das Blackberry-Smartphone nicht, nur das Android-typische Inaktivitätsdisplay und eine Funktion, um das Smartphone mit einem Doppeltippen auf das Display aufzuwecken.
Wie der Vorgänger hat auch das Key2 keine Highend-Hardware an Bord, sondern Qualcomms Mittelklasse-Chipsatz Snapdragon 660 mit acht Kryo-260-Prozessorkernen. Trotzdem greift der Hersteller den Blackberry-Fans tief in die Tasche, das Key2 ist mit einer Listenpreis von 650 Euro respektive 700 Euro sogar noch teurer als der Vorgänger. Immerhin hat Blackberry Mobile den Arbeitsspeicher aufgestockt, er ist mit 6 GByte angemessen groß für ruckelfreies Multitasking. Der Flash-Speicher ist je nach Modell 64 GByte oder 128 GByte groß, es gibt einen Steckplatz für eine MicroSD-Karte.
Rein nach Datenblatt gibt es für so viel Geld bessere Smartphones. Das Oneplus 6 beispielsweise, mit leistungsstarkem Snapdragon 835, 8 GByte Arbeitsspeicher und 256 GByte Flash-Speicher, kostet in seiner besten Ausstattung mit 620 Euro weniger als das Key2. Doch an Blackberry Mobile prallen solche Vergleiche ab, das Unternehmen sieht wohl vor allem in dem Alleinstellungsmerkmal Tastatur und vermutlich auch in der Marke eine Rechtfertigung für die hohen Preise für die Blackberry-Smartphones. Auch das Touchscreen-Smartphone Motion war im Vergleich zur Konkurrenz zum Marktstart im November 2017 unverhältnismäßig teuer.
Nicht zuletzt die Software macht den Unterschied zu anderen Android-Herstellern aus - und die entsteht hauptsächlich noch beim Blackberry-Konzern in Ontario. Auf dem Key2 kommt wie bei den zuletzt erschienenen Blackberry-Smartphones Android zum Einsatz, das durch zusätzliche Maßnahmen aber noch sicherer sein soll als das rohe Betriebssystem von Google. Dafür sorgen zusätzliche, unter anderem in den Chipsatz des Gerätes integrierte Sicherheitsebenen, die schon beim Bootvorgang Manipulationen erkennen und üblichen Funkschnittstellen wie Bluetooth, WLAN und NFC einen zusätzlichen Schutz hinzufügen sollen.
Obwohl die Blackberry-Smartphones schon länger mit Android laufen, wirkt die Software unfertig.
Die Software wirkt unfertig
Das Key2 ist ab Werk mit Android 8.1 alias Oreo und dem Blackberry Launcher bespielt, ein Update auf die kommende Android-Hauptversion hat Blackberry Mobile bereits in Aussicht gestellt. Die Benutzeroberfläche kommt dem rohen Android zwar recht nahe, auch bei Blackberry dominiert das Materialdesign. Allerdings wird die Oberfläche durch zahlreiche Apps, Widgets und vorgefertigte Verknüpfungen erweitert, die es so auf keinem anderen Android-Smartphone gibt.
Einige Ergänzungen scheinen tatsächlich sehr sinnvoll zu sein, jedoch dürfte vielen Nutzern schon bei der Ersteinrichtung die Lust vergehen, sich damit näher zu beschäftigen. Mehrere Anfragen zur Datenanalyse, diverse App-Benachrichtigungen und Nutzungstutorials beim ersten Systemstart - jede App will gleich zu Beginn genutzt werden. Das nervt!
Ohnehin wirkt das System aufgebläht. Zwar sind überraschend wenige Google-Apps an Bord des Key2 und Überschneidungen mit eigener Software gibt es praktisch nicht. Jedoch stammen viele der Blackberry-Anwendungen aus der Ära Blackberry OS 10 und sind nicht nur optisch überholt. Warum zwei separate Apps für Aufgaben und Notizen oder das Bearbeiten und Schwärzen von Screenshots nötig sind, weiß wohl nur der Hersteller selbst.
Auch wenn sich die Apps bei der Bedienung an den Vorgaben von Google orientieren: Sie fügen sich einfach nicht in die Nutzeroberfläche ein und wirken wie Fremdkörper. Fremdkörper, die aufzeigen, dass Blackberry seine Apps seit dem ersten Android-Versuch vor drei Jahren kaum weiterentwickelt hat.
Dennoch sind einige von ihnen auch ungemein praktisch. Der Locker beispielsweise, ein passwortgeschützter Safe, in den sich Dateien verschieben oder Fotos speichern lassen. Für letzteres bietet die Kamera-App sogar einen separaten Auslöser, durch dessen Betätigung die Aufnahmen direkt im Locker landen. Auch der Privacy Shade ist in gewissen Situationen sinnvoll. Durch ihn wird nur ein bestimmter Bereich auf dem Bildschirm sichtbar, der Rest ist schwarz überdeckt und damit für Stielaugen etwa in der U-Bahn oder im Bus unsichtbar.
Mit der Produktivitätsleiste findet Blackberry zudem eine sinnvollere Anwendung für ein Seitenpaneel als Samsung bei seinen Smartphones mit Edge-Display: In dem ausfahrbaren Fenster finden sich Abrisse aus dem Kalender, Aufgaben, Kontakten und den zuletzt verschickten Nachrichten. Keiner Worte bedarf an dieser Stelle der legendäre Blackberry Hub, der wohl nach wie vor beste kombinierte Nachrichteneingang für E-Mails und Messenger-Nachrichten.
Jeder Buchstabe zwei Shortcuts
Grundsätzlich eine gute Idee ist seit jeher die Komforttaste am Blackberry-Smartphone, die sich für das Aufrufen unterschiedlicher Apps und Aktionen programmieren lässt. Beim Key2 hat Blackberry Mobile auch das Problem mit der Positionierung gelöst, die Taste befand sich bei früheren Geräten nämlich stets dort, wo man eigentlich den Einschalter erwartet hätte. Vielleicht hat es der Hersteller mit dem Komfort aber etwas zu gut gemeint: Der Knopf lässt sich für einfache kurze, zweifache kurze und einfache lange Betätigung mit verschiedenen Handlungen belegen.
Zusätzlich kann jeder der 26 Buchstaben auf der QWERTZ-Tastatur für langes und kurzes Drücken mit einem Shortcut versehen werden. Soll die gewünschte Aktion nicht vom Startbildschirm aus, sondern aus einer gerade laufenden App aufgerufen werden, dann kommt der neue Speed Key unten rechts auf der Tastatur ins Spiel: Er muss gleichzeitig mit der gewünschten Buchstabentaste gedrückt werden, schon wird die definierte Aktion ausgeführt.
Bei einer solchen Vielfalt - 52 Shortcuts! - geht aber auch schnell die Übersicht verloren. Nicht optimal gelöst ist es in diesem Zusammenhang, dass das Key2 beim Drücken einer noch nicht programmierten Taste trotzdem reagiert und dem Nutzer jedes Mal eine entsprechende Funktionsbelegung anbietet. Glücklicherweise kann das Verhalten über die Einstellungen so geändert werden, dass beim Betätigen einer nicht belegten Taste die Google- oder Gerätesuche aufgerufen oder die Eingabe gleich ganz ignoriert wird.
Eine Enttäuschung ist die Touch-Erkennung der QWERTZ-Tastatur. Die ist nicht nur zum Scrollen durch Listen und Webseiten praktisch, sondern für das schnelle Schreiben von Texten essenziell. Denn um dem Nutzer das Tippen ein wenig zu erleichtern, werden auf dem Touchscreen jeweils drei - in der Regel hervorragend in den Kontext passende - Wortvorschläge angezeigt, die durch das Wischen von unten nach oben über das Tastenfeld in den Satz eingefügt werden. Die Tastatur registriert diese Flick-Type-Eingabe allerdings auf den zwei von uns getesteten Geräten unerwartet schlecht, vor allem in der Spalte über der Leertaste stockt es. Wirklich Freude bereitet die Bedienung des Smartphones so nicht.
Doch es hakt auch an einigen anderen Stellen, die Software des Key2 ist nicht fehlerfrei. Während des Tests stürzte uns der Startbildschirm des Smartphones so ab, dass bis zum Neustart keine Icons oder Widgets mehr zu sehen waren. Uhrzeit und Datum setzten sich nach dem Abriss der Internetverbindung spontan auf den 1. Januar 1970 zurück. Die Vorschau der Kamera-App stellte statt der gerade getätigten Aufnahme nur ein unscharfes Bild dar - in der Galerie wurde das Foto hingegen korrekt abgespeichert. Solche Probleme traten immer wieder einmal auf, ein Update stand zum Marktstart des Key2 noch nicht bereit.
Beim Einstaz der Dual-Kamera werden die Ergebnisse nicht deutlich besser.
Die Dual-Kamera überzeugt nicht
Das Key2 ist das erste Blackberry-Smartphone mit einer Dual-Kamera. Wie Apple und Samsung baut auch Blackberry Mobile neben einem Objektiv mit normaler Brennweite eines für den längeren Telebereich ein, durch das eine zweifache optische Vergrößerung erzeugt werden kann. Beide Kameramodule bieten eine Auflösung von 12 Megapixeln. Die Kamera mit Normalbrennweite hat ein Objektiv mit f/1.8-Blende und einen schnellen Dual-Pixel-Autofokus, das Telemodul hat eine kleinere f/2.6-Blende und einen einfachen Phasenvergleichsfokus. Die Unterschiede bei der Fokustechnik sind spürbar, der auch bei anderen Highend-Smartphones wie dem Galaxy S9 verbaute Dual-Pixel-Sensor fokussiert merklich schneller.
Allerdings: Scharf sind die Fotos aus der Kamera des Key2 nicht. Im Gegenteil, schon lange haben wir keine Smartphone-Kamera mehr getestet, die solch beschämend verwaschene Aufnahmen vorlegt. Selbst bei Tageslicht ist uns kein Bild gelungen, das uns hinsichtlich der Schärfe durchweg gut gefallen hätte. Ein Grund dafür dürfte der von der Software aufgetragene Weichzeichner sein, der besonders störend bei den Aufnahmen mit dem Teleobjektiv auffällt. Wohlgemerkt bei ausgeschaltetem Bokeh-Effekt, den das Key2 zwar grundsätzlich beherrscht, der jedoch künstlich wirkt und sichtlich Probleme damit hat, Vorder- und Hintergrund voneinander zu trennen.
Ein Hoffnungsschimmer ist die in den Einstellungen der Kamera-App vergrabene und standardmäßig deaktivierte Option "Vor der Aufnahme fokussieren" , über deren bloßes Vorhandensein natürlich diskutiert werden darf. Doch macht es beim Key2 keinen Unterschied, ob wir sie einschalten oder nicht - schärfer werden die Fotos dadurch nicht. Gut zu wissen: Auch bei ausgeschaltetem Blitzlicht nutzt das Blackberry-Smartphone unter sehr schlechten Lichtbedingungen die LED auf der Rückseite, um die Situation kurz auszuleuchten und zu fokussieren. Für die Aufnahme selbst bleibt der Blitz dann aber aus.
Wie das Nokia 7 Plus nutzt auch das Key2 bei einer zweifachen Vergrößerung nicht immer das Teleobjektiv. Befindet sich das Motiv vor der Naheinstellgrenze oder ist die Szene zu dunkel, dann wird die Normalbrennweite mit Digitalzoom verwendet. Das Umschalten zwischen Standard- und Teleobjektiv ist zwar kurz sichtbar, stört aber grundsätzlich nicht. Störender ist es da, dass sich Qualitätsunterschiede bemerkbar machen - auch wenn die wegen der ohnehin schon bescheidenen Leistung der Telekamera nicht so gravierend ausfallen, wie man es vielleicht vermuten mag. Wie beim Nokia-Smartphone würden wir uns im Sucher einen entsprechenden Hinweis dazu wünschen, mit welcher Optik das Foto gerade aufgenommen wird.
Enttäuschend ist die Key2-Kamera nicht zuletzt deshalb, weil sich durchaus Potenzial abzeichnet. Bei Belichtung und Weißabgleich gibt es kaum Ausreißer, auch die Abbildung der Farben ist angenehm natürlich. Selbst Nachtaufnahmen fallen trotz des sichtbaren Bildrauschens noch akzeptabel aus. Doch die Software bricht der Smartphone-Kamera das Genick, statt ihr unter die Arme zu greifen. Beispiele: Einen manuellen Aufnahmemodus bietet die Blackberry-Kamera zwar in den App-Einstellungen an, darin darf aber nur eine maximale Belichtungslänge von 1/3 Sekunde ausgewählt werden.
Regelrecht nervtötend ist es, dass die Kamera-App hin und wieder die getätigten Einstellungen vergisst. Ein Wechsel vom manuellen zurück in den Automatikmodus, die Änderung des Seitenverhältnisses vom vorgegebenen Standard 3:2 auf 4:3 - ein Neustart der Kamera und die Einstellungen sind wieder die alten.
Videos nimmt das Key2 maximal in 4K-Auflösung bei wahlweise 24 oder 30 Bildern pro Sekunde auf. In Full-HD sind bis zu 60 Bilder möglich, im Zeitlupenmodus bei 720p-Auflösung bis zu 120 Bilder. Die Videoqualität geht grundsätzlich in Ordnung. Leider lässt sich vor oder während des Filmens das Teleobjektiv nicht auswählen, nur mit der Normalbrennweite ist die Aufnahme möglich. Zumindest für 4K-Videos hätten wir uns die Unterstützung von HEVC gewünscht, das Key2 beherrscht aber nur die H.264-Codierung.
Über die 8-Megapixel-Frontkamera müssen nicht viele Worte verloren werden, sie ist eine regelrechte Katastrophe. Während unseres Tests gelang es uns kein einziges Mal, ein scharfes Selbstportrait aufzunehmen - obwohl der Porträtierte bei ein- oder ausgeschalteter Gesichtserkennung im Sucher stets knackscharf abgebildet war. Ähnliches haben wir schon vor einem halben Jahr beim Blackberry Motion beobachtet, den Hersteller scheint das aber nicht zu interessieren.
Konnektivität und Akkulaufzeit des Blackberry Key2
Das Blackberry Key2 ist als Single-SIM- und als Dual-SIM-Version erhältlich. Wer zwei SIM-Karten im Smartphone nutzen möchte, der muss zur 700 Euro teuren Auflage des Key2 mit 128 GByte Speicher greifen - und sich dann mit einem Hybridslot zufriedengeben. Das 64-GByte-Modell bietet nur Platz für eine SIM-Karte und eine bis zu 256 GByte große MicroSD-Karte. Die Sprachqualität ist gut, Anrufer dringen klar und deutlich durch die Hörmuschel und die Lautsprecher des Smartphones. Auch bei Telefonaten über die Freisprechfunktion gibt es keine Auffälligkeiten, Umgebungsgeräusche werden für die Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung gut herausgefiltert. WLAN-Telefonie ist mit dem Smartphone möglich - anders als beim Keyone.
Das Key2 unterstützt LTE Cat-11 (Download bis zu 600 Mbit/s, Upload bis 50 Mbit/s), Bluetooth 5.0, GPS und Glonass sowie Dual-Band-WLAN ac. Darüber hinaus sind ein UKW-Radio und ein NFC-Modul an Bord, auch einen Kopfhöreranschluss hat das neue Blackberry-Smartphone.
Das Key2 hat einen USB-C-Port nach USB-3.0-Standard, der USB-OTG und Displayport-over-USB beherrscht. Auch schnelles Laden ist möglich, hierfür unterstützt das Smartphone Qualcomms Quick-Charge-3.0-Standard. Drahtlos kann der 3.500 mAh große und fest verbaute Akku hingegen nicht mit Strom versorgt werden. Die Akku-Laufzeit gibt der Hersteller mit unverfänglichen "bis zu 2 Tagen an" . Tatsächlich ist das Key2 recht genügsam und auch bei intensiver Nutzung mit Internetsurfen, Musikhören und dem Schreiben von E-Mails reicht der Akku locker über den Arbeitstag. Bei gemächlicher Nutzung im Alltag dürfte auch ein zweiter Tag drin sein. In der Videodauerschleife erreichte das Key2 eine Display-on-Zeit von sehr guten 9:05 Stunden und reiht sich damit im oberen Drittel unserer Akku-Bestenliste ein.
Verfügbarkeit und Fazit
Blackberry verkauft das Key2 mit 64 GByte Flash-Speicher für 650 Euro. In Kürze soll es auch das 128-GByte-Modell mit Dual-SIM-Funktion für 700 Euro geben.
Fazit
Das Key2 ist das bislang beste Blackberry-Smartphone mit Android und das derzeit beste Smartphone mit Volltastatur. Komplett überzeugt hat es uns aber nicht. In der Handhabung ist das Gerät unter den aktuellen Top-Smartphones einzigartig und die neuen vergrößerten Tasten sind ein deutlicher Vorteil gegenüber dem Keyone. Zwar trennt sich der Hersteller in einigen Punkten vom Blackberry-Ballast längst vergangener Tage - das Arrangement der Seitentasten wurde verbessert und die neue Speed-Taste ist eine Bereicherung -, doch wirkt das Blackberry-Android noch immer konzeptlos. Statt das Google-Betriebssystem abzuwandeln, wurden in den vergangenen drei Jahren immer neue Funktionen und Apps hinzugefügt.
Im Ergebnis erscheint die Software aufgebläht und ist unnötig komplex. Der Spagat zwischen identitätsstiftenden eigenen Inhalten und einem allseits vertrauten und mutmaßlich leicht zu pflegenden Google-Interface - er mag Blackberry Mobile einfach nicht gelingen. Hinzu kommen die vielen großen und kleinen Probleme, die das Key2 plagen. Die Flick-Type-Eingabe ist im derzeitigen Zustand kaum zu gebrauchen, ebenso die Frontkamera, die der Hersteller offenbar ohne die nötigen Verbesserungen direkt aus dem Motion übernommen hat. Auch die Dual-Kamera-Premiere misslingt, die Fotoqualität ist schlechter als bei manch einem nur halb so teuren Android-Smartphone.