Black Lives Matter: Linux-Kernel könnte "inklusive Sprache" bekommen

Die Diskussionen zur Anpassung oder Änderung von vielfach in der IT genutzten Begriffen wie Master und Slave in Open-Source-Projekten hält weiter an und hat nun auch die Linux-Kernel-Community erreicht. Der bei Intel angestellte Entwickler Dan Williams hat einen entsprechenden Patch auf der Kernel-Mailing-Liste veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster) , der die Linux-Dokumentation erweitert und eben empfiehlt, auf den Begriff Slave sowie auch Blacklist zu verzichten. Der Vorschlag wird unter anderem von Greg Kroah-Hartman unterstützt, der nach Linux-Erfinder Torvalds in der Community als Nummer zwei der Kernel-Entwicklung gilt.
Der Patch ist als Teil der Coding-Style-Richtlinien des Kernels vorgesehen und erlaubt Ausnahmen von der neuen empfohlenen Sprache, sofern die Worte etwa Teil des Userspace-ABIs sind oder bestehenden Code betreffen, der sich etwa auf Hardware oder externe Protokolle beziehungsweise Standards bezieht. Teil des Patches ist außerdem eine Erweiterung der Dokumentation, die die Hintergründe zu den neuen Empfehlungen diskutiert. Darin wird direkt auf die aktuellen weltweiten Black-Lives-Matter-Proteste Bezug genommen, auch wenn dies nicht explizit genannt wird.
Anders als in vielen anderen Projekten sieht der Patch bisher nicht vor, die darin formulierten Empfehlungen auch direkt in den unzähligen Code-Bestandteilen des Linux-Kernels umzusetzen. Das soll wohl den einzelnen Maintainern überlassen werden und ist damit ein ähnlich zurückhaltender Ansatz, wie ihn die Kernel-Community zunächst auch in der Diskussion um einen Code of Conduct im Jahr 2015 mit ihrem eigenen Code of Conflict gewählt hat.
OpenSSL stimmt gegen Änderungen
Während die Linux-Kernel-Community noch diskutiert und viele andere Projekte derartige Änderungen bereits vorgenommen haben, hat das OpenSSL Management Committee ( OMC(öffnet im neuen Fenster) ) als Leitungsgremium des Projekts in einer Abstimmung gegen derartige Änderungen gestimmt. Das hat das OMC mit einer recht kurzen Nachricht über die Abstimmung auf der Mailingliste(öffnet im neuen Fenster) des Projekts bekanntgegeben.
Abgestimmt hatte die Leitung über einen Pull-Request des Akamai-Angestellten Rich Salz(öffnet im neuen Fenster) , der seit Jahren zu OpenSSL beiträgt. Auch diese Code-Veränderung hatte vorgesehen, auf die Nutzung von Master, Slave und Blacklist zu verzichten. Nach mehrwöchiger Diskussion zu dem Thema und der letztlichen Absage dieser Veränderungen hat Salz bereits angekündigt(öffnet im neuen Fenster) , nicht mehr zu dem Projekt beitragen zu wollen.
Nachtrag vom 13. Juli 2020, 9:04 Uhr
Torvalds hat den Patch zur inklusiven Sprache inzwischen in den Hauptzweig des Linux-Kernels aufgenommen(öffnet im neuen Fenster) .