Black Lives Matter: Code ohne Rassismus

Worte wie Master, Slave oder Blacklist sind rassistisch konnotiert. Die Black-Lives-Matter-Proteste sorgen erneut dafür, dass IT-Projekte sie entfernen und auf Alternativen setzen.

Artikel von veröffentlicht am
In den USA werden wegen der Proteste Straßen umbenannt. Einige Software-Projekte wollen ebenfalls Dinge künftig anders nennen.
In den USA werden wegen der Proteste Straßen umbenannt. Einige Software-Projekte wollen ebenfalls Dinge künftig anders nennen. (Bild: OLIVIER DOULIERY/AFP via Getty Images)

Sprache und Alltag sind bewusst oder unbewusst voll von rassistischen Mustern. Besonders auffällig ist dies in der IT-Industrie etwa bei der vielfach genutzten Kombination von Master und Slave. Die aktuellen weltweiten Black-Lives-Matter-Proteste sorgen erneut dafür, dass einige Software-Projekte ihre Position dazu überdenken und Alternativen dazu in ihrem Code umsetzen.

Stellenmarkt
  1. Informatikerin / Informatiker (w/m/d) für Data Center Infrastruktur am Zentrum für Informationstechnologie ... (m/w/d)
    Universität Passau, Passau
  2. Test Automatisierer (m/w/d) IT
    M-net Telekommunikations GmbH, München
Detailsuche

Neu sind derartige Initiativen nicht. Größere Aufmerksamkeit erreichte das Thema etwa im Herbst 2018, als das Team der Programmiersprache Python darüber diskutierte, die Begriffe Master und Slave in seinem Projekt zu ersetzen. Ähnliche Diskussionen folgten kurz darauf auch in den Teams von Couchdb, Drupal, Django und Redis. Als Ersatz dient hier meist die Terminologie Primary und Replica, die vor allem in diesem spezifischen IT-Kontext auch deutlich deskriptiver für das umgesetzte Verhalten der Komponenten ist.

Block- und Allowlist in Chromium

Initiativen, die letztlich auf diesen Diskussionen aufbauen, gab es seitdem einige. So hat etwa die Übernahme von Googles Chromium-Code als Basis für den Edge-Browser von Microsoft zu Diskussionen geführt, in dem Projekt auf die Worte Blacklist und Whitelist zu verzichten. Immerhin wird dabei Black mit etwas Schlechtem und White mit etwas Gutem assoziiert, was bei vielen von Rassismus Betroffenen Assoziationen zum Alltag weckt. Alternativ dazu können etwa Blocklist und Allowlist genutzt werden.

Weitere mögliche Alternativen zum bisherigen Sprachgebrauch finden sich in einem Entwurf für einen IETF-Standard, den Mallory Knodel und Niels ten Oever als Best Current Practice vorgeschlagen haben. Das wurde von der Organisation, die für die Internet-Standards hauptverantwortlich ist, letztlich aber nicht umgesetzt.

Golem Akademie
  1. Java EE 8 Komplettkurs
    25.-29. Oktober 2021, online
  2. Python kompakt - Einführung für Softwareentwickler
    28.-29. Oktober 2021, online
  3. Linux-Shellprogrammierung
    2.-5. November 2021, online
Weitere IT-Trainings

Wohl im Zuge der aktuellen Diskussionen zu dem Thema hat das Chromium-Projekt die Begriffe Blacklist und Whitelist an allen Stellen im Code entsprechend ersetzt. Das umfasst immerhin rund 2.000 einzelne Erwähnungen im Code. Zusätzlich dazu verfügt das Chromium-Projekt bereits seit vergangenem Herbst über eine Richtlinie, die die nun vollständig umgesetzten Änderungen als präferierte Nutzung nahelegt. Auch für die Programmiersprache Go wurden vor einigen Tagen entsprechende Änderungen umgesetzt.

Main- statt Master-Zweig

Eine weitere sehr häufige Verwendung des Wortes Master, die derzeit viel diskutiert wird, ist im Versionskontrollsystem Git jene für den Master-Branch. Dieser wird standardmäßig für neue Projekte genutzt und ist damit eigentlich überall anzutreffen, wo Git verwendet wird. Anders als vielfach angenommen und vielleicht auch naheliegend, bezieht sich dies aber nicht auf ein Original wie etwa bei dem Mastering in der Musikindustrie, sondern eben auch auf Master und Slave. Darauf verwies der Gnome-Entwickler Bastien Nocera bereits im vergangenen Jahr.

Als Alternative dazu wird die Verwendung des Begriffs Main vorgeschlagen. Dies ist eine sehr naheliegende Bezeichnung. So wird etwa in der Linux-Kernel-Community, aus der Git selbst hervorgegangen ist, der von Linux-Chef Torvalds betreute Zweig als Hauptzweig beziehungsweise Mainline bezeichnet. Die Master-Zweige in aktuellen Git-Projekten lassen sich schnell und einfach umbenennen, was etwa der Microsoft-Angestellte Scott Hanselmann in einem kleinen Tutorial zeigt.

Darüber hinaus diskutiert das Git-Projekt derzeit, ob und wie die interne Verwendung des Begriffs Master ersetzt werden könnte. Erste Vorschläge dazu gibt es bereits auf der Mailingliste des Projekts. So soll zunächst der standardmäßig genutzte Name für einen Zweig konfigurierbar werden, zum Beispiel über eine Umgebungsvariable.

In einer Überlegung zu der Diskussion bei Git schreibt der Github-Angestellte Mislav Marohnić auf Twitter, dass derartige Änderungen "an sich keine aktuellen gesellschaftlichen Probleme" lösten. Doch darum habe in diesem Kontext auch keiner gebeten, sondern lediglich um die Änderung einzelner Worte.

Marohnić schreibt auch: "Das grundlegende Privileg des Weißseins ist der Luxus, die möglichen Auswirkungen, die das, was wir sagen oder konsumieren, auf andere Menschen haben könnten, NICHT untersuchen zu müssen." Die erneut angestoßenen Diskussion und Änderungen zeugen also vielmehr von dieser Einsicht und einer Reflexion über die Zusammenhänge in einer Gesellschaft mit Rassismus.

Nachtrag vom 16. Juni 2020, 12:34 Uhr

Github-Chef Nat Friedman hat auf Twitter angekündigt, ebenfalls auf die Bezeichnung Master im Standardzweig in den Diensten des Code-Hosting-Dienstes verzichten zu wollen. Konkrete Angaben dazu gibt es bisher noch nicht. Die Zweige in Github lassen sich natürlich aber auch schon jetzt selbstständig ändern.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Brassmann 23. Nov 2020

Unabhängig vom (nicht-)vorhandensein eines rassistischen Elementes stelle ich mir hier...

Clown 24. Jun 2020

Exakt. Die sog. Euphemismus-Tretmühle

leed 24. Jun 2020

so trifft das ganze wohl auch auf Blackhat/Whitehat zu, obwohl es sich hier um Hüte und...

Clown 22. Jun 2020

Genau das steht m.E. auch genau so in dem verlinkten Duden-Eintrag. Dort wird in den 3...

pschmidl 21. Jun 2020

Gebe Dir zu 100% Recht! Absolut lächerlich die Diskussion!



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
New World im Test
Amazon liefert ordentlich Abenteuer

Konkurrenz für World of Warcraft und Final Fantasy 14: Amazon Games macht mit dem PC-MMORPG New World momentan vor allem Sammler glücklich.
Von Peter Steinlechner

New World im Test: Amazon liefert ordentlich Abenteuer
Artikel
  1. Nasa: Sonde Lucy erfolgreich zu Jupiter-Asteroiden gestartet
    Nasa
    Sonde Lucy erfolgreich zu Jupiter-Asteroiden gestartet

    Erstmals sollen Asteroiden in der Umlaufbahn des Jupiter untersucht werden. Der Start der Raumsonde Lucy ist laut Nasa geglückt.

  2. Pornoplattform: Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben
    Pornoplattform
    Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben

    Xhamster ist und bleibt Heimat für zahlreiche rechtswidrige Inhalte. Doch ohne zu wissen, wer profitiert, wusste man bisher auch nicht, wer verantwortlich ist.

  3. Whatsapp: Vater bekommt wegen eines Nacktfotos Ärger mit Polizei
    Whatsapp
    Vater bekommt wegen eines Nacktfotos Ärger mit Polizei

    Ein Vater nutzte ein 15 Jahre altes Nacktfoto seines Sohnes als Statusfoto bei Whatsapp. Nun läuft ein Kinderpornografie-Verfahren.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 40€ Rabatt auf Samsung-SSDs • ADATA XPG Spectrix D55 16-GB-Kit 3200 56,61€ • Crucial P5 Plus 1 TB 129,99€ • Kingston NV1 500 GB 35,99€ • Creative Sound BlasterX G5 89,99€ • Alternate (u. a. AKRacing Core SX 248,99€) • Gamesplanet Anniv. Sale Classic & Retro [Werbung]
    •  /