Black Hat: Langer Atem für IT-Sicherheit

Google-Sicherheitsexpertin Parisa Tabriz eröffnet in Las Vegas die Black-Hat-Konferenz. Sie wünscht sich mehr Transparenz und Zusammenarbeit und erläutert anhand der Site-Isolation in Chrome, welche Herausforderungen manchmal bei größeren Sicherheitsverbesserungen zu überwinden sind.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Parisa Tabriz ist bei Google für Project Zero und für die Sicherheit von Chrome verantwortlich.
Parisa Tabriz ist bei Google für Project Zero und für die Sicherheit von Chrome verantwortlich. (Bild: Black Hat)

Parisa Tabriz, bei Google für Project Zero und die Sicherheit von Chrome zuständig, eröffnete am Mittwoch die diesjährige Black-Hat-Konferenz in Las Vegas. Anhand von Beispielen aus der eigenen Arbeit erläuterte sie, wie langwierig manchmal Veränderungen sein können, dass sie sich am Ende jedoch auszahlen. Auch rief sie die Teilnehmer dazu auf, für mehr Transparenz und Zusammenarbeit in Sachen IT-Sicherheit zu sorgen.

Stellenmarkt
  1. Referent IT (m/w/d)
    Mainova AG, Frankfurt am Main
  2. Leitung der IT-Einheit für die Integration von Cloud Lösungen (m/w/d)
    Deutsche Bundesbank, Hamburg, Frankfurt am Main, Düsseldorf
Detailsuche

Googles eigene Mühen in Sachen Transparenz wurden dabei nicht immer von allen begrüßt. Project Zero, das Team bei Google, das häufig kritische Sicherheitslücken in der Software anderer Firmen aufdeckt, hat eine strikte Policy, die Details nach 90 Tagen zu veröffentlichen - egal ob die Bugs auch gefixt wurden. Laut Tabriz hatte das zu Beginn zu einigem Gegenwind geführt, der Widerspruch sei aber leiser geworden. Inzwischen würden 98 Prozent der von Project Zero gemeldeten Lücken innerhalb der 90 Tage behoben.

Langwierige Änderungen

Anhand von zwei Beispielen aus der Entwicklung des Chrome-Browsers berichtete Tabriz, wie langwierig und schwierig Änderungen sind: die Umstellung auf HTTPS als Standard im Netz und die Einführung der sogenannten Site-Isolation in Chrome.

Bereits 2014 gab es im Chrome-Sicherheitsteam erste Diskussionen darum, dass die Sicherheitsindikatoren im Browser nicht besonders hilfreich sind. HTTP-Seiten wurden damals ohne jeden Hinweis auf eine unsichere, unverschlüsselte Verbindung angezeigt, während bei HTTPS-Seiten mit Problemen ein rotes, durchgeschnittenes Schloss angezeigt wurde. Doch ein erster Versuch, das Chrome-Team hier zu einer Änderung zu bewegen, wurde abgelehnt.

Golem Akademie
  1. Java EE 8 Komplettkurs: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    28. Februar–4. März 2022, virtuell
  2. ITIL 4® Foundation: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    7.–8. Februar 2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Zwar sei dem Sicherheitsteam von Anfang an klar gewesen, wo man hinwolle - HTTP-Verbindungen sollen standardmäßig mit einem Warnsymbol angezeigt werden -, doch es war klar, dass eine solche Änderung über einen langen Zeitraum mit Zwischenschritten stattfinden müsse. Chrome hatte erst vor wenigen Wochen eine generelle Warnung bei HTTP-Seiten scharfgeschaltet.

Site-Isolation schützt vor Spectre

Eine Änderung, die deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, der aber ebenfalls ein langer Vorlaufprozess vorausging, ist die Site-Isolation in Chrome. Laut Parisa Tabriz war dies die größte Änderung im Chrome-Code, die es je gab. Ein Team von zehn Leuten habe daran gearbeitet und ursprünglich gehofft, nach einem Jahr damit fertig zu sein. Doch das erwies sich als nicht realistisch - letztendlich dauerte es sechs Jahre.

Zwar nutzt Chrome schon lange Sandbox-Funktionalität, um die Render-Prozesse des Browsers abzuschotten, so dass eine Sicherheitslücke nicht gleich dazu führt, dass eine bösartige Webseite Malware auf dem System installieren kann. Doch bis vor kurzem liefen trotzdem alle Renderprozesse zusammen. Das bedeutet praktisch, dass eine Sicherheitslücke beim Rendern dazu führt, dass eine Webseite auf die Daten von anderen Webseiten desselben Nutzers zugreifen kann.

Trotz aller Hürden und der langen Entwicklungszeit erwies sich die Trennung der Render-Prozesse als Glücksfall für Chrome. Als Jann Horn von Googles Project Zero die CPU-Sicherheitslücke Spectre entdeckte, hatte das Chrome-Team mit der Site-Isolation bereits eine gute Möglichkeit, den Browser gegen viele der Spectre-Angriffsszenarien zu schützen. Und das, obwohl laut Tabriz zu Beginn der Entwicklung niemand mit einer Sicherheitslücke wie Spectre rechnen konnte.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Framework Laptop im Hardware-Test
Schrauber aller Länder, vereinigt euch!

Der modulare Framework Laptop ist ein wahrgewordener Basteltraum. Und unsere Begeisterung für das, was damit alles möglich ist, lässt sich nur schwer bändigen.
Ein Test von Oliver Nickel und Sebastian Grüner

Framework Laptop im Hardware-Test: Schrauber aller Länder, vereinigt euch!
Artikel
  1. FTTH: Liberty Network startet noch mal in Deutschland
    FTTH
    Liberty Network startet noch mal in Deutschland

    Das erste FTTH-Projekt ist gescheitert. Jetzt wandert Liberty von Brandenburg nach Bayern an den Starnberger See.

  2. 5.000 Dollar Belohnung: Elon Musk wollte Twitter-Konto von 19-Jährigem stilllegen
    5.000 Dollar Belohnung
    Elon Musk wollte Twitter-Konto von 19-Jährigem stilllegen

    Tesla-Chef Elon Musk bot einem US-Teenager jüngst angeblich 5.000 US-Dollar, damit der seinen auf Twitter betriebenen Flight-Tracker einstellt.

  3. Let's Encrypt: Was Admins heute tun müssen
    Let's Encrypt
    Was Admins heute tun müssen

    Heute um 17 Uhr werden bei Let's Encrypt Zertifikate zurückgezogen. Wir beschreiben, wie Admins prüfen können, ob sie betroffen sind.
    Eine Anleitung von Hanno Böck

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3080 12GB 1.499€ • iPhone 13 Pro 512GB 1.349€ • DXRacer Gaming-Stuhl 159€ • LG OLED 55 Zoll 1.149€ • PS5 Digital mit o2-Vertrag bestellbar • Prime-Filme für je 0,99€ leihen • One Plus Nord 2 335€ • Intel i7 3,6Ghz 399€ • Alternate: u.a. Sennheiser Gaming-Headset 169,90€ [Werbung]
    •  /