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Black Hat 2016: Neuer Angriff schafft Zugriff auf Klartext-URLs trotz HTTPS

Besonders in öffentlichen Netzwerken schützen verschlüsselte HTTPS-Verbindungen davor, dass Admins oder gar andere Nutzer im gleichen Netz den eigenen Datenverkehr belauschen. Dieser Schutz ist offenbar löchrig - und zwar auf fast allen Browsern und Betriebssystemen.

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HTTPS soll eigentlich auch URLs schützen.
HTTPS soll eigentlich auch URLs schützen. (Bild: Wikipedia/Fabio Lanari/GFDL)

Durch einen Missbrauch des Web-Proxy-Autodiscovery-Protokolls (WPAD) soll ein Zugriff auf die besuchten Klartext-URLs eines Nutzers möglich sein, auch wenn diese eigentlich per HTTPS geschützt sind. Der von den beiden Sicherheitsforschern Itzik Kotler und Amit Klein entwickelte Angriff soll erstmals in der kommenden Woche auf der Hackerkonferenz Black Hat vorgestellt werden.

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Das HTTPS-Protokoll soll eigentlich per SSL/TLS-Verschlüsselung dafür sorgen, dass der gesamte Datenverkehr eines Clients über ein nicht vertrauenswürdiges Netz, einschließlich URLs, Cookies und Verbindungsparameter, geschützt wird. Lediglich die Hostnamen besuchter Webseiten werden für die Funktionalität von TCP/IP immer per Klartext übertragen.

URLs können viele private Informationen enthalten

Wie Arstechnica berichtet, soll es einem Netzwerk-Administrator in dem neuen Szenario nun aber möglich sein, nicht nur Hostnamen, sondern die gesamte URL im Klartext abzufischen. Dafür gibt es offenbar mehrere Angriffswege, von denen mindestens einer auch aus der Ferne ausgeführt werden könnte.

"Wir zeigen, dass HTTPS keine Sicherheit bietet, wenn WPAD aktiviert ist", zitiert Arstechnica Itzik Kotler, CTO der Sicherheitsfirma Safebreach und Mitentwickler des Angriffs. "Daher sind viele Leute durch diese Attacke betroffen, sobald sie in nicht vertrauenswürdigen Netzen surfen."

Proxy Autoconfig als Angriffsvektor

So könne ein böswilliger Netzwerk-Administrator dem Client-Browser über DHCP eine sogenannte Proxy-Autoconfig-Datei (PAC) ausliefern. PAC ist eine DHCP-Funktion, die es ermöglicht, Clients in einem Netzwerk die Nutzung bestimmter Proxy-Server vorzuschreiben. Dies ist besonders in komplexeren Unternehmensnetzen interessant, kann aber im Prinzip auch problemlos zum Beispiel in offenen Flughafen-WLANs eingesetzt werden. PAC - und damit ein arglistiger Netzwerk-Administrator - sollen so jede URL im Klartext abgreifen können, bevor HTTPS diese schützen kann.

Der restliche Datenverkehr bleibt bei dem Angriff durch HTTPS geschützt, lediglich die URL wird vollständig geleakt. Allein diese Information kann jedoch überaus kritische Informationen wie beispielsweise Passwörter, Benutzernamen und Session-IDs enthalten. Auch Links zu privat geteilten Dokumenten über Dienste wie Owncloud oder Google Docs dürften ein lohnenswertes Angriffsziel darstellen.

Microsoft schützt offenbar am besten

Einen einfachen Schutz gegen die Attacke gibt es Koentwickler Klein zufolge nicht. Der Fehler stecke im seit 1999 standardisierten WPAD, das von allen großen Browsern und Betriebssystemen unterstützt wird. Einen Workaround zeige allerdings Microsofts Edge sowie Internet Explorer 11. Beide Browser beschränkten die über WPAD leakbaren Informationen auf ein Minimum, indem sie beim Aufruf der PAC-Datei lediglich die Hostnamen der Webseiten übermittelten, nicht aber die gesamte URL.

Der Black-Hat-Vortrag mit weiteren Informationen ist für den 3. August 2016 geplant.



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