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BKA Präsident: Bereits über 900 Verhaftungen durch Encrochat-Hack

Die Polizei hat den verschlüsselten Messenger Encrochat gehackt. Nun dauert die Auswertung der Daten an.
/ Moritz Tremmel , dpa
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Ein Blaulicht der Polizei (Bild: Ina Fassbender/AFP via Getty Images)
Ein Blaulicht der Polizei Bild: Ina Fassbender/AFP via Getty Images

Die Auswertung von Daten des verschlüsselten Kommunikationsdienstes Encrochat hat nach Angaben des Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, mittlerweile zu mehreren Hundert Haftbefehlen geführt. Durch den Zugriff auf die Daten hätten in Deutschland bisher über 900 Haftbefehle vollstreckt werden können, sagte er in einem Interview der Bild am Sonntag (Paywall)(öffnet im neuen Fenster) . Etwa 300 Schusswaffen seien sichergestellt und knapp 230 Millionen Euro an Vermögen gesichert worden.

"Bei den ermittelten Straftaten ging es insbesondere um Rauschgiftdelikte, weshalb wir dort in den nächsten Jahren einen deutlichen Schwerpunkt setzen werden," sagte der Chef des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Das BKA hatte 2020 über Europol Encrochat-Daten mit einem Bezug zu Deutschland erhalten.

Zuvor hatten Polizeibehörden aus Frankreich und den Niederlanden in Kooperation mit Europol und Eurojust den verschlüsselten Messenger Encrochat gehackt . Europol begründete den Zugriff "mit einem sehr hohen Anteil an Nutzern, die vermutlich an kriminellen Aktivitäten beteiligt waren."

Hack und Auswertung der Encrochat-Daten umstritten

Sowohl der Hack durch die Polizeibehörden als auch die Auswertung der Daten – auch durch das Bundeskriminalamt (BKA) – sind umstritten . "Die Beteiligung von Nutzern mit kriminellem Hintergrund darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer auch Personen gibt, die den Dienst in legaler Absicht nutzen" , betonte Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar. Dies sei beim Zugriff auf individuelle Datensätze, aber auch bereits bei der Infiltration eines solchen Dienstes durch den Einsatz entsprechender Software unbedingt zu beachten.

Über die Verwendbarkeit der Daten aus dem Encrochat-Hack herrscht außerdem Uneinigkeit bei verschiedenen Gerichten. So hat das Berliner Landgericht die Eröffnung eines Prozesses gegen einen Verdächtigen wegen Drogenhandels abgelehnt, weil die abgefangenen Encrochat-Nachrichten nicht verwertet werden dürften. Zuvor hatten sich jedoch bereits mehrere Oberlandesgerichte für die Verwendung der Daten ausgesprochen.


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