Eine tote Stiftung ...
Viele freie Projekte setzen als Ergänzung zur Community zusätzlich auf eine formale Organisation, die Markenrechte hält, als öffentliche Ansprechpartnerin für das Projekt fungiert und/oder Schlüsselfiguren der Community finanziert, so dass die technische Entwicklung grundlegend sichergestellt ist. Eine solche duale Struktur war anfangs wohl auch beim Bitcoin vorgesehen. Gavin Andresen und andere Personen aus dem Bitcoin-Kosmos gründeten im Jahr 2012 die Bitcoin Foundation.
Die Form990-Jahresberichte der Bitcoin Foundation, die US-Nonprofits für die Steuerbehörde IRS erstellen müssen, lassen sich auf der Webseite des Journalismusprojekts Propublica nachschlagen. Im Jahr 2012 erhielt Gavin Andresen von der Bitcoin Foundation ein Jahresgehalt von 15.000 US-Dollar. 2013 waren es immerhin 210.000 US-Dollar, 2014 150.000 US-Dollar und ein Jahr später 50.000 US-Dollar. In den drei Jahren hatte die Foundation jeweils noch zwei weitere Angestellte. Der letzte verfügbare Bericht bezieht sich auf 2018, in dem Jahr hatte die Organisation keinerlei Angestellte mehr. "Die Bitcoin Foundation hat keine Relevanz mehr", sagt Schnelli.
... und Ersatz-Initiativen
Gleichsam als Ersatz haben sich andere Strukturen herausgebildet, die die technische Entwicklung sponsern. Die von zwei Kryptounternehmen und mittlerweile nach Eigenaussagen spendenfinanzierte Brink-Initiative bietet ein einjähriges sowie ein mehrjähriges Stipendienprogramm für Angehörige der Bitcoin-Community. Unter den aktuellen Empfängern sind mit Michael Ford (fanquake), Gloria Zhao (glozow) und Hennadii Stepanov (hhebasto) drei der fünf Maintainer. Opensats, eine US-Non-Profit-Organisation, vergibt ebenfalls Stipendien für Bitcoin-Developer.
Big, bigger, Bitcoin
Der Bitcoin ist so vieles, stets auf einem hohen Niveau. Zum einen Big Business: Mit ihrer Marktkapitalisierung ist die Hackerwährung mehr wert als die fünf größten DAX-Unternehmen SAP, Siemens, Airbus, Telekom und Allianz zusammen. Der Bitcoin ist Big Crime: Ohne Kryptowährungen wären Drogenmärkte im Darknet und Ransomware-Geschäftsmodelle nicht möglich, die auf anonyme Zahlungen über die Ferne angewiesen sind.
Für die politische Fraktion der Bitcoiner ist die Hackerwährung nach wie vor aber eine gelungene und dringend notwendige Übertragung von Hacker- und Open-Source-Prinzipien auf die Wirtschaftswelt. Eine dringend benötigte, unzensierbare und schwer überwachbare Alternative zum krisenanfälligen, zentralisierten klassischen Geldsystem.
Für Außenstehende ist nur schwer vorstellbar, dass hinter diesem Finanzkoloss eine selbst organisierte Community steht, angeführt von einer kleinen Gruppe von fünf Personen mit technischen Befugnissen. Und stets kontrolliert von einer kommerziellen Infrastruktur. Bei all dem, was Nutzerinnen und Nutzer, Geschäftsleute, Ermittlungs- und Finanzaufsichtsbehörden sowie Hacker im Bitcoin sehen, ist er stets auch: ein klassisches freies Softwareprojekt.
Die Recherche für den Text geht teilweise auf einen Aufenthalt des Autors als Mercator-Journalist in Residence im Diskursprojekt Demokratiefragen des digitalisierten Finanzsektors des Zentrums verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI) zurück.
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Bitcoin ist Software. Wie soll die denn "was gegen Schwarzgeld" machen? Es beruht aber...
Gold hat einen Wert, weil viele Staaten ihr Gold als Sicherheit für ihre Staatsschulden...
Ganz genau. Weil die Leute wissen, dass ihr Geld kontinuierlich an Wert verliert und...
Plus eins!
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