Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?
Es komme schnell die Frage auf, ob solche Sponsorbeziehungen nicht zu Spannungen führten. Etwa weil die Sponsoren andere Interessen hätten als die Mehrheit der Community und sie ihre Position nutzten, um das Projekt in eine bestimmte Richtung zu treiben. Bei ihm zumindest sei das nicht der Fall gewesen, sagt Schnelli: "Von Seiten des Sponsors wurde keinerlei Einfluss ausgeübt." Man schreibe vielleicht regelmäßig Statusberichte, um zu zeigen, woran man arbeite. Ansonsten sei man völlig frei.
Schnelli hält das Sponsoring für eine plausible Strategie eines Unternehmens in einem Open-Source-Ökosystem: "Die Mining-Firmen beispielsweise sind daran interessiert, dass das System weiterentwickelt wird. Sie wissen, dass das Geld für Maintainer clever investiert ist."
Chef- oder Haupt-Developer?
Die Vermutung, dass das Gremium tatsächliche Macht habe, weisen die Maintainer von sich. In einer Erklärung auf Bitcoincore.org bezeichnen sie die eigene Rolle als "Hausmeisterfunktion" ("a janitorial role"): Man stelle eigene und fremde Codebeiträge zur Diskussion und orientiere sich bei Entscheidungen am Stimmungsbild der Community.
Auch wenn die Maintainer vielleicht keine Chef-Developer sind, sind sie zumindest die Haupt-Developer. Etwa 30.000 Code-Beiträge seit 2009 listet Github in einer Übersicht der aktivsten Contributor auf. Die mit Abstand meisten Beiträge, etwa zwei Drittel, stammten von aktuellen oder ehemaligen Maintainern.
Fragiles Machtgefüge
Zur Logik freier Projekte gehört, dass die wie auch immer ausgestaltete Macht von Führungsgremien fragil ist. Unzufriedene Communitys könnten abwandern oder sich abspalten.
Zur Community im weiteren Sinne gehören verschiedene Gruppen: Nutzerinnen und Nutzer könnten statt des Bitcoins eine von Dutzenden anderen Kryptowährungen verwenden, so dass der Bitcoin-Wechselkurs abstürzen würde. Kryptobörsen könnten ihn nicht mehr listen, Zahlungsdienstleister oder Drogenmarktplätze im Darknet ihn nicht mehr anbieten.
Wenn die Node-Betreiber, die neue Blöcke ihrerseits auf Gültigkeit prüfen und im Netzwerk verbreiten, sich nicht mehr beteiligen würden, wäre der Bitcoin anfällig für Manipulationen. Und zögen sich die Entwicklerinnen und Entwickler hinter dem Seitenprojekt Bitcoin Lightning zurück, wäre der Bitcoin kaum mehr sinnvoll nutzbar. Das Lightning-Netzwerk ermöglicht mehr und schnellere Transaktionen, als es die träge Bitcoin-Blockchain eigentlich zulässt.
Das wichtigste Korrektiv zum Maintainer-Gremium ist die kommerzielle Infrastruktur-Community der Miner. Diese checken geplante Bitcoin-Überweisungen auf Integrität und fassen etwa alle zehn Minuten neue Transaktionen in Blöcken zusammen. Das System entlohnt sie für diese Arbeit. Sie nehmen gleichzeitig an einer Art mathematischer Lotterie teil. Sie lassen einen Algorithmus laufen, der nicht-vorhersehbare Ergebnisse produziert. Dabei geht es darum, zufällig einen vom System vorgegebenen Zielwert zu errechnen. Je mehr Rechenpower man dem System zur Verfügung stellt, desto höher ist die Gewinnwahrscheinlichkeit.
Knackt man diesen Rechen-Jackpot, hängt man seinen Block an die Chain. Gleichzeitig kann man die Gebühren aller aufgezeichneten Transaktionen der eigenen Wallet gutschreiben sowie die mit jedem Block neu erzeugten Bitcoins einstreichen.
Diese Gruppe ist hoch organisiert. Viele Miner schließen sich Pools an. Im Februar 2024 vereinen nur zwei Akteure, Foundry USA sowie AntPool, mehr als 50 Prozent der Mining-Power.
Ohne große Infrastruktur-Community wäre der Bitcoin-Code wenig Wert. Als Ultima Ratio könnten die Miner sich mehrheitlich entschließen, ihre Dienste einer anderen Bitcoin-Umsetzung unter neuer Führungsstruktur zur Verfügung zu stellen. Solche Abspaltungen gab es immer wieder. Bisher hat sich ihnen allerdings nur eine Minderheit angeschlossen. Bitcoin Cash, der größte Bitcoin-Fork, kommt auf eine Marktkapitalisierung im Bruchteilbereich, 5 Milliarden Euro.
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| Community-Gremium Maintainer | Eine tote Stiftung ... |










Bitcoin ist Software. Wie soll die denn "was gegen Schwarzgeld" machen? Es beruht aber...
Gold hat einen Wert, weil viele Staaten ihr Gold als Sicherheit für ihre Staatsschulden...
Ganz genau. Weil die Leute wissen, dass ihr Geld kontinuierlich an Wert verliert und...
Plus eins!
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