Abo
  • Services:

Biometrie: Wie eintätowierte Passwörter

Die EU will Fingerabdrücke auf neuen Personalausweisen speichern. Doch die Biometrie-Systeme sind unsicherer, als ihre Verfechter glauben machen wollen.

Artikel von Max Muth/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Das Thema Fingerabdruck in Personalausweisen steht wieder auf der politischen Agenda.
Das Thema Fingerabdruck in Personalausweisen steht wieder auf der politischen Agenda. (Bild: prints/CC-BY 2.0)

Der Fingerabdruck des heutigen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) ist berühmt. Als Bundesinnenminister machte er sich 2008 für die Speicherung biometrischer Merkmale in den Personalausweisen der Deutschen stark. Aus Protest gegen seinen Plan veröffentlichte der Chaos Computer Club (CCC) Schäubles Fingerabdruck - gewonnen von einem Wasserglas - und empfahl seinen Mitgliedern, den Abdruck freiwillig in ihren Ausweisen zu hinterlegen. 5000 sogenannte Schäubletten will der Club damals unters Volk gebracht haben. Wie viele davon tatsächlich in gültige Ausweisdokumente geschmuggelt wurden, ist nicht bekannt.

Inhalt:
  1. Biometrie: Wie eintätowierte Passwörter
  2. Biometrische Datenbanken sind lohnende Ziele für Hacker

Heute heißt der Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), und das Thema Biometrie in Personalausweisen steht wieder auf der politischen Agenda. Während die Abgabe eines Fingerabdrucks in neuen Reisepässen seit 2007 bereits verpflichtend ist, war sie für Personalausweise bisher freiwillig. Das soll sich nun ändern: Mitte Februar haben sich die EU-Institutionen auf einen Gesetzentwurf geeinigt, wonach die Abdrücke in Ausweisdokumenten von Mitgliedstaaten künftig standardmäßig gespeichert sein sollen.

Bei der Einreise würde eine befugte Behörde - etwa die Bundespolizei - die Finger scannen und sie mit den im Ausweisdokument gespeicherten Daten abgleichen. Neuausgestellte Ausweise sollen zudem alle im Scheckkartenformat gehalten sein und einen maschinenlesbaren Teil enthalten. Demnächst soll der Libe-Ausschuss des Europäischen Parlaments, der für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres zuständig ist, den Entwurf bestätigen. Danach müssen noch Parlament und Mitgliedstaaten zustimmen. Deutschland wird das wohl tun: Seehofer nennt das neue Gesetz "zwingend erforderlich".

CCC fordert von Seehofer gute Argumente für den Eingriff

Die aktuelle Sprecherin des CCC, Constanze Kurz, fordert von Seehofer, seine Position besser zu begründen: "Die Bundesregierung hat bisher nicht belegen können, dass mit der zwangsweisen Fingerabdruckabgabe tatsächlich ein Mehr an Sicherheit erreicht werden kann. Das aber müsste sie dringend tun, denn biometrische Merkmale sind höchst sensible Körperdaten, die besonders geschützt gehören." Eine "erkennungsdienstliche Behandlung der gesamten Bevölkerung" sei ohnehin abzulehnen.

Stellenmarkt
  1. abilex GmbH, Sindelfingen
  2. BSH Hausgeräte GmbH, München

Das Innenministerium argumentiert, dass die Fingerabdrücke auf dem Ausweis Identitätstäuschungen verhindern. So ließe sich vermeiden, dass Unbefugte die Ausweise ähnlich aussehender EU-Bürger nutzen, um nach Deutschland einzureisen. Es lägen Berichte vor, wonach die Fälle von versuchtem Identitätsbetrug dieser Art zunähmen. Eine Statistik, die dies belegt, gibt es dem Ministerium zufolge allerdings nicht.

Der Widerstand des CCC gegen biometrische Sicherheitsmerkmale hat Tradition. Regelmäßig demonstrieren Hacker auf den Jahreskonferenzen des Vereins, wie sich Sicherheitslücken nutzen lassen - in Technologien, die als modern und schwer zu knacken angepriesen werden.

Für die meisten Biometrie-Hacks des CCC ist der Berliner Jan Krissler zuständig, unter Hackern als Starbug bekannt. 2014 erstellte er einen Fingerabdruck von Verteidigungsministerin von der Leyen, basierend auf einem hochauflösenden Pressefoto der Ministerin. 2015 demonstrierte er, wie der Fingerabdruck-Sensor eines iPhones mit einer Abdruck-Attrappe aus Holzleim umgangen werden kann. Ende 2018 präsentierte Starbug seinen neuesten Coup: Zugangssperren, die die Venen einer Hand scannen, werden als sichere Varianten für Zugangskontrollen zu sensiblen Unternehmensbereichen angepriesen, vor allem von japanischen Herstellern wie Hitachi und Sony. Auch dieses System wurde von Starbug und dem Informatiker Julian Albrecht im Rahmen von dessen Bachelorarbeit überlistet - diesmal mit einer Attrappe aus Bienenwachs.

Die Ausweitung biometrischer Datensammlung hält Starbug auf mehreren Ebenen für problematisch. Seine eigene Forschung zeige: Missbrauch sei einfach, die Datenbanken seien also lohnende Ziele für Angriffe. "Außerdem haben die Biometrie-Datenbanken eine inhärente Fehlerwahrscheinlichkeit. Anders als bei Passwörtern - die richtig oder falsch sind - gibt es bei Biometrie nur Wahrscheinlichkeiten der Übereinstimmung", sagt Starbug. Zudem steige die Gefahr von sogenannten Falschpositiven.

Biometrische Datenbanken sind lohnende Ziele für Hacker 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. ab 529,00€ (bei o2online.de)
  2. 1745,00€
  3. 64,89€
  4. 3,74€

mfeldt 11. Mär 2019 / Themenstart

Also dürfen da auch keine Fingerabdrücke rein. Könnten ja auch gefälscht werden, sind...

chefin 11. Mär 2019 / Themenstart

Du betrachtest es aus dem Blickwinkel des Instant benutzen. Betrachte es mal aus dem...

chefin 11. Mär 2019 / Themenstart

Es gibt eigentlich keinen Grund den Fingerabdruck selbst zu speichern. Man gewinnt damit...

Quantium40 10. Mär 2019 / Themenstart

Sie erzählen dir vielleicht, dass nur ein Hash gespeichert wird, aber abgeben tust du...

sedremier 09. Mär 2019 / Themenstart

Der CCC hat schon zum 31c3 einen Fingerabdruck von einem Foto repliziert. https://www...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Sony Xperia L3 - Hands on (MWC 2019)

Sony hat das Xperia L3 auf dem MWC 2019 in Barcelona vorgestellt. Das Einsteiger-Smartphone mit Dual-Kamera steckt in einem schmalen 2:1-Gehäuse. Es hat den Fingerabdrucksensor wieder auf der rechten Seite. Das Smartphone erscheint Anfang März 2019 zum Preis von 200 Euro.

Sony Xperia L3 - Hands on (MWC 2019) Video aufrufen
Operation 13: Anonymous wird wieder aktiv
Operation 13
Anonymous wird wieder aktiv

Mehrere Jahre wirkte es, als sei das dezentrale Kollektiv Anonymous in Deutschland eingeschlafen. Doch es bewegt sich etwas, die Aktivisten machen gegen Artikel 13 mobil - auf der Straße wie im Internet.
Von Anna Biselli


    Einfuhrsteuern: Wie teuer wird ein Raspberry Pi beim harten Brexit?
    Einfuhrsteuern
    Wie teuer wird ein Raspberry Pi beim harten Brexit?

    Bei einem No-Deal-Brexit könnten viele britische Produkte teurer und schwerer lieferbar werden - auch der populäre Bastelrechner Raspberry Pi. Mit genauen Prognosen tun sich deutsche Elektronikhändler derzeit schwer, doch decken sie sich schon vorsorglich mit den Komponenten ein.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

    1. UK und Gibraltar EU-Domains durch Brexit doch wieder in Gefahr

    Überwachung: Wenn die Firma heimlich ihre Mitarbeiter ausspioniert
    Überwachung
    Wenn die Firma heimlich ihre Mitarbeiter ausspioniert

    Videokameras, Wanzen, GPS-Tracker, Keylogger - es gibt viele Möglichkeiten, mit denen Firmen Mitarbeiter kontrollieren können. Nicht wenige tun das auch und werden dafür mitunter bestraft. Manchmal kommen sie aber selbst mit heimlichen Überwachungsaktionen durch. Es kommt auf die Gründe an.
    Von Harald Büring

    1. Österreich Bundesheer soll mehr Daten bekommen
    2. Datenschutz Chinesische Kameraüberwachung hält Bus-Werbung für Fußgänger
    3. Überwachung Infosystem über Funkzellenabfragen in Berlin gestartet

      •  /