Biometrische Datenbanken sind lohnende Ziele für Hacker

Biometrische Zugangssperren sind also nicht grundsätzlich sicherer als Passwörter oder PIN-Nummern. In gewisser Weise seien Passwörter sogar eher zu empfehlen, sagt Johann Heyszl vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC): Sie könnten einfach geändert werden, wenn Hacker sie stehlen und sie durch ein Datenbank-Leck im Netz landen. Biometrische Daten sind dagegen unveränderbar. Sollten sie in die Hände Unbefugter gelangen, ist ihr Missbrauch prinzipiell ein Leben lang möglich. Heyszl formuliert es so: "Stellen Sie sich vor, jemand sagt zu Ihnen: 'Wählen Sie sich ein Passwort fürs Leben und tätowieren Sie es sich auf den Körper.'" Das AISEC-Institut empfiehlt daher, zusätzlich zu einem biometrischen Merkmal immer einen zweiten Faktor für Logins zu verwenden.

Stellenmarkt
  1. Consultant Networking Security (w/m/d)
    ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. Senior Network Security Architect (m/w/d)
    Deichmann SE, Essen
Detailsuche

Der Plan der EU sieht aktuell nicht vor, eine zentrale Datenbank mit den biometrischen Daten der EU-Bürger zu errichten. Eine solche europäische Datenbank gibt es allerdings bereits - für Asylbewerber: Die Datenbank Eurodac speichert die Fingerabdrücke von Flüchtlingen, um zu verhindern, dass diese in mehr als einem EU-Staat Asyl beantragen. Die Fingerabdrücke der EU-Bürger sollen dagegen nur auf den Ausweisen selbst gespeichert werden und nicht zentral in Rechenzentren. Auch im deutschen Personalausweisgesetz ist in Paragraf 26 explizit vermerkt: "Eine bundesweite Datenbank der biometrischen Merkmale wird nicht errichtet."

Deutschland plant keine zentrale Datenbank - bisher

Datenschützer wie Constanze Kurz vom CCC überzeugt das nur bedingt. Sie befürchtet, dass in Zukunft auch Geheimdienste und andere Behörden auf die Fingerabdrücke zugreifen können. Seit dem Gesetz zur Förderung des elektronischen Personalausweises 2017 dürfen viele Behörden bei den Meldebehörden automatisch Daten abfragen, darunter auch das biometrische Passbild. Ganz aus der Luft gegriffen ist Kurz' Sorge womöglich nicht. In Frankreich hat der Staatsrat im Oktober 2018 die Schaffung der seit 2016 geplanten zentralen Biometrie-Datenbank genehmigt, gegen den Widerstand von Datenschützern. Bislang entzieht sich Deutschland aber dem Trend zur zentralen Speicherung.

Was passieren kann, wenn große biometrische Datenbanken angelegt werden, lässt sich in den USA und in Indien beobachten. In den USA wurde 2015 eine Datenbank von Regierungsmitarbeitern gehackt, die über Sicherheitsfreigaben für sensible Regierungsinformationen verfügten oder diese beantragt hatten. Mehr als fünf Millionen Fingerabdrücke wurden gestohlen.

Golem Karrierewelt
  1. Automatisierung (RPA) mit Python: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    02./03.03.2023, Virtuell
  2. Airtable Grundlagen: virtueller Ein-Tages-Workshop
    17.02.2023, Virtuell
Weitere IT-Trainings

In Indien beschloss die Regierung 2009, die gigantische Biometrie-Datenbank Aadhaar einzurichten, auch um die Verteilung von Sozialleistungen an seine Milliarden-Bevölkerung zu organisieren. In der Datenbank sind heute Fingerabdrücke und Iris-Scans von mehr als einer Milliarde Inder gespeichert. Im Frühjahr 2017 berichteten Medien, dass Daten von 130 Millionen Menschen geleakt worden sein sollen. Anfang 2018 berichteten indische Reporter, ein Mann habe ihnen Zugang zur kompletten Datenbank via Whatsapp verkauft - für umgerechnet acht Dollar.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Biometrie: Wie eintätowierte Passwörter
  1.  
  2. 1
  3. 2


mfeldt 11. Mär 2019

Also dürfen da auch keine Fingerabdrücke rein. Könnten ja auch gefälscht werden, sind...

chefin 11. Mär 2019

Du betrachtest es aus dem Blickwinkel des Instant benutzen. Betrachte es mal aus dem...

chefin 11. Mär 2019

Es gibt eigentlich keinen Grund den Fingerabdruck selbst zu speichern. Man gewinnt damit...

Quantium40 10. Mär 2019

Sie erzählen dir vielleicht, dass nur ein Hash gespeichert wird, aber abgeben tust du...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Japan und die Digitalisierung
Immer noch zu analog

Japan ist bekannt für Hightech und Roboter. Bei der Digitalisierung liegt man aber hinter anderen Industriestaaten, viele Arbeitsprozesse sind bis heute analog.
Ein Bericht von Felix Lill

Japan und die Digitalisierung: Immer noch zu analog
Artikel
  1. Metaverse: EU blamiert sich mit interaktiver Onlineparty
    Metaverse
    EU blamiert sich mit interaktiver Onlineparty

    Rund 387.000 Euro an Kosten, fünf Besucher auf der Onlineparty: Ein EU-Projekt wollte junge Menschen als Büroklammer tanzen lassen.

  2. High Purity in der Produktion: Unter Druck reinigen
    High Purity in der Produktion
    Unter Druck reinigen

    Ob Autos, Elektronik, Medizin oder Halbleiter: Die Reinhaltung bis in den Nanobereich wird immer wichtiger. Das stellt hohe Anforderung an Monitoring und Prozesslenkung.
    Ein Bericht von Detlev Prutz

  3. Elektromobilität: Hyundai zeigt Elektrosportwagen Ioniq 5 N
    Elektromobilität
    Hyundai zeigt Elektrosportwagen Ioniq 5 N

    Hyundai hat erstmals ein Video mit dem Ioniq 5 N veröffentlicht. Das besonders sportliche Fahrzeug soll die N-Marke beleben.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5-Bundle vorbestellbar • Amazon-Geräte bis -53% • Mindstar: AMD-Ryzen-CPUs zu Bestpreisen • Alternate: Kingston FURY Beast RGB 32GB DDR5-4800 146,89€ • Advent-Tagesdeals bei MediaMarkt/Saturn: u. a. SanDisk Ultra microSDXC 512GB 39€ • Thrustmaster Ferrari GTE Wheel 87,60€ [Werbung]
    •  /