Abo
  • Services:
Anzeige
So schützt sich Angela Merkel vor dem Diebstahl ihres Fingerabdrucks
So schützt sich Angela Merkel vor dem Diebstahl ihres Fingerabdrucks (Bild: Paul O'Driscoll/Getty Images)

Fingerabdrücke sind kein Sicherheitsmerkmal

Anzeige

In Deutschland werden Fingerabdrücke seit 1903 dazu verwendet, Täter zu identifizieren. Damals begann der Dresdner Polizeipräsident Paul Koettig, eine entsprechende Sammlung aufzubauen. Seitdem gilt die Daktyloskopie als eine der wichtigsten Waffen von Kriminalisten, auch wenn der genetische Code wichtiger wird. Die größte Datei dieser Art besitzt das Bundeskriminalamt, seit 1993 gibt es dort das Automatisierte Fingerabdruck-Identifizierungs-System (AFIS). Nach Angaben des BKA sind darin 2,8 Millionen Fingerabdruckblätter gespeichert, die jeweils einen bis zehn Abdrücke enthalten können.

Der Wert von Fingerabdrücken bei der Suche nach Straftätern ist unstrittig. Das aber hat in den vergangenen Jahren zu einem Missverständnis geführt: Zu dem Glauben, sie würden deshalb auch dazu taugen, Pässe, Türschlösser oder Smartphones sicherer zu machen. Das tun sie nicht, wie Krissler nun beweist. Zu leicht lassen sich die Fingerabdrücke von fremden Menschen beschaffen und missbrauchen, um solche Sicherungen zu knacken. Die Fotofinger zeigen das eindrücklich.

200-Millimeter-Teleobjektiv

Zudem haben Betroffene das Problem, dass sie ihren "Schlüssel" nicht beliebig oft ersetzen können. Passworte lassen sich ändern, Fingerabdrücke nicht. Sind erst einmal alle zehn Fingerbilder in den Händen von Unbefugten, sind sie zur Sicherung wertlos. Dass Fingerabdrücke in der Debatte um biometrische Ausweise als Sicherheitsmerkmal bezeichnet wurden, wirkt angesichts dessen absurd. Schlimmer noch: Die Methode, die Krissler entwickelt hat, lässt sich auch dazu nutzen, Fingerabdrücke anderer Menschen eben an Orten zu hinterlassen, die diese niemals betreten haben.

Im Auftrag von Zeit Online haben Fotografen versucht, weitere Fingerabdrücke von Politikern zu sammeln. Zugegeben, in der Praxis ist das nicht ganz so leicht. Unter Laborbedingungen können auch Laien noch aus sechs oder sieben Metern Entfernung problemlos Fotos machen, auf denen sich die Abdrücke identifizieren lassen. Bei Veranstaltungen, wo das Licht diffus ist und Menschen sich bewegen, ist das mühsamer. Aber es funktioniert, wie die Versuche gezeigt haben.

Dazu braucht es ein Teleobjektiv, eine Kamera, deren Bildsensor einige Megapixel Auflösung hat, und guten Lichteinfall. Denn das Bild der Finger muss scharf sein. Das ist bei großer Brennweite nicht leicht, weil die Fotos dann kaum noch Tiefenschärfe besitzen. Außerdem müssen die Finger direkt von vorne fotografiert werden. Gelingt das, kann Krissler die Fingerabdrücke scannen und anschließend manuell nachbarbeiten, um daraus einen Abdruck zu machen.

Merkel-Raute schützt vor Abdruckscan

Schwer fiel es, ein entsprechendes Foto von den Fingern der Bundeskanzlerin zu machen. Angela Merkel gestikuliert wenig, sie versteckt ihre Hände geradezu. Auch ihre Technik, alle Finger zur Raute aneinanderzulegen, erwies sich als guter Schutz gegen das Ausspähen. Aus Sicht der Sicherheit ist die Haltung nur jedem zu raten. Innenminister Thomas de Maizère hingegen ließ sich leichter ablichten und auswerten. Auch er gestikuliert beim Reden, vor allem sein Daumen ist oft genug gut sichtbar.

Krissler ist vermutlich nicht der Erste, der auf diese Idee kam. Die Digitale Fotografie kann die nötigen hohen Auflösungen schon seit einigen Jahren liefern, auch die Software zum Umwandeln in klare Abdrücke ist alt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit nutzen Geheimdienste solche Verfahren längst. Der Bundesnachrichtendienst jedenfalls will biometrische Verfahren in den kommenden Jahren genauer erforschen. Er plant gleich mehrere Projekte dazu, wie aus geheimen Haushaltsunterlagen hevorgeht, die Zeit Online ausgewertet hat.

Krissler denkt derweil darüber nach, wie sich die Methode verbessern lässt. Zur Analyse wandelt er die Fotos in Schwarzweiß-Bilder um, um den Kontrast zu erhöhen. Das brachte ihn auf die Idee, von vornherein eine kontrastreichere Methode zu verwenden. So kam er auf Infrarotkameras, die noch viel bessere Ergebnisse liefern. Vor allem, wenn sie mit einem Infrarotblitz ausgestattet sind.

"Man kann Politikern nur empfehlen, in der Öffentlichkeit künftig immer Handschuhe zu tragen", sagt Krissler und lacht. Auch Sonnenbrillen wären nicht schlecht. Denn Scans der Augen lassen sich aus Fotos ebenfalls problemlos fertigen, wie Krissler und Fiebig zeigen können. Noch sind solche Irisbilder nicht sehr verbreitet und werden selten eingesetzt. Doch auch sie gelten fälschlicherweise als Sicherheitsmerkmal.

 Biometrie: Mit der Kamera Merkels Fingerabdruck hacken

eye home zur Startseite
__destruct() 29. Dez 2014

Nice ^^

Quantium40 29. Dez 2014

Die Lebendprüfung greift nur, wenn man ein Abdruckimitat mit einem toten Gegenstand vor...

Quantium40 29. Dez 2014

Im Endeffekt ist es für Privatleute nur insofern relevant, dass niemand Fingerabdrücke...

Anonymer Nutzer 29. Dez 2014

Das ist doch immer der selbe Anzug. Der wird nur umgesprüht.

sedremier 29. Dez 2014

Das sind eigentlich zwei Unterschiedliche Aspekte: - Wissen (Passwörter, Pin, Tan...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Hornbach-Baumarkt-AG, Großraum Mannheim/Karlsruhe
  2. Hornbach-Baumarkt-AG, Neustadt an der Weinstraße
  3. Zurich Gruppe Deutschland, Bonn
  4. Evangelischer Oberkirchenrat Stuttgart, Stuttgart


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. ab 649,90€
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  3. 24,90€

Folgen Sie uns
       


  1. Privacy Phone

    John McAfee stellt fragwürdiges Smartphone vor

  2. Hacon

    Siemens übernimmt Software-Anbieter aus Hannover

  3. Quartalszahlen

    Intel bestätigt Skylake-Xeons für Sommer 2017

  4. Sony

    20 Millionen Playstation im Geschäftsjahr verkauft

  5. Razer Lancehead

    Symmetrische 16.000-dpi-Maus läuft ohne Cloud-Zwang

  6. TV

    SD-Abschaltung kommt auch bei Satellitenfernsehen

  7. ZBook G4

    HP stellt Grafiker-Workstations für unterwegs vor

  8. Messenger Lite

    Facebook bringt abgespeckte Messenger-App nach Deutschland

  9. Intel

    Edison-Module und Arduino-Board werden eingestellt

  10. Linux-Distribution

    Debian 9 verzichtet auf Secure-Boot-Unterstützung



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Elektromobilität: Wie kommt der Strom in die Tiefgarage?
Elektromobilität
Wie kommt der Strom in die Tiefgarage?
  1. e.GO Life Elektroauto aus Deutschland für 15.900 Euro
  2. Elektroauto VW testet E-Trucks
  3. Elektroauto Opel Ampera-E kostet inklusive Prämie ab 34.950 Euro

In eigener Sache: Die Quanten kommen!
In eigener Sache
Die Quanten kommen!
  1. In eigener Sache Golem.de führt kostenpflichtige Links ein
  2. In eigener Sache Golem.de sucht Marketing Manager (w/m)
  3. In eigener Sache Golem.de geht auf Jobmessen

Snap Spectacles im Test: Das Brillen-Spektakel für Snapchat-Fans
Snap Spectacles im Test
Das Brillen-Spektakel für Snapchat-Fans
  1. Kamera Facebook macht schicke Bilder und löscht sie dann wieder
  2. Snap Spectacles Snap verkauft Sonnenbrille mit Kamera für 130 US-Dollar
  3. Soziales Netzwerk Snapchat geht an die Börse - und Google profitiert

  1. Re: 40.000 EUR.

    Thurius | 05:08

  2. Re: Nach Abschaltung kostenfrei?

    Tecardo | 04:15

  3. Re: 80 Prozent nutzen die kostenfreien SD-Varianten.

    LinuxMcBook | 04:06

  4. Re: Schaltet bitte DVB-S1 endlich ab

    LinuxMcBook | 04:00

  5. Re: Diese Analyse ist ein peinlicher Tiefpunkt

    ve2000 | 03:51


  1. 18:05

  2. 17:30

  3. 17:08

  4. 16:51

  5. 16:31

  6. 16:10

  7. 16:00

  8. 15:26


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel