Abo
  • IT-Karriere:

Biometrie hacken: Mit Toner und Bienenwachs Venenerkennungssysteme überwinden

Venenerkennungssysteme gelten als eines der sichersten biometrischen Verfahren und kommen im Hochsicherheitsbereich zum Einsatz. Doch sie können mit einfachen Mitteln umgangen werden.

Artikel von veröffentlicht am
Mit dem richtigen Licht können die Venen in den Händen sichtbar gemacht werden.
Mit dem richtigen Licht können die Venen in den Händen sichtbar gemacht werden. (Bild: PublicDomainPictures/CC0 1.0)

Ein gut belichtetes Foto einer Hand oder eines Fingers, einen Laserdrucker und etwas Bienenwachs, mehr braucht es nicht, um Venenerkennungssysteme zu umgehen. Mit den Materialien bastelten die Sicherheitsforscher Jan Krissler alias Starbug und Julian Albrecht Handattrappen, die sie auf dem Hackerkongress 35C3 in Leipzig vorführten. Betroffen sind vor allem Hochsicherheitsbereiche von Banken, Krankenhäusern, Kernkraftwerken oder vom BND, der die Technik in seiner neuen Berliner Zentrale einsetzt.

Stellenmarkt
  1. Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH, München
  2. Dataport, Hamburg

Venen sind so etwas wie die neuen Fingerabdrücke. Die einzelnen Verästelungen der Venen in Händen und Fingern bilden sich zufällig aus und lassen so die eindeutige Erkennung eines Menschen anhand seines Venenmusters zu. Sie gilt als eines der sichersten Verfahren der biometrischen Identifizierung von Menschen und kommt vor allem im asiatischen Raum zum Einsatz. In Japan wird die Technik beispielsweise in Geldautomaten genutzt.

Um die Venen sichtbar zu machen, braucht es zuerst einmal Licht. Die Venenerkennungsgeräte strahlen die Hand oder den Finger an. Die Haut wird hell und die Venen lassen sich mit einer Kamera ohne Infrarotfilter aufnehmen. Das lässt sich auch zuhause im Wohnzimmer nachstellen: Eine Hand wird mit einer Spiegelreflexkamera (ohne Infrarotfilter) und Blitz fotografiert. Auf dem Bild sind die Venen bereits erkennbar, müssen für einen Venenabdruck aber noch weiter bearbeitet werden. Krissler und Albrecht haben ein Pythonscript geschrieben, um die Arbeit zu automatisieren.

Vom Bild zur Attrappe

Das entstandene Venen-Bild wird mit einem Laserdrucker ausgedruckt - Tintenstrahler funktionieren nicht. Um eine echte Hand besser zu imitieren, haben die beiden Sicherheitsforscher Handattrappen aus Bienenwachs gegossen, das Blatt aufgebracht und mit einer weiteren Schicht Wachs übergossen. Mit den Attrappen konnten sie die biometrischen Systeme der beiden Hersteller Hitachi und Fujitsu überlisten. "Wenn man weiß, wie es geht, ist es eine Sache von 15 Minuten", sagt Krissler. In der Realität funktioniere ein solcher Angriff mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit.

Doch wie an die Venen-Bilder kommen? Auch hier haben Krissler und Albrecht einen Bausatz: Ein Handtrockner, in den man seine Hände mit gespreizten Finger steckt, ist in vielen Toiletten zu finden. Wird dieser mit einem Raspberry Pi mit Infrarot-LED und Kamera bestückt, liefert er gutes Ausgangsmaterial für die Venen-Attrappe.

Laut Starbug gibt es nach dem Hack der Venenerkennung kaum noch biometrische Systeme, die nicht bereits umgangen wurden. Auf dem 31C3 2014 hatte er Angriffe auf Gesichts- und Iriserkennungssysteme präsentiert, im Jahr zuvor konnte er binnen weniger Tage Apples Fingerabdrucksystem Touch ID des iPhone 5S überwinden.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 72,99€ (Release am 19. September)
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  3. 259€ + Versand oder kostenlose Marktabholung

avbln2014 08. Jan 2019

Wenn man sich das Video anschaut, wird jedem aufgefallen sein, dass das Test-System mit...

Eheran 31. Dez 2018

Genau dafür ist es doch auch gold richtig. Diese Sachen müssen komfortabel, schnell und...

Eheran 31. Dez 2018

1. Der Fingerabdruck kann irgendwo her kommen, z.B. von einem Glas, welche man ja...

xMarwyc 28. Dez 2018

Dieser Post hat mir den Freitag gerettet.

Anonymer Nutzer 28. Dez 2018

Erzähl uns mehr von diesem phantastischen Sensor.


Folgen Sie uns
       


Phase One IQ4 ausprobiert

Die Phase One IQ4 ist das Mittelformatsystem mit der höchsten Auflösung, das zur Zeit erhältlich ist. Wir haben die Profikamera getestet.

Phase One IQ4 ausprobiert Video aufrufen
Timex Data Link im Retro-Test: Bill Gates' Astronauten-Smartwatch
Timex Data Link im Retro-Test
Bill Gates' Astronauten-Smartwatch

Mit der Data Link haben Timex und Microsoft bereits vor 25 Jahren die erste richtige Smartwatch vorgestellt. Sie hat es sogar bis in den Weltraum geschafft. Das Highlight ist die drahtlose Datenübertragung per flackerndem Röhrenmonitor - was wir natürlich ausprobieren mussten.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smart Watch Swatch fordert wegen kopierter Zifferblätter von Samsung Geld
  2. Wearable EU warnt vor deutscher Kinder-Smartwatch
  3. Sportuhr Fossil stellt Smartwatch mit Snapdragon 3100 vor

Autonomes Fahren: Per Fernsteuerung durch die Baustelle
Autonomes Fahren
Per Fernsteuerung durch die Baustelle

Was passiert, wenn autonome Autos in einer Verkehrssituation nicht mehr weiterwissen? Ein Berliner Fraunhofer-Institut hat dazu eine sehr datensparsame Fernsteuerung entwickelt. Doch es wird auch vor der Technik gewarnt.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Neues Geschäftsfeld Huawei soll an autonomen Autos arbeiten
  2. Taxifahrzeug Volvo baut für Uber Basis eines autonomen Autos
  3. Autonomes Fahren Halter sollen bei Hackerangriffen auf Autos haften

Wolfenstein Youngblood angespielt: Warum wurden diese dämlichen Mädchen nicht aufgehalten!?
Wolfenstein Youngblood angespielt
"Warum wurden diese dämlichen Mädchen nicht aufgehalten!?"

E3 2019 Der erste Kill ist der schwerste: In Wolfenstein Youngblood kämpfen die beiden Töchter von B.J. Blazkowicz gegen Nazis. Golem.de hat sich mit Jess und Soph durch einen Zeppelin über dem belagerten Paris gekämpft.
Von Peter Steinlechner


      •  /