Abo
  • Services:
Anzeige
Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector'
Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector' (Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images)

Biometrie: Die Bundesregierung freut sich schon auf Gesichtserkennung

Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector'
Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector' (Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images)

In der EU-Datenbank Eurodac werden Fingerabdrücke von Flüchtlingen gespeichert. Nun sollen Gesichtsfotos dazukommen. Die Bundesregierung begrüßt das, die Linke warnt.
Ein Bericht von Patrick Beuth

Wenn Eurodac eine Bibliothek wäre, dann würde die EU-Kommission ihr gerne ein ganzes Stockwerk aufsetzen, einen weiteren Flügel anbauen, mehr Bücher auslegen, das Archiv vergrößern, mehr Bibliotheksausweise verteilen und Bücher öfter ins Ausland verleihen.

Anzeige

Aber Eurodac ist keine Bibliothek, sondern eine Datenbank in Luxemburg. In ihr werden die Fingerabdrücke von Asylbewerbern gespeichert sowie die von Nicht-EU-Bürgern, die illegal in der EU angetroffen werden. Eurodac ist damit ein wesentlicher Bestandteil des Dublin-Systems und soll verhindern helfen, dass Asylbewerber in mehreren EU-Mitgliedstaaten Asyl beantragen. Außerdem dürfen Strafverfolger seit 2013 auf die Daten zugreifen, um schwere Straftaten und Terrorismus zu verhindern, zu entdecken oder aufzuklären.

Mittlerweile sind einige Mitgliedstaaten aber überfordert mit der Aufgabe, von allen ankommenden Flüchtlingen die Fingerabdrücke zu nehmen. In der Folge halten sich mehr und mehr Flüchtlinge in EU-Ländern auf, in denen sie gemäß des Dublin-Verfahrens gar nicht sein dürften. Deshalb hat die EU-Kommission Anfang Mai eine Erweiterung von Eurodac vorgeschlagen, um diese Menschen identifizieren zu können: Die Mitgliedstaaten, die mit der Abnahme der Fingerabdrücke nicht hinterherkommen, müssen demnach künftig auch Gesichtsbilder der Flüchtlinge machen. Das ist eben EU-Logik.

Mehr Daten von mehr Menschen über längere Zeit speichern

Außerdem, so steht es im gut hundert Seiten langen Entwurf zur Neufassung der Eurodac-Verordnung, will die Kommission die Datenbank und den Umgang damit noch auf anderen Ebenen deutlich erweitern:

  • Neben den nationalen Strafverfolgungsbehörden soll auch Frontex beziehungsweise dessen geplante Nachfolgeorganisation sowie Europol Zugriff auf alle in Eurodac gespeicherten Daten bekommen.
  • Mit Gesichtserkennungssoftware sollen sie die gespeicherten Fotos durchsuchen und mit eigenen Bildern abgleichen können, um Menschen zu identifizieren. Diese eigenen Bilder könnten aus den Beständen der Behörden oder auch aus der Videoüberwachung öffentlicher Räume kommen.
  • Fingerabdrücke sollen nicht erst von Jugendlichen ab 14 Jahren genommen werden, sondern auch schon von Sechsjährigen. Ziel sei es, auf der Flucht von ihren Eltern getrennte Kinder zu ihren Familien bringen zu können.
  • Daten über illegal Einreisende und Eingereiste sollen nicht mehr nur höchstens 18 Monate gespeichert werden, sondern bis zu fünf Jahre.
  • Die Daten sollen mit Drittstaaten, also üblicherweise den Herkunftsländern von Flüchtlingen, geteilt werden, "for return purposes only" - also für die Abschiebung.
  • Eurodac soll mit anderen EU-Datenbanken wie dem Schengen-Informationssystem (SIS-II), dem Visa-Informationssystem (VIS) und dem noch zu errichtenden Ein-/Ausreiseregister für Drittstaatenangehörige interoperabel werden.

Die Bundesregierung prüft den Vorschlag noch, begrüßt ihn aber prinzipiell. Wie freudig sie das tut, geht aus der bisher nicht öffentlichen Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor, die Zeit Online vorliegt.

Darin heißt es, die Bundesregierung halte die Speicherung von Gesichtsbildern "für eine wirksame Ergänzung anderer biometrischer Verfahren zur Identitätssicherung".

Kein Wunder: Das Bundeskriminalamt (BKA) setzt eine vergleichbare Technik bereits seit Jahren ein. Im polizeilichen Informationssystem Inpol sind, so steht es in der Antwort, derzeit rund 4.863.000 Fotos von 3.340.330 Menschen gespeichert. Seit 2008 sei ein 2D-Gesichtserkennungssystem "im Wirkbetrieb", zwischen 2011 und 2014 stieg die Anzahl der BKA-Recherchen im Bildbestand von knapp 15.000 auf gut 18.000 im Jahr. Zuletzt ist sie wieder leicht gesunken.

Migranten als 'Versuchskaninchen für den Überwachungsstaat' 

eye home zur Startseite
plutoniumsulfat 10. Jun 2016

Solange man die Wahl noch haben muss....

plutoniumsulfat 10. Jun 2016

Auch in den Händen der "Guten" ist es ein Problem. Die können damit immerhin alles...

redwolf 09. Jun 2016

http://www.allmystery.de/i/t72efcf_They-Live-Obey-Sm.gif?bc

slead 09. Jun 2016

Naja nicht ganz, ich kann schon jemanden aus Senegal oder Chad oder Togo von einen Syrer...

Prinzeumel 09. Jun 2016

Die Länder schaffen es nicht von allen Fingerabdrücke zu nehmen...deswegen sollen sie nun...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. xplace GmbH, Göttingen
  2. ORSAY GmbH, Willstätt, zwischen Freiburg / Karlsruhe
  3. Deutsche Bundesbank, München
  4. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals
  2. 399€ + 3,99€ Versand
  3. 24,04€

Folgen Sie uns
       


  1. Apple

    Xcode 9 bringt Entwicklertools für CoreML und Metal 2

  2. Messenger

    Wire-Server steht komplett unter Open-Source-Lizenz

  3. Smart Glass

    Amazon plant Alexa-Brille

  4. Google

    Das Pixelbook wird ein 1.200-Dollar-Chromebook

  5. Breko

    Bürger sollen 1.500 Euro Prämie für FTTH bekommen

  6. Google

    Neue Pixel-Smartphones und Daydream View geleakt

  7. Auftragsfertiger

    Intel zeigt 10-nm-Wafer und verliert Kunden

  8. Google Home Mini

    Google plant Echo-Dot-Konkurrenten mit Google Assistant

  9. Drei Modelle vorgestellt

    Elektrokleinwagen e.Go erhöht die Spannung

  10. Apple iOS 11 im Test

    Alte Apps weg, Daten weg, aber sonst alles gut



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
E-Paper-Tablet im Test: Mit Remarkable machen digitale Notizen Spaß
E-Paper-Tablet im Test
Mit Remarkable machen digitale Notizen Spaß
  1. Smartphone Yotaphone 3 kommt mit großem E-Paper-Display
  2. Display E-Ink-Hülle für das iPhone 7

Wireless Qi: Wie die Ikealampe das iPhone lädt
Wireless Qi
Wie die Ikealampe das iPhone lädt
  1. Noch kein Standard Proprietäre Airpower-Matte für mehrere Apple-Geräte

Edge Computing: Randerscheinung mit zentraler Bedeutung
Edge Computing
Randerscheinung mit zentraler Bedeutung
  1. Software AG Cumulocity IoT bringt das Internet der Dinge für Einsteiger
  2. DDoS 30.000 Telnet-Zugänge für IoT-Geräte veröffentlicht
  3. Deutsche Telekom Narrowband-IoT-Servicepakete ab 200 Euro

  1. Re: Apple schafft das, was Microsoft nie...

    Lemo | 11:16

  2. Re: Die Preise sind doch nicht mehr normal...

    Dino13 | 11:16

  3. Re: Was nützt mir Fiber To The Home...?

    neocron | 11:16

  4. Re: Als Apple-Kunde ist man in der Hand der Firma

    Walter Plinge | 11:14

  5. Re: AI gibt es nicht.

    Trollversteher | 11:12


  1. 11:17

  2. 11:02

  3. 10:47

  4. 10:32

  5. 10:18

  6. 09:55

  7. 08:45

  8. 08:32


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel