Abo
  • Services:

Biometrie: Die Bundesregierung freut sich schon auf Gesichtserkennung

In der EU-Datenbank Eurodac werden Fingerabdrücke von Flüchtlingen gespeichert. Nun sollen Gesichtsfotos dazukommen. Die Bundesregierung begrüßt das, die Linke warnt.

Ein Bericht von Patrick Beuth/Zeit Online veröffentlicht am
Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector'
Das Gesicht von Bundeskanzlerin Merkel in der Gesichtserkennungssoftware 'Real Time Face Detector' (Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images)

Wenn Eurodac eine Bibliothek wäre, dann würde die EU-Kommission ihr gerne ein ganzes Stockwerk aufsetzen, einen weiteren Flügel anbauen, mehr Bücher auslegen, das Archiv vergrößern, mehr Bibliotheksausweise verteilen und Bücher öfter ins Ausland verleihen.

Inhalt:
  1. Biometrie: Die Bundesregierung freut sich schon auf Gesichtserkennung
  2. Migranten als 'Versuchskaninchen für den Überwachungsstaat'

Aber Eurodac ist keine Bibliothek, sondern eine Datenbank in Luxemburg. In ihr werden die Fingerabdrücke von Asylbewerbern gespeichert sowie die von Nicht-EU-Bürgern, die illegal in der EU angetroffen werden. Eurodac ist damit ein wesentlicher Bestandteil des Dublin-Systems und soll verhindern helfen, dass Asylbewerber in mehreren EU-Mitgliedstaaten Asyl beantragen. Außerdem dürfen Strafverfolger seit 2013 auf die Daten zugreifen, um schwere Straftaten und Terrorismus zu verhindern, zu entdecken oder aufzuklären.

Mittlerweile sind einige Mitgliedstaaten aber überfordert mit der Aufgabe, von allen ankommenden Flüchtlingen die Fingerabdrücke zu nehmen. In der Folge halten sich mehr und mehr Flüchtlinge in EU-Ländern auf, in denen sie gemäß des Dublin-Verfahrens gar nicht sein dürften. Deshalb hat die EU-Kommission Anfang Mai eine Erweiterung von Eurodac vorgeschlagen, um diese Menschen identifizieren zu können: Die Mitgliedstaaten, die mit der Abnahme der Fingerabdrücke nicht hinterherkommen, müssen demnach künftig auch Gesichtsbilder der Flüchtlinge machen. Das ist eben EU-Logik.

Mehr Daten von mehr Menschen über längere Zeit speichern

Außerdem, so steht es im gut hundert Seiten langen Entwurf zur Neufassung der Eurodac-Verordnung, will die Kommission die Datenbank und den Umgang damit noch auf anderen Ebenen deutlich erweitern:

Stellenmarkt
  1. Netze BW GmbH, Karlsruhe
  2. Stadtwerke München GmbH, München

  • Neben den nationalen Strafverfolgungsbehörden soll auch Frontex beziehungsweise dessen geplante Nachfolgeorganisation sowie Europol Zugriff auf alle in Eurodac gespeicherten Daten bekommen.
  • Mit Gesichtserkennungssoftware sollen sie die gespeicherten Fotos durchsuchen und mit eigenen Bildern abgleichen können, um Menschen zu identifizieren. Diese eigenen Bilder könnten aus den Beständen der Behörden oder auch aus der Videoüberwachung öffentlicher Räume kommen.
  • Fingerabdrücke sollen nicht erst von Jugendlichen ab 14 Jahren genommen werden, sondern auch schon von Sechsjährigen. Ziel sei es, auf der Flucht von ihren Eltern getrennte Kinder zu ihren Familien bringen zu können.
  • Daten über illegal Einreisende und Eingereiste sollen nicht mehr nur höchstens 18 Monate gespeichert werden, sondern bis zu fünf Jahre.
  • Die Daten sollen mit Drittstaaten, also üblicherweise den Herkunftsländern von Flüchtlingen, geteilt werden, "for return purposes only" - also für die Abschiebung.
  • Eurodac soll mit anderen EU-Datenbanken wie dem Schengen-Informationssystem (SIS-II), dem Visa-Informationssystem (VIS) und dem noch zu errichtenden Ein-/Ausreiseregister für Drittstaatenangehörige interoperabel werden.

Die Bundesregierung prüft den Vorschlag noch, begrüßt ihn aber prinzipiell. Wie freudig sie das tut, geht aus der bisher nicht öffentlichen Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor, die Zeit Online vorliegt.

Darin heißt es, die Bundesregierung halte die Speicherung von Gesichtsbildern "für eine wirksame Ergänzung anderer biometrischer Verfahren zur Identitätssicherung".

Kein Wunder: Das Bundeskriminalamt (BKA) setzt eine vergleichbare Technik bereits seit Jahren ein. Im polizeilichen Informationssystem Inpol sind, so steht es in der Antwort, derzeit rund 4.863.000 Fotos von 3.340.330 Menschen gespeichert. Seit 2008 sei ein 2D-Gesichtserkennungssystem "im Wirkbetrieb", zwischen 2011 und 2014 stieg die Anzahl der BKA-Recherchen im Bildbestand von knapp 15.000 auf gut 18.000 im Jahr. Zuletzt ist sie wieder leicht gesunken.

Migranten als 'Versuchskaninchen für den Überwachungsstaat' 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. und Assassins Creed Odyssey, Strange Brigade und Star Control Origins kostenlos dazu erhalten
  2. 309€ + Versand mit Gutschein: RYZEN20 (Bestpreis!)
  3. (Neuware für kurze Zeit zum Sonderpreis bei Mindfactory)

plutoniumsulfat 10. Jun 2016

Solange man die Wahl noch haben muss....

plutoniumsulfat 10. Jun 2016

Auch in den Händen der "Guten" ist es ein Problem. Die können damit immerhin alles...

redwolf 09. Jun 2016

http://www.allmystery.de/i/t72efcf_They-Live-Obey-Sm.gif?bc

slead 09. Jun 2016

Naja nicht ganz, ich kann schon jemanden aus Senegal oder Chad oder Togo von einen Syrer...

Prinzeumel 09. Jun 2016

Die Länder schaffen es nicht von allen Fingerabdrücke zu nehmen...deswegen sollen sie nun...


Folgen Sie uns
       


Sky Ticket TV-Stick im Test

Wir haben den Sky Ticket TV Stick getestet. Der Streamingstick mit Fernbedienung bringt Sky Ticket auf den Fernseher, wenn dieser den Streamingdienst des Pay-TV-Anbieters nicht unterstützt. Auf dem Stick läuft das aktuelle Sky Ticket, das im Vergleich zur Vorgängerversion erheblich verbessert wurde. Den Sky Ticket TV gibt es quasi kostenlos, weil dieser nur zusammen mit passenden Sky-Ticket-Abos im Wert von 30 Euro angeboten wird.

Sky Ticket TV-Stick im Test Video aufrufen
Amazon Alexa: Echo Sub verhilft Echo-Lautsprechern zu mehr Bass
Amazon Alexa
Echo Sub verhilft Echo-Lautsprechern zu mehr Bass

Amazon hat einen Subwoofer speziell für Echo-Lautsprecher vorgestellt. Damit sollen die eher bassarmen Lautsprecher mit einem ordentlichen Tiefbass ausgestattet werden. Zudem öffnet Amazon seine Multiroom-Musikfunktion für Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller.

  1. Beosound 2 Bang & Olufsen bringt smarten Lautsprecher für 2.000 Euro
  2. Google und Amazon Markt für smarte Lautsprecher wächst weiter stark
  3. Alexa-Soundbars im Test Sonos' Beam und Polks Command Bar sind die Klangreferenz

iPhone Xs, Xs Max und Xr: Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?
iPhone Xs, Xs Max und Xr
Wer unterstützt die eSIM in den neuen iPhones?

Apples neue iPhones haben neben dem Nano-SIM-Slot eine eingebaute eSIM, womit der Konzern erstmals eine Dual-SIM-Lösung in seinen Smartphones realisiert. Die Auswahl an Netzanbietern, die eSIMs unterstützen, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber eingeschränkt - ein Überblick.
Von Tobias Költzsch

  1. Apple Das iPhone Xr macht's billiger und bunter
  2. Apple iPhones sollen Stiftunterstützung erhalten
  3. XMM 7560 Intel startet Serienfertigung für iPhone-Modem

Leistungsschutzrecht: So viel Geld würden die Verlage von Google bekommen
Leistungsschutzrecht
So viel Geld würden die Verlage von Google bekommen

Das europäische Leistungsschutzrecht soll die Zukunft der Presse sichern. Doch in Deutschland würde derzeit ein einziger Verlag fast zwei Drittel der Einnahmen erhalten.
Eine Analyse von Friedhelm Greis

  1. Netzpolitik Willkommen im europäischen Filternet
  2. Urheberrecht Europaparlament für Leistungsschutzrecht und Uploadfilter
  3. Leistungsschutzrecht/Uploadfilter Wikipedia protestiert gegen Urheberrechtsreform

    •  /