Abo
  • Services:

Biohacking: Das Leben ist programmierbar

Sie treffen sich an den Wochenenden und experimentieren mit Erbinformationen. Biohacker wollen den Code des Lebens wie ein Computerprogramm verstehen lernen und umprogrammieren - im Heimlabor.

Artikel veröffentlicht am ,
Biohacker im Heimlabor
Biohacker im Heimlabor (Bild: Daniel Pook/Golem.de)

Aliivibrio fischeri leuchtet. Wer das Bakterium züchten will, darf nicht zimperlich sein. Denn A. fischeri vermehrt sich auf vergammeltem Fisch am liebsten. Biologiestudenten finden das Bakterium trotzdem toll. Weil es sich auch in einem Zimmer in einer Hinterhofwohnung züchten lässt. Einer der ersten deutschen Do-it-yourself-Biologen, Rüdiger Trojok, hat so einen Raum als Labor eingerichtet. Zwei Tische und ein Regal, mehr passt nicht rein. Bakterien brauchen zum Glück wenig Platz. Trojok gehört einer noch jungen Bewegung an, die mit lebenden Organismen und Erbinformationen experimentiert - Biohacker genannt. Sie selbst nennen sich Biobastler oder Biotüftler. Eines Tages könnten sie wie die Computerhacker die Welt verändern, glauben sie.

Dafür bauen sie sich Heimlabore und ersteigern Laborgeräte bei eBay. Wie die Computerhacker in den achtziger Jahren sind sie untereinander vernetzt. Der Unterschied: Statt mit Computercode experimentieren die Biohacker mit dem Code des Lebens. Laut Trojok ist genetischer Code ähnlich programmierbar wie Computercode. "Die Informationen sind nur etwas komplexer und weniger kontrollierbar, und das Debuggen ist extrem aufwendig." Der genetische Code könne aber genauso bearbeitet und später in eine Zelle geflasht werden wie Computercode in ein Programm, sagt er. Zellen könnten nur nicht wie ein Computerprogramm durch Strom aus der Steckdose betrieben werden, sondern durch chemische Energie.

Der Open-Source-Thermozykler

Trojoks Heimlabor sieht aus wie ein Raum aus einer längst vergangenen Zeit. Auf einem der beiden Tische steht eine alte Zentrifuge. Auch der Thermozykler daneben sieht antik aus. Moderne Forschung mit Technik aus dem vergangenen Jahrhundert? Die Geräte sind zwar alt, machen aber das, was neue Geräte auch tun: Sie helfen dabei, feste von flüssigen Stoffen zu trennen. Oder DNA-Stränge außerhalb einer Zelle zu kopieren wie der Thermozykler - das Filesharing-Gerät für Molekularbiologen.

Die Geräte waren für den privaten Gebrauch lange Zeit kaum bezahlbar. Mittlerweile hat ein Projekt zumindest den Thermozykler nachgebaut und bietet ihn als Baukasten inklusive Arduino-Board, Lüfter und Wärmeplatte für 600 US-Dollar an. Die Software steht unter der GNU GPL v3.

  • Eine umgebaute Webcam dient als Mikroskop für die Biohacker. (Bilder Daniel Pook/Golem.de)
  • Das selbst gebaute Mikroskop vergrößert rund 200fach.
  • Agar wird als Nährboden für die Bakterienzucht im Heimlabor verwendet.
  • Petrischalen mit Bakterienkulturen
  • Einfache Experimente für Biohacker gibt es als fertige Baukästen.
  • Biohacker verwenden einfache Geräte für ihre Experimente, ...
  • ...wie zum Beispiel diesen Schnellkochtopf zum Abtöten von Bakterien.
Eine umgebaute Webcam dient als Mikroskop für die Biohacker. (Bilder Daniel Pook/Golem.de)
Stellenmarkt
  1. CompuGroup Medical SE, Nürnberg, Erlangen
  2. Marienhaus Dienstleistungen GmbH, Saarlouis, Losheim am See

Biohacking ist Open Source. Alles soll öffentlich zugänglich gemacht werden - für jeden anwendbar und möglichst günstig. Die Idee seiner Diplomarbeit hat Trojok daher unter die Creative-Commons-Lizenz gestellt. Darin beschreibt der Biologiestudent ein Verhütungsmittel durch genmanipulierte Bakterien (PDF). Die Organismen könnten so umprogrammiert werden, dass sie in der Scheide Spermien abwehren. Das Biotech-Startup Synbiota hat die Idee aufgegriffen und entwickelt sie weiter - mit Unterstützung der Mozilla Foundation. Trojok will, dass jeder - allein aus ethischen Gründen - mitentscheiden und daran mitarbeiten kann. "Das Leben gehört schließlich auch allen."

Die Suche nach dem Bio-Compiler 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 18,49€
  2. 24,99€
  3. 32,99€

dennistr1 14. Aug 2018

Biohacking an sich ist eine coole Sache. Ich kann mich bloß noch nicht mit dem Kalt...

DER GORF 06. Dez 2013

LOL; die hatte ich ganz vergessen! xD War das nicht die mit dem Typen mit den 2...

Eheran 06. Dez 2013

Noch eine Anmerkung: Um wirklich das Genom - kontrolliert - zu manipulieren wäre ein um...

Tuxianer 05. Dez 2013

Dem Autor des initialen Beitrages kann nur zugestimmt werden. Die beschwichtigenden...

DER GORF 04. Dez 2013

Das ist so ein Syndrom von Leuten die eigentlich schon alles haben. Fortschritt...


Folgen Sie uns
       


Intel NUC8 (Crimson Canyon) - Test

Der NUC8 alias Crimson Canyon ist der erste Mini-PC mit einem 10-nm-Chip von Intel. Dessen Grafikeinheit ist aber deaktiviert, weshalb Intel noch eine Radeon RX 540 verlötet. Leider steckt im System eine Festplatte, weshalb der NUC8 sehr träge reagiert und vergleichsweise laut wird.

Intel NUC8 (Crimson Canyon) - Test Video aufrufen
Security: Vernetzte Autos sicher machen
Security
Vernetzte Autos sicher machen

Moderne Autos sind rollende Computer mit drahtloser Internetverbindung. Je mehr davon auf der Straße herumfahren, desto interessanter werden sie für Hacker. Was tun Hersteller, um Daten der Insassen und Fahrfunktionen zu schützen?
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. Alarmsysteme Sicherheitslücke ermöglicht Übernahme von Autos
  2. Netzwerkanalyse Wireshark 3.0 nutzt Paketsniffer von Nmap
  3. Sicherheit Wie sich "Passwort zurücksetzen" missbrauchen lässt

Tom Clancy's The Division 2 im Test: Richtig guter Loot-Shooter
Tom Clancy's The Division 2 im Test
Richtig guter Loot-Shooter

Ubisofts neuer Online-Shooter beweist, dass komplexe Live-Spiele durchaus von Anfang an überzeugen können. Bis auf die schwache Geschichte und Gegner, denen selbst Dauerbeschuss kaum etwas anhaben kann, ist The Division 2 ein spektakuläres Spiel.
Von Jan Bojaryn

  1. Netztest Connect Netztest urteilt trotz Funklöchern zweimal sehr gut
  2. Netztest Chip verteilt viel Lob trotz Funklöchern

Google: Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an
Google
Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an

GDC 2019 Google streamt nicht nur so ein bisschen - stattdessen tritt der Konzern mit Stadia in direkte Konkurrenz zur etablierten Spielebranche. Entwickler können für ihre Games mehr Teraflops verwenden als auf der PS4 Pro und der Xbox One X zusammen.
Von Peter Steinlechner


      •  /