Billigrakete: China verkauft angeblich Hyperschallwaffe zum Autopreis
Die Rakete YKJ-1000 von Lingkong Tianxing soll Mach 7 erreichen, eine Reichweite von rund 1.300 Kilometern haben und wird offen für den Export vermarktet. Was die Waffe besonders mache, sei nicht ihre Geschwindigkeit, sondern ihr Preis, berichtet Inside China.(öffnet im neuen Fenster)
Lingkong Tianxing bringt Hyperschallrakete auf den Markt
Ein teilstaatliches chinesisches Raumfahrtunternehmen hat offenbar die Massenproduktion der YKJ-1000 aufgenommen und bewirbt die Waffe nach eigenen Angaben nach erfolgreichen Testflügen nun international. Der Kaufpreis liegt bei rund 99.000 US-Dollar pro Einheit – vergleichbar mit einem Luxusauto. Ihre Treffergenauigkeit ist jedoch nicht belegt, auch nicht, ob die Rakete im Flug ihren Kurs signifikant ändern kann, um Abwehrmaßnahmen ausweichen und das tatsächliche Ziel bis kurz vor dem Einschlag verschleiern kann.
Das chinesische Portal 36kr berichtet, dass der niedrige Preis unter anderem durch die Nutzung von Druckgussteilen(öffnet im neuen Fenster) und einer Massenproduktion erreicht wird. Auch bei anderen Teilen wurden unkonventionelle Wege gegangen. So seien statt Sprengmuttern Elemente verwendet worden, bei denen die Trennung elektrisch erfolge. Andere Bauteile wie Kameras wurden auf dem Zivilmarkt beschafft, heißt es in dem Bericht.
Auch zur Nutzlast der Rakete wurden keine genauen Angaben gemacht. Das, zusammen mit einer unbekannten Genauigkeit, lässt den Schluss zu, dass derartige Raketen auch zur Übersättigung der gegnerischen Flugabwehr geeignet sind. Ist diese leer geschossen, könnten auch präzisiere und teurere Raketen eingesetzt werden.
Millionenaufwand gegen Schnäppchenrakete
Die Abwehr einer Hyperschallrakete kostet je nach System mehrere Millionen Dollar pro Abschussversuch. Ein Angreifer könnte theoretisch eine ganze Salve abfeuern und dabei immmer noch deutlich weniger ausgeben als der Verteidiger für die Gegenmassnahmen. Das kehrt eine historische Grundregel konventioneller Kriegsführung um: Wer angreift, hat traditionell den höheren logistischen Aufwand – hier ist es umgekehrt.
Warum ist das besonders gefährlich? – Rakete versteckt sich im Seecontainer
Die YKJ-1000 wird aus einem handelsüblichen Schiffscontainer gestartet. Dieser ist äußerlich nicht von den anderen Containern zu unterscheiden, die täglich auf Straßen, Schienen und in Häfen weltweit unterwegs sind. Welcher Container eine Abschussrampe verbirgt, lässt sich kaum feststellen.
Die Militärpublikation Warrior Maven weist darauf hin(öffnet im neuen Fenster) , dass die angegebenen Fähigkeiten bislang nicht unabhängig verifiziert wurden. Analysten betonen jedoch, dass selbst eingeschränkte Treffergenauigkeit bereits teure Abwehrmassnahmen erzwingen würde.
Die Waffe richtet sich laut vorliegenden Berichten an Staaten außerhalb des westlichen Bündnisses. China gilt bei Hyperschalltechnologie gegenüber den USA als führend – und kein Land verfügt derzeit über eine verlässliche Abwehr gegen Hyperschall-Gleitflugkörper im großen Massstab. Der Fall zeigt: Wenn offensive Waffen billiger werden als ihre Abwehr, gerät die Logik von Verteidigungsarchitekturen ins Wanken.