Billige Mobilfunkstationen: Open RAN ist veraltet und nützt derzeit vor allem den USA

Der Ruf der deutschen Regierung nach Open RAN ist von Unkenntnis getragen. Eine Bestandsaufnahme und ein Leitfaden für die Zukunft.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Open RAN von Parallel Wireless
Open RAN von Parallel Wireless (Bild: Parallel Wireless)

Durch die Huawei-Debatte will plötzlich jeder Open RAN: Die Politik beschwört es als Lösung für die angeblich problematische Abhängigkeit von chinesischen Netzwerkausrüstern. Netzbetreiber versprechen sich eine Verbreiterung der immer kleiner gewordenen Lieferantenlandschaft beim traditionellen RAN - und damit natürlich vor allem Kostensenkungen. Aber noch ist keineswegs klar, ob das Gras bei Open RAN tatsächlich grüner ist als bei beim traditionellen RAN.

Für die Nutzer und die Branche ist entscheidend, ob Open RAN innovativ ist, vor allem innovativer als das herkömmliche RAN. Stärkt es die digitale Souveränität Europas, und warum braucht man diese in der internationalen Produktion? Senkt Open RAN wirklich die Kosten und verringert die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern? Und vor allem: Ist es sicherer als traditionelles RAN?

Ist Open RAN innovativ?

Dass die Innovationskraft ein wichtiges Beurteilungskriterium von Open RAN sein sollte, liegt auf der Hand: Es ist eine neue Technologie und die Erwartung ist, dass sie etwas kann oder bietet, was bestehende Technologien noch nicht können. Open RAN bedeutet Mobilfunkstationen ohne hochentwickelte proprietäre Chips und speziell dafür geschaffene Software der Ausrüster. Dies wird ersetzt durch günstige White-Box-Hardware, Open-Source-Software, standardisierte Schnittstellen, Cloud und virtualisierte Netzwerkelemente.

Open RAN tritt dabei in Konkurrenz zum traditionellen RAN, das derzeit von fünf Herstellern global dominiert wird: Nokia und Ericsson aus (Nord-)Europa, Huawei und ZTE aus China und Samsung aus Südkorea. Insofern muss sich Open RAN daran messen lassen, wie es im direkten Vergleich mit traditionellem RAN performt.

Stellenmarkt
  1. SAP Basis Berater (m/w/x)
    über duerenhoff GmbH, Raum Hamburg
  2. SAP WM/EWM Berater (m/w/x)
    über duerenhoff GmbH, Raum Kassel
Detailsuche

Und genau hierzu lässt sich derzeit noch nichts gesichert sagen, zumindest nicht im kommerziellen Netzbetrieb. Laborwerte zeigen Potenzial, aber Innovation muss sich im Alltag bewähren.

Zwar haben die Netzbetreiber wie Telefónica und Telekom auch in Deutschland angekündigt, Open RAN in den kommerziellen Netzbetrieb zu integrieren, aber zunächst nur bei 4G, einer Technologie, die im traditionellen RAN im Dezember 2009 kommerziell eingeführt wurde.

Und auch wenn es sicher nicht Jahre dauern wird, bis Open RAN auch 5G bietet, so ist doch die Frage, ob dies zunächst nur 5G light sein wird und wie schnell das Niveau von Premium-5G erreicht wird, das heißt 5G auf C-Bandfrequenzen mit Massive-MIMO-Technologie. Also ein 5G, das in Ländern wie Südkorea und in China schon sehr breit verfügbar ist und in Deutschland und Europa zumindest schon in einigen ausgewählten Regionen, überwiegend Großstädten.

Open RAN hingegen wird derzeit vor allem im ländlichen Raum getestet, wo aufgrund geringerer Nutzerdichte gerade keine hochperformanten Lösungen benötigt werden.

Im Moment muss Open RAN also zunächst einmal noch sehr viel aufholen, und fast alle Experten gehen davon aus, dass dies noch Jahre dauern wird. Gleichzeitig bleiben die traditionellen 5G-Anbieter, die schon seit fast zwei Jahren Premium-5G kommerziell ausbauen, nicht stehen. Huawei hat bereits im November vergangenen Jahres skizziert, wie sich das aktuell verfügbare 5G zu 5.5G weiterentwickeln könnte. Nokia hat im Dezember verlauten lassen, ein von der Europäischen Union gefördertes Forschungsprojekt zu 6G zu leiten.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Wie energieeffizient ist Open RAN wirklich? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7.  


/mecki78 30. Jan 2021

Der Begriff Open RAN beschreibt aber keine Umsetzung, sondern eine Ideologie. Alles ist...

FlashBFE 28. Jan 2021

Danke +1 (Können wir nicht endlich mal Daumen-Hoch- / Daumen-Runter-Buttons am Ende von...

Kleba 26. Jan 2021

So liest er sich auch - aber auch von mir ein "Danke" dafür :-) Den werde ich mit...

etcshadow 26. Jan 2021

naja, die 3GPP hat alle wesentlichen Schnittstellen definiert (mit ein paar Ausnahmen, z...

waldmeisda 26. Jan 2021

Wie toll Hardware von der Stange im Vergleich zu FPGA/ASICS und Speziealchips...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Digitales Geld vom Staat
Hast du mal nen E-Euro?

Die traditionelle Finanzwirtschaft bekommt zunehmend digitale Konkurrenz, demnächst auch von staatlicher Seite.
Von Dirk Koller

Digitales Geld vom Staat: Hast du mal nen E-Euro?
Artikel
  1. E-Autos inklusive: Tübinger müssen 180 Euro Parkgebühren für SUVs zahlen
    E-Autos inklusive
    Tübinger müssen 180 Euro Parkgebühren für SUVs zahlen

    Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich mit höheren Anwohnerparkgebühren für schwere Autos durchsetzen können.

  2. Apple: Neue Software für Homepod-Lautsprecher erschienen
    Apple
    Neue Software für Homepod-Lautsprecher erschienen

    Mit der Softwareversion 15 sollen die Homepod-Lautsprecher vor allem eine bessere Anbindung an Apple TV erhalten.

  3. Apple: TVOS 15 noch ohne Shareplay und mit einer Beschränkung
    Apple
    TVOS 15 noch ohne Shareplay und mit einer Beschränkung

    Mit TVOS 15 lassen sich Homepod Mini mit einem Apple TV verbinden - das setzt aber einen Apple TV mit 4K-Unterstützung voraus.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Asus 23,8" FHD 144Hz 166,90€ • PCGH-PC mit Ryzen 5 3600 & RTX 3060 999€ • Alternate-Deals (u. a. Asus WLAN-Adapter PCIe 24,90€) • MM-Prospekt (u. a. Asus TUF 17" i5 RTX 3050 1.099€) • Samsung 970 Evo Plus 1TB 99€ • Saturn Hits 2021 (u. a. Philips 55" OLED 120Hz 1.849€) [Werbung]
    •  /