Billigdrohnen: Pentagon will ukrainische Drohnen-Abfänger kaufen
Das Pentagon führt offenbar Gespräche mit ukrainischen Unternehmen über den Kauf kostengünstiger Drohnenabfangtechnik, wie die Financial Times berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Hintergrund ist der wachsende Druck auf Golfstaaten durch iranische Shahed-Drohnen, nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen haben. Bisherige Abwehrmaßnahmen stützen sich vor allem auf Patriot-Raketensysteme – doch deren Vorräte schwinden. Angesichts von bis zu 13,5 Millionen Dollar pro PAC-3-Abfangrakete(öffnet im neuen Fenster) gegenüber rund 30.000 Dollar für eine Shahed-Drohne sucht das Militär nach günstigeren Lösungen.
Ukrainische Erfahrung als Blaupause
Die Ukraine hat sich in den vergangenen Jahren als Referenzmodell für kosteneffiziente Luftabwehr etabliert. Seit Herbst letzten Jahres setzt das Land schnelle Drohnenabfänger ein, die mit bis zu 250 km/h deutlich schneller fliegen als die Shahed, die maximal rund 185 km/h erreicht. Auf dem ukrainischen Markt sind inzwischen etwa ein Dutzend Hersteller solcher kinetischen Abfangjäger tätig – kleine Quadkopter oder Starrflügler, die jeweils nur wenige Tausend US-Dollar kosten. Sie rammen die gegnerischen Drohnen und bringen sie so zum Absturz.
Besonders im Fokus stehen zwei Systeme: der Merops, ein Starrflügler-Abfänger, der mit Unterstützung von Unternehmen entwickelt wurde, die mit Ex-Google-Chef Eric Schmidt in Verbindung stehen, sowie der Sting, ein kompakter Quadkopter der ukrainischen Firma Wild Hornets(öffnet im neuen Fenster) . Der Sting soll bereits vor der Küste Odessas im Einsatz gewesen sein – montiert auf Magura-Drohnenbooten des Start-ups Uforce.
Politisch heikles Geschäft
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte diese Woche, er habe mit den Führern Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate über ukrainische Anti-Drohnen-Technologie gesprochen. Die Ukraine verfüge aktuell über die fortschrittlichste Expertise zur Shahed-Bekämpfung weltweit – Kooperationen mit Partnern dürften jedoch nicht zulasten der eigenen Verteidigung gehen.
Strategisches Kalkül hinter dem Angebot
Die ukrainischen Überlegungen sind auch strategischer Natur: Wenn Golfstaaten Shaheds künftig mit ukrainischen Abfängern bekämpfen statt mit PAC-3-Raketen, bleiben mehr Patriot-Bestände weltweit verfügbar – für die Ukraine selbst, die diese weiterhin zur Abwehr von Marschflugkörpern und ballistischen Raketen benötigt.
Schätzungen zufolge verfügt der Iran über Zehntausende Shahed-Drohnen und hat in den vergangenen Wochen Hunderte davon eingesetzt – nach Ansicht von Analysten auch mit dem Ziel, die teureren Abfangmittel der Gegner zu erschöpfen.
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