Bilanzskandal: Wirecard stellt Insolvenzantrag
Dem in einen Bilanzskandal verwickelten Zahlungsdienstleister Wirecard droht die Pleite. "Der Vorstand der Wirecard AG hat heute beschlossen, beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Wirecard AG wegen drohender Insolvenz und Überschuldung zu stellen. Derzeit wird geprüft, ob für Tochterunternehmen der Wirecard Group Insolvenzanträge gestellt werden müssen" , heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) des Unternehmens vom 25. Juni 2020.
Der zurückgetretene und zwischenzeitlich festgenommene Vorstandchef Markus Braun sowie der langjährige Chief Operating Officer Jan Marsalek stehen im Verdacht, die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen erhöht zu haben. Im Zentrum der Ermittlungen stehen angebliche Bankguthaben auf Treuhandkonten bei zwei philippinischen Banken in Höhe von über 1,9 Milliarden Euro. Diese Guthaben bestünden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht, hatte Wirecard am Montag erklärt.
Die Zukunft des Dax-Konzerns hängt vom Wohlwollen der Banken ab, die nach Angaben von Wirecard wegen des fehlenden testierten Jahresabschlusses für 2019 das Recht haben, zwei Milliarden Euro Kredite zu kündigen. Der seit Freitag amtierende Interims-Chef James Freis kämpft ums Überleben seines Unternehmens.
Wirecard bietet Bonitätsprüfung für Reisebuchungen und weitere Zahlungsdienstleitungen, darunter die App Boon auf Basis einer digitalen Prepaid-Mastercard zum Bezahlen über NFC-Technik. Mit der App Boon Planet ist auch die Führung eines Girokontos möglich. Für Onlineshops stellt Wirecard verschiedene Zahlungsarten bereit.
Der Kurs der im Börsenindex Dax notierten Wirecard-Aktie ist im vergangenen Jahr von rund 150 Euro auf derzeit knapp 10 Euro gesunken.
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