Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Vendor-Lock-in trotz freier Software

Während Microsoft die wichtigsten Werkzeuge wie Azure-Linux zum Betrieb der Infrastruktur, das damit korrelierende Sandboxing-Tool Pylock für Python-Umgebungen, vorinstallierte Gast-Agenten und auch das auf Anwendungsebene genutzte Agent-Framework unter freien Lizenzen anbietet, ist der gesamte darauf aufsetzende Enterprise-Überbau kostenpflichtig.

Konzerne und institutionelle Organisationen können KI-Agenten daher zwar ohne zusätzliche Lizenzkosten und mit freier Software programmieren, aber nicht im großen Stil produktiv und sicher betreiben.

Die genutzten KI-Modelle sind kostenpflichtig, und in die Cloudinfrastruktur integrierte Agenten werden über die Azure AI Foundry(öffnet im neuen Fenster) betrieben, welche auf proprietären Diensten basiert. Das grafische Werkzeug Copilot Studio(öffnet im neuen Fenster) wird ebenfalls als proprietäre SaaS-Lösung im Rahmen eines nutzungsbasierten Abrechnungsmodells angeboten.

Somit dienen die "freien" Microsoft-Werkzeuge in diesen Szenarien in letzter Konsequenz dazu, bestehende Abhängigkeiten nicht nur zu zementieren, sondern auch noch zu vertiefen. Werden beispielsweise durch den Einsatz autonomer KI-Agenten in bestimmten Geschäftsbereichen menschliche Mitarbeiter überflüssig, kann die Abhängigkeit von Microsoft für das betreffende Unternehmen existenzbedrohende Ausmaße annehmen, wenn der berüchtigte Kill-Switch betätigt wird. Dabei können nicht nur geopolitische Verwerfungen Auslöser einer solchen Krise sein, sondern auch die Preispolitik des US-Oligopolisten.

Vermeintlicher Strategiewechsel

Microsoft hat in seiner Unternehmensgeschichte bereits mehrfach Strategiewechsel vollzogen, die teils widersprüchlich anmuteten. Allerdings ist allen diesen Strategiewechseln gemein, dass sie der Festigung der eigenen Marktposition dienen und wenn möglich deren Ausweitung hin zu Monopolen. Dabei waren stets zwei Muster erkennbar: Neben sogenannten FUD-Maßnahmen (Fear, Uncertainty and Doubt – Furcht, Ungewissheit und Zweifel)(öffnet im neuen Fenster), die durch gezielte Diskreditierung von Mitbewerbern und deren Produkten die eigene Marktmacht stärken sollen, wandte Microsoft auch die EEE-Strategie (Embrace, Extend and Extinguish – annehmen, erweitern und auslöschen)(öffnet im neuen Fenster) an.

Bei dieser soll durch die Adaption von etablierten Standards und Spezifikationen und deren anschließende Erweiterung durch proprietäre Komponenten eine Situation geschaffen werden, in welcher der ursprüngliche Standard durch gezielte Verwendung der neuen Erweiterungen und durch das Ausnutzen der bestehenden Marktmacht "ausgelöscht" wird.

Bei Microsoft haben solche Kampagnen eine jahrzehntelange Geschichte. Schon in den 1990er Jahren setzte der Konzern aus Redmond die EEE-Strategie ein, um im sogenannten Browserkrieg(öffnet im neuen Fenster) gegen Netscape und gegen das ursprünglich von Sun Microsystems entwickelte Java dem eigenen Webbrowser als Zugangssoftware zum Internet eine beherrschende Stellung im Markt zu verschaffen.

Ende der 1990er Jahre machte sich Bill Gates in einer dokumentierten internen E-Mail darüber Gedanken, wie man den offenen ACPI-Standard durch eigene proprietäre Ergänzungen so modifizieren könne, dass er nur noch unter Windows effektiv genutzt werden könne. Dabei sollten Teile dieser proprietären Erweiterungen patentiert werden, so dass sie nicht für Open-Source-Projekte zugänglich sein würden.


Relevante Themen