Big Brother Awards: Österreich prämiert die EU Kommission und Facebook

In Österreich wurden die Gewinner der Big Brother Awards bekanntgegeben: Neelie Kroes und Siim Kallas von der EU Kommission erhalten ihn für Ecall in Autos, Facebook für seine psychologischen Experimente mit Nutzern.

Artikel veröffentlicht am ,
In Österreich sind die Big Brother Awards 2014 vergeben worden.
In Österreich sind die Big Brother Awards 2014 vergeben worden. (Bild: Big Brother Award Österreich)

Für die verpflichtende Einführung des Notfallsystems Ecall ist der österreichische Big Brother Award in der Kategorie Politik an die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes und den EU-Kommissar für Verkehr Siim Kallas vergeben worden. Weitere Negativpreise gingen an Facebook, LG Electronics, die Universität Salzburg sowie die österreichische Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek für eine umstrittene Studie unter Volksschulkindern. In der Kategorie lebenslanges Ärgernis wurde die landesweite Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) für die zahlreichen Skandale der letzten Jahre prämiert.

Überwachung durch Ecall

Stellenmarkt
  1. Anwendungsbetreuer Klinische Applikationen (m/w/d)
    Knappschaft Kliniken Service GmbH, Bochum
  2. IT-Referatsleiterin bzw. IT-Referatsleiter (w/m/d)
    Freie und Hansestadt Hamburg, Finanzbehörde, Landesbetrieb Kasse.Hamburg, Hamburg
Detailsuche

Die Jury kritisiert die EU-Kommission dafür, dass der europaweite Einbau von Ecall ab 2015 für alle Automobilhersteller verpflichtend sei. Das automatische Notfallsystem sei für Behörden und Hersteller eine "ungeahnte Datenquelle digitaler Überwachung". Mit der Einführung von Ecall habe die EU "Tür und Tor für neue Überwachungsprodukte im Straßenverkehr" geöffnet. Dabei werde gegen das Recht, unbeobachtet zu reisen verstoßen, das in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt ist.

Facebook-Nutzer als Versuchskaninchen

Facebook wird für seine zunächst verdeckte und nach Bekanntwerden stark kritisierte psychologische Studie unter seinen Nutzern mit dem Preis in der Kategorie "Globaler Datenhunger" ausgezeichnet. Die Jury kritisierte, Facebook nutze sein Angebot, "um die Emotionen seiner Mitglieder zu Studienzwecken zu missbrauchen" und dass es diese "gezielt manipuliert, um die emotionalen Auswirkungen von positiven beziehungsweise frustrierten Meldungen auf das Seelenleben jedes Einzelnen zu untersuchen."

Google analysiert Studenten

Die Universität Salzburg erhält ebenfalls einen Award in der Kategorie Business und Finanzen, weil sie ihre Studenten zwinge, ihre E-Mails über Google zu senden und damit den Analysewerkzeugen des Suchmaschinenanbieters aussetze. Die Studierenden müssen seit 2011 Googles E-Mail-Dienste Apps for Education nutzen, weil der Universität laut eigenen Angaben ein E-Mail-System mit genügend Speicherplatz für 18.000 Nutzer zu teuer ist. Zunächst habe Google beteuert, die E-Mails nicht zu analysieren, sondern sie "abseits ihres normalen Geschäftes zu betreiben." Als Schüler und Studenten in den USA erfolgreich gegen den Suchmaschinenanbieter klagten, habe der Konzern versichert, die Erhebung zu Werbezwecken auch an der Universität Salzburg auszuschalten. Das sei zuvor verweigert worden. Google habe jedoch betont, dass "alle anderen Analyse-Tools für das optimale Funktionieren notwendig wären und weiter eingesetzt werden." "Eine Inskription darf kein automatisches Datengeschenk für Google werden", sagte dazu die Vizechefin der österreichischen HochschülerInnenschaft, Julia Friedl.

Kinder müssen Elternhaus ausspähen

Golem Akademie
  1. Kotlin für Java-Entwickler: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    03.–04. Februar 2022, Virtuell
  2. Cloud Computing mit Amazon Web Services (AWS): virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.–16. Februar 2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Das österreichische Bundesinstitut Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) hat im Rahmen einer Initiative einen Fragebogen an Schüler sämtlicher Volksschulen verteilt. Darin sollten sie Fragen beantworten wie: "Wie viele Bücher habt ihr zu Hause?", "Wie oft gehst du mit deinen Eltern ins Kino?", "Welche Schulbildung haben deine Eltern?" oder: "Wenn deine Mutter derzeit nicht berufstätig ist, gib bitte an, welchen Beruf sie zuletzt ausgeübt hat." Außerdem sollten die Schüler kundtun, welche Sprache zu Hause gesprochen wird oder wo die Eltern geboren sind. Die Jury kritisiert, dass den Kindern oft die Tragweite dieser Fragen nicht bewusst sei. "Kinder sollten nicht angestiftet und gezwungen werden, Daten über das Elternhaus preiszugeben." Den Preis in der Kategorie Behörden und Verwaltung ging dafür an die Bundesministerin für Bildung Gabriele Heinisch-Hosek.

SmartTVs spionieren ihre Nutzer aus

LG Electronics erhielt den Big Brother Award in der Kategorie Kommunikation und Marketing. Die Smart-TVs des Herstellers übersendeten Nutzerdaten etwa beim Senderwechsel oder die Inhalte eines angeschlossenen USB-Sticks. "Die Privatsphäre-Einstellungen sind versteckt, und Daten werden auch gespeichert und übertragen, obwohl man glaubt, dies in den dazugehörige Privatsphäre-Einstellung deaktiviert zu haben. Wer dem Nutzungsvertrag nicht zustimmt, bekommt alle SmartTV-Funktionen deaktiviert und kann das teure Gerät nur noch als dummes Fernsehgerät benutzen. Offiziell sammelt LG die Daten, um ein verbessertes Werbeangebot schalten zu können. Viele Firmen rechtfertigten das Ausspionieren ihrer Kunden mit der kostenlosen Internetkultur, bei der der User mit seinen Daten bezahlt. Wie rechtfertigt LG diese Datensammelwut, obwohl der Fernseher teuer bezahlt wurde?", fragt die Jury in ihrer Begründung.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Microsoft
11 gute Gründe gegen den Umstieg auf Windows 11

Microsoft hat mit Windows 11 ein besseres Windows versprochen. Momentan fehlt aber viel und Funktionen werden hinter mehr Klicks versteckt.
Ein IMHO von Oliver Nickel

Microsoft: 11 gute Gründe gegen den Umstieg auf Windows 11
Artikel
  1. Reddit: IT-Arbeiter automatisiert seinen Job angeblich vollständig
    Reddit
    IT-Arbeiter automatisiert seinen Job angeblich vollständig

    Ein anonymer IT-Spezialist will unbemerkt seinen Job vollständig automatisiert haben. Dem Arbeitgeber sei dies seit einem Jahr nicht aufgefallen.

  2. Firmware: Windows 11 startet mit Coreboot
    Firmware
    Windows 11 startet mit Coreboot

    Einem Microsoft-Entwickler ist es nun aber gelungen, Windows 11 auf komplett freier Firmware zu starten.

  3. Telenot-Schließanlage: Schwacher Zufall sorgt für offene Türen
    Telenot-Schließanlage
    Schwacher Zufall sorgt für offene Türen

    Ein Alarmanlagen- und Schließsystem erstellte Zufallszahlen mit einer dafür nicht geeigneten C-Funktion.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3080 12GB bei Mindfactory 1.699€ • Samsung Gaming-Monitore (u.a. G5 32" WQHD 144Hz Curved 299€) • MindStar (u.a. GTX 1660 6GB 499€) • Sony Fernseher & Kopfhörer • Samsung Galaxy A52 128GB 299€ • CyberGhost VPN 1,89€/Monat [Werbung]
    •  /