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Big Blue Solar Powa 30 im Test: Zu Hause ein Sonnenschein

Big Blue erfand einst die fast perfekte Solartasche für unterwegs. Das neue Solar Powa 30 soll der rundum verbesserte Nachfolger sein. Ist es aber nicht.
/ Jürgen Vielmeier
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Die Big Blue Solar Powa 30 bei Sonnenschein (Bild: Jürgen Vielmeier)
Die Big Blue Solar Powa 30 bei Sonnenschein Bild: Jürgen Vielmeier

Solartaschen für unterwegs sind ein erstaunlich komplexes Thema: Sie dürfen nicht zu klein und nicht zu groß sein, sollen idealerweise zwei Geräte gleichzeitig schnellladen können und nicht allzu viel kosten.

Für eine Bikepacking-Tour fand ich da vor fünf Jahren in der Big Blue 28W-Solartasche(öffnet im neuen Fenster) einen fast idealen Begleiter für eine Tour in die Schweiz. Auf den Nachfolger Big Blue Solar Powa 30 war ich also besonders gespannt: Der Hersteller verspricht einen besseren Staub- und Wasserschutz, einen ausklappbaren Ständer, einen höheren Wirkungsgrad, USB-C neben einem USB-A- und einem DC-Anschluss und – wie der Name schon vermuten lässt – noch einmal 2 Watt mehr Ladeleistung.

Beim Auspacken stellt sich dann allerdings schnell heraus: Das Mehr an Leistung ist auch mit einem Mehr an Größe und Gewicht erkauft. Mit 1.090 g im Vergleich zu den 671 g des 28-W-Vorgängers ist das Gerät um mehr als 50 Prozent schwerer geworden. Während das neue Panel aufgefaltet höher und schmaler, aber in der Gesamtfläche etwa gleich geblieben ist, sind seine Packmaße deutlich gewachsen.

Die nur noch drei Panels des Solar Powa 30(öffnet im neuen Fenster) sind zusammengefaltet fast doppelt so groß wie die alte Version, bei noch gestiegener Tiefe von 4,3 gegenüber 3,4 cm – denn die Konstruktion des neuen Modells lässt beim Zusammenfalten viel Luft zwischen den einzelnen Modulen.

Dazu hat Big Blue die zwar nicht unendlich praktische, aber doch hilfreiche Tasche des Vorgängers eingespart, in der Nutzer ihre technischen Geräte beim Laden aufbewahren konnten. Die neue Anschlussbox ist schutzlos den Elementen ausgesetzt und auf der Rückseite irgendwie immer im Weg. Zudem fehlt das praktische Amperemeter des 28-W-Moduls, an dem sich die Ladeleistung zumindest gut abschätzen ließ.

Bewölkter Himmel? Kein Problem!

Die verwendeten Panels des Solar Powa 30 sind hauchdünn und aus modernen, monokristallinen Wafern gefertigt. Zumindest den Solarmodulen dürften dank der ETFE-Beschichtung selbst ein kräftiger Regenschauer oder lästiger Morgentau beim Zelten nichts anhaben.

Big Blue spricht von Schutzklasse IP65 – geschützt gegen Strahlwasser. Mehr ist es wegen der freiliegenden Elektronik sicher nicht. Das Panel ist zudem schnell auf- und wieder zusammengefaltet. Handliche Druckknöpfe helfen bei der Fixierung.

Auch der integrierte Ständer, den ein Gummiband hält, verrichtet zuverlässig seinen Dienst. Mit Löchern für Karabinerhaken (nicht im Lieferumfang) lässt sich das Panel außerdem an einer Zeltwand oder einem Rucksack befestigen. Ladeleistung und Elektronik überzeugen insgesamt.

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Auf Amazon wird in einigen Kommentaren moniert, dass das Panel das Laden nicht selbständig wieder aufnimmt, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Zumindest bei unserem Testgerät ist das allerdings nie ein Problem.

Gerade bei wechselhaftem Wetter lädt das Solar Powa 30 zuverlässiger als gedacht: Ein angeschlossenes iPhone 15 Pro erhält selbst bei mehr Wolken als Sonne 10 bis 15 Prozent Akkuladung in der Stunde.

Bei sonnigem Wetter lädt das Panel dasselbe iPhone mit fast leerem Akku in gut einer Stunde voll auf. Bei grauem Himmel messen wir immerhin noch 4 Prozent Ladung pro Stunde – das ist nicht viel, liegt aber über dem Schnitt vergleichbarer Panels.

Ladeleistung zu gering für große Powerstations

Mehr Leistung verlangen zwei gleichzeitig angeschlossene Geräte dem Panel ab: Ein Bluetooth-Lautsprecher (2.600 mAh) und eine LED-Tischlampe (4.000 mAh) laden bei drei Stunden ungetrübtem Sonnenschein zwar jeweils deutlich auf, aber nicht voll. Mit einzeln verbundenen Smartwatches und einem Android-Smartphone (Samsung) hat das Solar Powa 30 keine Probleme, wohl aber mit einem Macbook Air, das eine höhere Eingangsleistung verlangt.

An der USB-A-Schnittstelle messen wir bei optimalem Wetter und genauer Ausrichtung des Panels die versprochenen maximalen 15 Watt. Die USB-C-Schnittstelle ist auf maximal 18 Watt begrenzt.

Auch wenn USB-PD längst mehr Leistung erlaubt, belassen es Hersteller oft bei deutlich niedrigeren Werten, um Schwankungen auszugleichen und die versprochenen 15 beziehungsweise 18 Watt möglichst auch zu erreichen.

Schön ist derweil, dass Big Blue im Gegensatz zum Vorgänger auch einen DC-Anschluss ins Solar Powa 30 einbaut, der maximal 29 Watt liefern kann. Einer von uns versuchsweise angeschlossenen Powerstation mit 2.000 Wh allerdings ist selbst das zu wenig.

Sie registriert schlicht keine Eingangsleistung. Big Blue wirbt auch lediglich damit, kleine Powerstations oder Gleichstromgeräte über den DC-Anschluss im Panel mit Strom versorgen zu können.

Gleicher Hersteller, anderer Designer?

Hersteller Big Blue verlangt aktuell auf Amazon rund 80 Euro für das Solar Powa 30. Der Vorgänger, das 28-W-Solarpanel, bleibt für rund 60 Euro erhältlich. Der Vergleich beider Geräte legt nahe, dass hier offenbar ganz unterschiedliche Designer am Werk waren.

Das 28-W-Solarpanel ist mit Stoffbezug, Klettverschluss und Abdeckungen der Schnittstellen für den Outdooreinsatz prädestiniert. Das Solar Powa 30 wirkt trotz des höheren IP65-Standards mehr wie ein Solarpanel für den Camper oder zu Hause.

Gerade wenn Gewicht und Maße eine geringere Rolle spielen, eignen sich Faltpanels mit mehr Leistung aber deutlich besser in Kombination mit einem festen Dach über dem Kopf. Zumal die Preise für 80- oder 100-Watt-Panels zuletzt deutlich ins Rutschen gekommen sind.

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Erstaunlich ist, dass die Auswahl an gut tragbaren, halbwegs wetterfesten Solartaschen für Camping- und Outdoortouren überschaubar bleibt. Die Herausforderung ist hier nach wie vor, dass die Leistung bei derzeitigen Solarmodulen fast immer proportional zu Fläche und Gewicht ist.

Ein 60- oder 80-Watt-Faltpanel ist deswegen meist schon so groß oder schwer, dass kaum jemand es mit in den Rucksack nehmen kann oder mag. Kleinere Module mit 20 oder weniger Watt theoretischer Leistung sind meist zu schwach, um moderne Smartphones und weitere Kleingeräte in vertretbarer Zeit zu laden, gerade wenn durch bewölktes Wetter nur ein Teil der theoretischen Leistung zustande kommt.

Der Sweet Spot von Outdoor-Solartaschen für unterwegs liegt deswegen weiterhin zwischen etwa 30 und 40 Watt. Und da bleiben beide Big-Blue-Solarfaltpanels im Rennen. Namhafte Konkurrenz kommt hier eigentlich nur von Anker (Solix 30)(öffnet im neuen Fenster) .

Wer etwas mehr schleppen mag, für den sind eventuell noch das 40-W-Solarpanel von Powkey oder das Nicesolar-60-W-Panel interessant, die sich bei mehr Gewicht auf eine ähnliche Fläche wie beide Big-Blue-Panels zusammenfalten lassen. Für die Rucksack- oder Bikepackingtour bleibt das 28-W-Modul die bessere Wahl von Big Blue.

Wer einen Camper hat und nicht derart auf Größe und Gewicht der Ladung schielen muss, für den kann das Solar Powa 30 eine attraktive Wahl sein.


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