BGP-Protokoll: Spionageverdacht wegen Datenumleitungen über Weißrussland

Datenströme aus 150 US-amerikanischen und anderen Städten sind nach Angaben der Netzwerkanalysefirma Renesys im Jahr 2013 über Weißrussland und Island geleitet worden. Finanzdienstleister, Behörden und Internet-Anbieter seien betroffen. Dass die Umleitungen zufällig geschahen, wird bezweifelt.

Artikel veröffentlicht am , Lars Sobiraj
Umleitung von amerikanischen Daten nach Weissrussland
Umleitung von amerikanischen Daten nach Weissrussland (Bild: Renesys)

Im Normalfall sollen alle Daten des Internet so direkt wie möglich vom Sender zum Empfänger verschickt werden. Dabei nehmen die Datenströme mitunter kleinere Umwege über Knotenpunkte in anderen Ländern. Größere Umleitungen werden automatisch vorgenommen, wenn beispielsweise Seekabel oder Internet-Knoten komplett ausfallen.

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Nach Ansicht der Analysten von Renesys kam es in diesem Jahr an 60 Tagen zu verdächtigen Umleitungen von Daten. Es wurden Datenströme zurückverfolgt, die auf ihrem Weg von Mexiko nach Washington einen Umweg über Knotenpunkte in Laredo, Ashburn, London, Moskau, Minsk, Frankfurt und New York nahmen. Dafür wurden die Routingprotokolle mehrerer Provider manipuliert, um die Daten weit abseits der regulären Route zu verschicken.

Renesys-Geschäftsführer Jim Cowie ist davon überzeugt, das am Transfer beteiligte Unternehmen in Weißrussland habe dabei die Gelegenheit genutzt, die übertragenen Daten zu analysieren. Cowie sagte dem IT-Magazin All Things D, es sei zwar leicht zu überprüfen, wessen Hardware für diese Umleitungen manipuliert wurde. Es sei aber etwas völlig anderes, den Verursacher ausfindig zu machen. Bisher sind weder die Motive noch die Hintermänner der rätselhaften Datenumleitungen bekannt. Laut Renesys ist es neben der Inspektion der Daten sogar möglich, diese innerhalb weniger Millisekunden bis zum Eintreffen beim Empfänger zu manipulieren.

Diese 2013 erstmals entdeckte Methode des Datendiebstahls geschieht unbemerkt. Die Verzögerung durch die Umleitung ist so minimal, dass es beim Browsen zu keinen Wartezeiten kommt. Renesys geht dabei von gezielten Manipulationen und keiner zufälligen Reihe von technischen Defekten aus. Neben Datenströmen aus diversen Städten der USA wurden auch welche aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, aus Südkorea, Australien oder dem Iran umgeleitet.

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Unternehmen, die sensible Informationen über das Internet verschicken, wird empfohlen, den Weg ihrer Daten im Detail zurückzuverfolgen. Bis zur vollständigen Aufklärung der Vorfälle müsse man der Problematik mit vollständiger Transparenz begegnen, schrieb der Geschäftsführer von Renesys im Blog des Unternehmens.

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randfee 23. Nov 2013

herrlich, ich hab's auch nicht erkannt, bis ich deinen Post las. Dachte auch da muss...

angelpage 22. Nov 2013

Allein geografisch "Mexiko nach Washington", dazu "Seekabel" - ist doch klar, daß da in...

pholem 22. Nov 2013

Ich glaube dem Threadersteller geht es hier um die doppelte Nutzung von "Protokoll...

nicoledos 21. Nov 2013

keine Angst, die Spionieren nicht. Die Amis haben nur ein paar Jobs an günstige...



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