BGP-Hijack: Telegram-Nachrichten kurzzeitig durch Iran geroutet

Aufgrund von Problemen mit BGP liefen einige Telegram-Nachrichten offenbar durch die Netzwerke des iranischen Internetbetreibers. Ob es sich dabei um einen gezielten Angriff oder ein Versehen handelt, ist unklar.

Artikel veröffentlicht am ,
Telegram gilt beliebteste Messenger-App im Iran, auch weil Konkurrenz wie Facebook und Whatsapp blockiert werden.
Telegram gilt beliebteste Messenger-App im Iran, auch weil Konkurrenz wie Facebook und Whatsapp blockiert werden. (Bild: Pixabay/CC0 1.0)

Am vergangenen Montagmorgen, dem 30. Juli 2018, sind möglicherweise einige Nachrichten des Onlinemessengers Telegram kurzzeitig durch das Netz der Telecommunication Company of Iran geleitetet worden. Grund dafür ist offenbar eine Fehlkonfiguration bei der Nutzung des Border Gateway Protocol (BGP), die für ein Umleiten der Pakete gesorgt hat. Dies könnte schlicht ein Versehen der zuständigen Admins gewesen sein oder aber auch ein gezielter Angriff, ein sogenannter BGP-Hijack.

Der zu OpenDNS gehörende Dienst BGPstream stuft das Ereignis als "möglichen Hijack" ein, also einen aktiven Angriff zum Umleiten der Pakete. Das Internet-Intelligence-Team von Oracle schreibt zu dem Ereignis, dass hierbei über 100 Präfixe geleakt worden seien. Die meisten davon betrafen demnach lediglich andere iranische Netzwerke. Zehn betrafen jedoch auch wie erwähnt den Telegram-Messenger. Acht der Route-Leaks in Bezug auf Telegram bezogen sich außerdem auf spezifischere Präfixe als jene, die üblicherweise vom Telegram-Netz genutzt werden.

Derartige Probleme mit BGP treten immer wieder auf und sind mittlerweile leider mehr oder weniger üblich. So listet etwa der Dienst BGPstream mehr als 1.600 BGP-Ereignisse seit Mitte Juni, die als Route Leak oder auch als "möglicher Hijack" geführt werden. Viele davon sind sicher auf menschliche Fehler zurückzuführen. Darüber hinaus bietet BGP unter anderem aufgrund seines Alters so gut wie keine Absicherungsmöglichkeiten gegen BGP-Hijacking.

Die Vermutung, dass es sich beim Umleiten der Telegram-Pakete in den Iran um eine gezielte Handlung gehandelt hat, ist durchaus naheliegend. Telegram gilt als beliebteste Messenger-App im Iran. In der Vergangenheit soll es iranischen Hackern jedoch bereits gelungen sein, Telegram-Konten offenzulegen. Anfang dieses Jahres wurde der Dienst während der Proteste im Land kurzzeitig blockiert, und zuletzt gab es im Frühjahr dieses Jahres offenbar den Plan der Regierung, den Dienst offiziell zu sperren.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Yian 02. Aug 2018

Ein nicht-kritischer Bericht unter Verwendung des Begriffs "Iran" könnte zu...

DerSchwarzseher 02. Aug 2018

so einfach das russland telegram verbietet weil er den schlüssel nich rausgerückt hat...

dabbes 01. Aug 2018

jetzt wissen die Mulahs, dass ich heute Abend mit meiner Frau einkaufen fahre.



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Custom Keyboard
Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro

Die Switches haben das 64-fache Volumen und das Gehäuse ist menschenhoch: Ein Youtuber baut eine absurd große Tastatur für absurd viel Geld.

Custom Keyboard: Youtuber baut riesige Tastatur für 13.500 Euro
Artikel
  1. Super Nintendo: Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux
    Super Nintendo
    Fan bringt verbessertes Zelda 3 für Windows, MacOS und Linux

    Aus 80.000 Zeilen C-Code besteht die per Reverse Engineering generierte Version von Zelda 3. Die bringt einige Verbesserungen und 16:9.

  2. Twitter: Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld
    Twitter
    Der blaue Haken bringt Musk nur wenig Geld

    Weltweit hat Twitter angeblich schon einige Hunderttausend zahlende Nutzer. Das dürfte die Finanzprobleme aber nur wenig mildern.

  3. Linux: Alte Computer zu neuem Leben erwecken
    Linux
    Alte Computer zu neuem Leben erwecken

    Computer sind schon nach wenigen Jahren Nutzungsdauer veraltet. Doch mit den schlanken Linux-Distributionen AntiX-Linux, Q4OS oder Simply Linux erleben ältere PC-Systeme einen zweiten Frühling.
    Von Erik Bärwaldt

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • DAMN-Deals: AMD CPUs zu Tiefstpreisen (u. a. R7 5800X3D 324€)• MindStar: Zotac RTX 4070 Ti 949€, XFX RX 6800 519€ • WSV-Finale bei MediaMarkt (u. a. Samsung 980 Pro 2 TB Heatsink 199,99€) • RAM im Preisrutsch • Powercolor RX 7900 XTX 1.195€ • PCGH Cyber Week nur noch kurze Zeit [Werbung]
    •  /