• IT-Karriere:
  • Services:

Bezahlzwang: Facebook droht mit Blockade von Medieninhalten

Australien will Facebook und Google für das Anzeigen von Medieninhalten bezahlen lassen. Doch Facebook lehnt die Pläne weiterhin strikt ab.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook droht mit der Blockade von Medien in Australien.
Facebook droht mit der Blockade von Medien in Australien. (Bild: Toby Melville/Reuters)

Der US-Interkonzern Facebook droht wegen des geplanten Bezahlzwangs für australische Medien mit drastischen Konsequenzen. "Falls der Gesetzesentwurf beschlossen wird, werden wir widerwillig Verlegern und Nutzern in Australien nicht mehr erlauben, lokale und internationale Nachrichten auf Facebook oder Instagram zu teilen", sagte Facebook-Manager Will Easton in einem Blogbeitrag und fügte hinzu: "Dies ist die einzige Möglichkeit, sich vor einem Ergebnis zu schützen, das jeder Logik widerspricht und langfristig dem australischen Nachrichten- und Mediensektor eher schadet als nützt."

Stellenmarkt
  1. operational services GmbH & Co. KG, Dresden, Berlin, Frankfurt am Main, München
  2. operational services GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, Berlin, Dresden, München

Die Australische Kommission für Wettbewerb und Verbraucherschutz (ACCC) hatte Ende Juli einen Entwurf für einen Verhaltenskodex veröffentlicht, der große IT-Konzerne wie Google und Facebook zur Zahlung an Medien verpflichten soll. Der verpflichtende Kodex enthält Vereinbarungen zum Teilen von Daten, dem Ranking von Nachrichteninhalten und Ausgleichszahlungen für Umsätze, die mit Nachrichten erzielt werden. Der Kodex soll mit Hilfe von Strafzahlungen und Sanktionen durchgesetzt werden und ein verpflichtendes Streitschlichtungsverfahren enthalten. Bis Ende des Jahres will die Regierung den Kodex verabschieden.

Medien bringen wenig Umsatz

Facebook hatte in einer Stellungnahme im Juni argumentiert, dass das Anzeigen und die Verlinkung von Inhalten australischer Medien verzichtbar sei. "Wir sind sicher, dass die Auswirkungen auf Nutzerzahlen und Einnahmen in Australien unbedeutend wären, wenn in Australien auf Facebook keine Nachrichteninhalte verfügbar wären", hieß es in der Stellungnahme.

Die nun ausgesprochene Drohung basiert offensichtlich auf dieser Einschätzung. "Nachrichten stellen nur einen Bruchteil der Inhalte dar, die Nutzer in ihrem Newsfeed sehen, und sind keine bedeutende Umsatzquelle für uns", schreibt Easton. Er verweist darauf, dass Facebook in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2,3 Milliarden Klicks für die australischen Medien "umsonst" generiert habe. Dieser Traffic entspreche einem Wert von 200 Millionen US-Dollar.

Mit dem Gesetzesentwurf missverstehe die ACCC die Dynamik des Internets und schade den Medien, die eigentlich geschützt werden sollten. Wichtige Fakten seien ignoriert worden, vor allem das Verhältnis zwischen sozialen Medien und Nachrichtenmedien sowie deren gegenseitige Unterstützung, schreibt Easton.

Facebook News wird ausgeweitet

Facebooks Vizepräsident für weltweite Nachrichtenkooperationen, Campbell Brown, bekräftigte in einem eigenen Beitrag das Engagement des Unternehmens für den Journalismus. Dazu zähle die Zusammenarbeit mit Verlagen, um Nachrichteninhalte in einem eigenen Bereich zu präsentieren. So soll Facebook News innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate über die USA hinaus eingeführt werden, auch in Deutschland. Darüber sollen die Verlage eine bessere Möglichkeit erhalten, ihren Abonnenten den Zugang zu Inhalten über Facebook zu ermöglichen. Dazu stelle Facebook ein neues Tool bereit. Trotz der Entscheidung zu Australien wolle Facebook weiterhin stark in Journalismus investieren.

Der Suchmaschinenkonzern Google hat seine australischen Nutzer ebenfalls schon vor den Folgen des neuen Gesetzes gewarnt. Der vorgesehene Bezahlzwang für die Nutzung von Medieninhalten könne zu einem "dramatisch verschlechterten" Angebot bei der Google-Suche und Youtube führen, schrieb das Unternehmen Mitte August in einem offenen Brief.

Das Vorgehen Australiens ist vergleichbar mit der Einführung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger in Europa. Zuletzt hatte die französische Wettbewerbsbehörde Google dazu verpflichtet, mit den Medien über Lizenzzahlungen zu verhandeln. Nach Ansicht der Behörde hat Google mit Hilfe seiner Marktmacht von den Medien Gratislizenzen für Snippets erzwungen. In Deutschland steht die Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie noch aus. Google hat jedoch auch eine Initiative angekündigt, um Lizenzen an ausgewählte Medien zu zahlen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 499,99€/299,99€ (Release 10.11.)
  2. 484,99€/290,99€ (Release 10.11.)
  3. 499,99€/299,99€ (Release 10.11.)
  4. (u. a. Apacer DIMM 16 GB DDR4-3200 Kit für 57,90€, JBL Tuner XL Radio für 129,90€, Deepcool...

Dwalinn 03. Sep 2020 / Themenstart

Wenn ich die News lesen will muss ich doch ohnehin auf die Seite der Nachrichtendienste...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Todesfall: Citrix-Sicherheitslücke ermöglichte Angriff auf Krankenhaus
Todesfall
Citrix-Sicherheitslücke ermöglichte Angriff auf Krankenhaus

Ein Ransomware-Angriff auf die Uniklinik Düsseldorf, der zu einem Todesfall führte, erfolgte über die "Shitrix" genannte Lücke in Citrix-Geräten

  1. Datenleck Citrix informiert Betroffene über einen Hack vor einem Jahr
  2. Shitrix Das Citrix-Desaster
  3. Perl-Injection Citrix-Geräte mit schwerer Sicherheitslücke und ohne Update

Burnout im IT-Job: Mit den Haien schwimmen
Burnout im IT-Job
Mit den Haien schwimmen

Unter Druck bricht ein Webentwickler zusammen - zerrieben von zu eng getakteten Projekten. Obwohl die IT-Branche psychische Belastungen als Problem erkannt hat, lässt sie Beschäftigte oft allein.
Eine Reportage von Miriam Binner


    Elektrophobie: Zukunftsverweigerung oder was ich als E-Autofahrer erlebte
    Elektrophobie
    Zukunftsverweigerung oder was ich als E-Autofahrer erlebte

    Beschimpfungen als "Öko-Idiot" oder der Mittelfinger auf der Autobahn: Als Elektroauto-Fahrer macht man einiges mit - aber nicht mit dem Auto selbst.
    Ein Erfahrungsbericht von Matthias Horx

    1. Model Y Tesla befestigt Kühlaggregat mit Baumarktleisten
    2. Wohnungseigentumsgesetz Anspruch auf private Ladestelle kommt im November
    3. Autogipfel Regierung fordert einheitliches Bezahlsystem bei Ladesäulen

      •  /