Bezahlinhalte: Bild fordert Obergrenze für Focus Online

Die Bild-Zeitung rühmt sich gerne selbst, das am meisten zitierte Medium in Deutschland zu sein. Im Falle von Focus Online geht dem Axel-Springer-Verlag das "Abschreiben" von Inhalten aber zu weit. Mit einer ungewöhnlichen Argumentation.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Solche Inhalte will Bild.de sich nicht von Focus Online "stehlen" lassen.
Solche Inhalte will Bild.de sich nicht von Focus Online "stehlen" lassen. (Bild: bild.de)

Die Bild-Zeitung will die "systematische" Übernahme von redaktionellen Inhalten durch das Internetportal Focus Online gerichtlich verbieten. Mit Hilfe einer Klage wehre sich die Bild-Zeitung dagegen, "dass Focus Online systematisch exklusive Bezahl-Inhalte von Bildplus abschreibt und zum Teil des eigenen Geschäftsmodells macht, das Journalismus reichweitenorientiert vermarktet", teilte der Axel-Springer-Verlag am Dienstag mit. Darin sieht der Axel-Springer-Verlag Verstöße gegen das Wettbewerbs- und das Urheberrecht.

Inhalt:
  1. Bezahlinhalte: Bild fordert Obergrenze für Focus Online
  2. Bild.de will Schadenersatz

Ein Sprecher des Landgerichts Köln bestätigte der Nachrichtenagentur dpa, dass eine entsprechende Klage (Az.: 14 O5/17) am 12. Januar eingegangen sei. Es handle sich um eine "sehr umfangreiche Klageschrift". Dabei geht die Klage jedoch nicht davon aus, dass mit der Wiedergabe von journalistischen Inhalten gegen den urheberrechtlichen Schutz des Werkes verstoßen wird. Ein mögliches Verbot dieser Praxis würde die Arbeit von Medien stark einschränken, da in der Regel sehr häufig exklusive Berichte anderer Medien übernommen werden. So rühmt sich die Bild-Zeitung regelmäßig: "Riesen-Erfolg für Bild! Europas größte Tageszeitung wurde auch 2013 am häufigsten mit Exklusivmeldungen zitiert, belegt unter allen deutschen Tageszeitungen Platz 1."

Eine Zeitung als Datenbank

Im Falle des Burda-Mediums Focus Online geht das Zitieren der Bild-Zeitung aber zu weit. Denn die Zeitung geht davon aus, dass potenzielle Nutzer eines kostenpflichtigen Bildplus-Abos lieber auf die kostenlosen Inhalte von Focus Online zurückgreifen. Um dies zu verhindern, greift der Axel-Springer-Verlag tief in die juristische Trickkiste. So werden Bild.de und die Inhalte von Bildplus zu einer Datenbank erklärt, so dass sich die Zeitung auf die geschützten Rechte von Datenbankherstellern berufen kann.

So heißt es in Paragraf 87 b des Urheberrechtsgesetzes: "Der Datenbankhersteller hat das ausschließliche Recht, die Datenbank insgesamt oder einen nach Art oder Umfang wesentlichen Teil der Datenbank zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben." Das ähnlich lautende Leistungsschutzrecht für Presseverleger lässt sich hingegen nur auf Betreiber von Newsaggregatoren und Suchmaschinen anwenden. Zudem würden Focus Online "unlautere geschäftliche Handlungen" (Paragraf 3 Abs. 1 UWG) und die gezielte Behinderung eines Mitbewerbers (Paragraf 4, Nr. 4 UWG) vorgeworfen, sagte ein Verlagssprecher auf Anfrage von Golem.de.

Stellenmarkt
  1. IT Service Manager (m/w/d)
    nicos AG, Münster
  2. Datenqualitätsmanager*in (w/m/d)
    Investitionsbank Schleswig-Holstein, Kiel
Detailsuche

Der Streit zwischen Bild und Focus Online schwelt bereits seit einigen Jahren, wie Meedia.de dokumentiert hat. Demnach prüfte Springer bereits 2014 eine Klage und habe festgestellt, "dass eine eindeutige Verletzung von Urheber- und ggf. Leistungsschutzrechten nicht nachgewiesen werden könne". Dementsprechend sagte Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt nun: "Wir haben einzelne Fälle gegenüber Focus Online zunächst im Guten kritisiert - ohne Erfolg."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Bild.de will Schadenersatz 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anonymer Nutzer 19. Jan 2017

dpa/reuters/.... -also Presseagenturmeldungen 1:1 durchzureichen. Da brauchts ein Abo der...

Anonymer Nutzer 19. Jan 2017

Das wird noch kommen. Bei dem Niedergang den die Presse derzeit erlebt wird irgendwann...

Rulf 19. Jan 2017

das problem ist, daß die ne eigene hochbezahlte und spezialisierte rechtsabteilung...

thinksimple 18. Jan 2017

In Regensburg haben se den Oberbürgermeister verhaftet. Bild recherchiert zur Zeit die...

ip_toux 18. Jan 2017

Bitte nennt die Bild Zeitung nicht Zeitung. Die haben mehr mit klatschpresse zu tun als...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bitcoin und Co.
Kryptowährungen stürzen ab

Bitcoin, Ether und andere Kryptowährungen haben ein schlechtes Wochenende hinter sich. Bitcoin liegt fast 20 Prozent unter dem Wert der Vorwoche.

Bitcoin und Co.: Kryptowährungen stürzen ab
Artikel
  1. Virtueller Netzbetreiber: Lycamobile ist in Deutschland insolvent
    Virtueller Netzbetreiber
    Lycamobile ist in Deutschland insolvent

    Lycamobile im Netz von Vodafone ist pleite. Der Versuch, über eine Tochter in Irland keine Umsatzsteuer in Deutschland zu zahlen, ist gescheitert.

  2. Arbeiten bei SAP: Nur die Gassi-App geht grad nicht
    Arbeiten bei SAP
    Nur die Gassi-App geht grad nicht

    SAP bietet seinen Mitarbeitern einiges. Manchen mag das zu viel sein, aber die geringe Fluktuation spricht für das Softwareunternehmen.
    Von Elke Wittich

  3. VATM: Telekommunikationsverband will Bundesnetzagentur aufspalten
    VATM
    Telekommunikationsverband will Bundesnetzagentur aufspalten

    Die beiden großen Telekommunikationsverbände VATM und Breko sind hinsichtlich einer Spaltung der Bundesnetzagentur gespalten.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bosch Professional Werkzeug und Zubehör • Corsair Virtuoso RGB Wireless Gaming-Headset 187,03€ • Noiseblocker NB-e-Loop X B14-P ARGB 24,90€ • ViewSonic VX2718-2KPC-MHD (WQHD, 165 Hz) 229€ • Alternate (u. a. Patriot Viper VPN100 2 TB SSD 191,90€) [Werbung]
    •  /