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Bezahldienst ausprobiert: Google Pay startet in Deutschland mit vier Finanzdiensten

Google hat mehr als drei Jahre nach der Veröffentlichung seinen Zahlungsdienst Google Pay nach Deutschland gebracht. Kunden mit Visa - und Masterkarten von vier Finanzdienstleistern können künftig mit ihrem Android-Smartphone kontaktlos bezahlen.
/ Tobias Költzsch
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Google Pay in Aktion (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Google Pay in Aktion Bild: Martin Wolf/Golem.de

Auch in Deutschland können Android-Nutzer künftig kontaktlos mit Google Pay bezahlen: Google hat seinen Zahlungsdienst am 26. Juni 2018 offiziell vorgestellt. Zum Start können Kunden von vier Finanzdienstleistern Google Pay verwenden.

Wer eine Visa- oder Mastercard der Commerzbank, von Comdirekt, N26 oder Boon besitzt, kann mit Google Pay bezahlen. Google kündigte auch die Ausweitung des Dienstes auf die LBBW und Revolut an. Nach Aussage von Spencer Spinnell, Managing Director of Emerging Platforms bei Google, ist das Unternehmen in Gesprächen mit weiteren Finanzdienstleistern.

Google Pay ausprobiert
Google Pay ausprobiert (01:04)

Nutzer einer unterstützten Kreditkarte können deren Daten in die Google-Pay-App eingeben. Über ein Token-Verfahren sollen die eingegebenen Daten sicher verwahrt werden und an das Telefon gebunden sein. Anschließend lässt sich mit dem Smartphone in Geschäften bezahlen, die kontaktloses Bezahlen ermöglichen. Einem Visa-Sprecher zufolge unterstützen um die 80 Prozent der Zahlungsterminals in Deutschland bereits kontaktlose Zahlungen, bis 2020 will Visa alle seine Terminals entsprechend ausstatten.

Grundsätzlich gilt: Wo Nutzer mit ihrer Kreditkarte kontaktlos zahlen können, werden sie das auch mit Google Pay und ihrem Smartphone können. Entsprechend hoch ist mittlerweile die Anzahl der Möglichkeiten, ohne das Einschieben einer Kreditkarte mit dieser zu bezahlen.

Der Zahlungsvorgang unterscheidet sich nicht von dem mit einer kontaktlos arbeitenden Kreditkarte: Bei einem Betrag von unter 25 Euro ist keine weitere Bestätigung nötig, ab 25 Euro müssen Nutzer ein Passwort, eine PIN oder einen Fingerabdruck eingeben. Nach der Transaktion erhalten Anwender eine Art Rechnung, die neben Details zum Zahlungsvorgang den Ort der Zahlung enthält.

Zahlungsvorgang wie mit kontaktloser Kreditkarte

In einer Demovorführung zeigte Google, wie schnell der Dienst funktioniert. Nachdem ein Zahlungsterminal uns zum Auflegen einer Karte aufforderte, verwendeten wir stattdessen ein Smartphone. Dieses muss bis zu einem Betrag von 25 Euro nicht entsperrt sein, es reicht, den Sperrbildschirm aktiv zu haben. Nach Bruchteilen von Sekunden war die Zahlung mittels der hinterlegten Kreditkarte von N26 abgeschlossen, uns wurde direkt die Zahlungsübersicht angezeigt.

Google Pay lässt sich nicht nur mit Karten der teilnehmenden Finanzdienstleister verwenden: Wer mit dem Zahlungsdienst online einkaufen will, kann auch Karten anderer Institute hinterlegen. Diese lassen sich allerdings nur in Onlineshops verwenden, nicht im stationären Einzelhandel.

Die Onlinezahlung mit Google Pay soll den kompletten Zahlungsprozess vereinfachen. Anstatt in mehreren Schritten Adresse, Zahlungsdaten und weiteres einzugeben, sollen Nutzer nur auf einen Google-Pay-Button drücken. Die Zahlung soll so in zwei Schritten erledigt sein. Google erwähnt an dieser Stelle nicht, dass viele Onlineshops Nutzerkonten anbieten, mit denen die Abwicklung des Einkaufs ebenfalls komfortabel sein kann. Der Google-Pay-Button soll in zahlreichen Apps verfügbar sein, unter anderem in denen von Adidas, Deliveroo und Ryanair.

Dass Google Pay in Deutschland später als in anderen Ländern verfügbar sei, erklärten Bankenvertreter unter anderem mit fehlenden passenden Terminals in Deutschland. Vor einigen Jahren gab es noch zu wenige kontaktlose Zahlungsterminals, um einen für Anwender sinnvoll nutzbaren Dienst anbieten zu können. Dass die Wallets der Telekommunikationsanbieter gescheitert sind, soll auch an diesem Umstand liegen.

Mit der aktuellen Verbreitung kontaktloser Zahlungsterminals sehen die Banken eine Nutzung positiv. Torsten Daenert von der Commerzbank äußerte bei einer Podiumsdiskussion noch einen interessanten Gedanken: Google Pay würde in Deutschland möglicherweise eine höhere Verbreitung erreichen, wenn Nutzer nicht nur Kredit-, sondern auch Girokarten als Zahlungsmittel hinterlegen könnten. Diese sind in Deutschland immer noch verbreiteter als Kreditkarten, anders als in den USA.

App im deutschen Play Store verfügbar

Google Pay kann kostenlos im Play Store heruntergeladen werden. Die hinterlegten Zahlungsmittelinformationen können über alle Google-Services genutzt werden, also auch für Einkäufe im Play Store oder für die Zahlung eines Youtube-Music-Abos.


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