Den Markt teilen oder komplett vereinheitlichen
Genau deshalb stößt das System, das ursprünglich bei knappem Stromangebot zum Sparen und bei Überkapazitäten zum Abschalten teurer Erzeugungsanlagen führte, gerade an seine Grenzen. Mit dem in allen europäischen Ländern steigenden Anteil an erneuerbarer Energie wird der Strom immer dann billig, wenn Wind oder Sonne viel produzieren. Der eingespeiste Strom lässt sich dann an einem freien Markt im Grunde nicht mehr verkaufen oder nur zu extrem niedrigen Preisen. Soll es keine feste Vergütung mehr geben, aber gleichzeitig der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik nicht spürbar ausgebremst werden, muss sich der Strommarkt ändern.
Eine Idee, die bereits in einigen Ländern diskutiert wird, ist die Aufteilung des Marktes in einen Sektor mit fossiler Energie und einen mit den erneuerbaren Erzeugungsanlagen. Der fossile Markt funktioniert dann nach dem Merit-Order-Prinzip, der Markt der erneuerbaren Energien nach einem langfristigen Preis, der sich an den Investitionskosten orientiert. Der Strompreis ergäbe sich aus dem Mittelwert.
Extreme Preisspitzen durch teure Gaskraftwerke würden nahezu halbiert. Am anderen Ende der Skala würden negative Strompreise wegen der gleichmäßigen Vergütung erneuerbarer Energien entfallen.
Ergänzt werden müsste das System noch um Maßnahmen, die sich speziell an Haushalte mit geringem Einkommen richten. In Spanien gibt es dafür einen speziellen Stromtarif, in Deutschland wird noch immer über ein Klimageld debattiert.
Kritisch sieht der Bericht die aktuell geplante Reform in Deutschland. Ohne feste Einspeisevergütung, mit neu eingeführtem Industriestrompreis und durch die Veränderungen beim Netzausbau würde die Energiewende verlangsamt, die Kosten insbesondere von Windstrom würden steigen und eine neue Ungleichverteilung, wer für die Energiewende bezahlt, würde geschaffen.
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