Bewertungsportal: Qype-Nutzer kämpfen mit Yelp um ihre Sterne

Zahlreiche ehemalige Qype-Nutzer wehren sich erfolgreich vor Gericht gegen geänderte Bewertungen, doch Yelp ignoriert die Entscheidungen. Der Chef des Portals plant stattdessen eine radikale Ausweitung seines Geschäftsmodells.

Artikel veröffentlicht am , Oliver Voß/Wirtschaftswoche
Yelp-CEO Jeremy Stoppelman
Yelp-CEO Jeremy Stoppelman (Bild: Stephen Lam/Reuters)

Seit das US-Bewertungsportal Yelp den deutschen Konkurrenten Qype übernommen hat, sind viele Nutzer empört. Der Grund: Zahlreiche Nutzerkommentare wurden ausgefiltert, Restaurants, Boutiquen oder Arztpraxen werden nun deutlich schlechter bewertet. Zahlreiche Kleinunternehmen wehren sich erfolgreich vor Gericht. Allein das Landgericht Hamburg hat mindestens elf einstweilige Verfügungen erlassen, in denen Yelp das Aussortieren von Bewertungen untersagt wird. "Von uns wurde nicht verlangt, etwas zu ändern", entgegnet Yelp-Chef Jeremy Stoppelman im Gespräch mit der Wirtschaftswoche.

Den vermeintlichen Widerspruch erklärt der Hamburger Rechtsanwalt Hendrik Sievers: "Yelp hat die Annahme der einstweiligen Verfügung verweigert. Obwohl eine deutsche Seite betrieben wird, behauptet Yelp, die deutsche Sprache nicht zu verstehen." Da das Unternehmen keine deutsche Niederlassung betreibt, müssen die Schriftsätze nun auf Englisch übersetzt und mittels diplomatischer Zustellung in die Europazentrale nach Dublin geschickt werden.

Schwieriger Kampf gegen Manipulationen

Yelp begründet das Filtern mit dem Schutz vor Manipulationsversuchen. Wie auch Hotelportale und Anbieter wie Facebook und Twitter ist das Unternehmen immer wieder mit gefälschten und gekauften Bewertungen konfrontiert. Bei extremen Betrugsfällen macht Yelp dies in den USA auch mit entsprechenden Warnhinweisen kenntlich. Zuletzt wurden 285 Einträge mit solchen Hinweisen markiert.

"Etwa 25 Prozent der Bewertungen sind gefälscht oder verdächtig", sagt Stoppelman. Bei Qype sei der Wert noch etwas höher gewesen. Diese Einträge werden durch eine Software ausgesiebt und nur versteckt als "momentan nicht empfehlenswert" angezeigt.

"In den Fällen, die ich bearbeite, wurden 90 bis 98 Prozent der Bewertungen ausgefiltert", sagt Jens Steinberg, Anwalt bei der Kanzlei Greyhills. "Das kommt mir komisch vor, nachdem Yelp selbst angibt, dass im Schnitt nur circa 25 Prozent der abgegebenen Bewertungen gefiltert werden". Zudem gebe sich das Unternehmen keine Mühe aufzuklären, warum genau bestimmte Bewertungen ausgefiltert würden.

Auch die Hamburger Richter befanden, es sei nicht erkennbar, dass Yelp die Beiträge filtern durfte. Dies führe zu einem "Ansehensverlust" der betroffenen Unternehmen.

Direkte Bestellungen über Yelp

Unternehmensgründer Stoppelman lässt sich von alldem nicht beirren. "Wir machen business as usual", sagt der 37-Jährige. Er plant stattdessen die weitere Expansion in Asien und Lateinamerika. Und auch für Deutschland hat Stoppelman schon neue Pläne. In den USA hat Yelp im vergangenen Jahr begonnen, nicht nur Empfehlungen von Geschäften aufzulisten, sondern auch direkt Bestellungen zu vermitteln. So sind beispielsweise Restaurantreservierungen und Essensbestellungen möglich. "Wir wollen das überall ausweiten, wo Onlinebestellungen Sinn ergeben", sagt Stoppelman.

"Wir planen das auch international, insbesondere in Deutschland und Großbritannien", sagt Stoppelman. Es gebe bereits Kontakte zu möglichen Partnern, aber noch keinen konkreten Zeitplan. Yelp hat große Ambitionen: "Bei Amazon findet man alles, was man im Internet bestellen kann. Das Gleiche wollen wir im lokalen Bereich werden." Nutzer sollen künftig auf Yelp jedes lokale Geschäft und Bewertungen dazu finden - sowie die Möglichkeit direkt zu bestellen, "sofern das irgendwie möglich sei".

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PhilBoyd 27. Jan 2014

Yelp benimmt sich gegnüber den deutschen Geschäftstreibenden wie die Axt im Walde und die...

MarioWario 27. Jan 2014

Man sollte als Ladenbesitzer mal ein Schild hinhängen: " Wir zahlen nix für yelp...

Anonymer Nutzer 27. Jan 2014

Wenn sie eine Niederlassung in Dublin haben dann müssen sie sich mindestens an EU Recht...



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