Betrugsversuche auf Booking.com: Zu schön, um wahr zu sein

Woran man Fake-Angebote auf Booking.com erkennt und wie das Unternehmen damit umgeht. Ein Erfahrungsbericht aus Belgien.

Artikel von Markus Feilner veröffentlicht am
In letzter Zeit mehren sich Berichte über betrügerische Angebote auf der Webseite.
In letzter Zeit mehren sich Berichte über betrügerische Angebote auf der Webseite. (Bild: Lionel Bonaventure / AFP)

Die Fosdem in Brüssel ist ein Muss. Zumindest für jeden, der sich mit Open Source und freier Software auseinandersetzt. Jedes Jahr am ersten Wochenende im Februar pilgern mehr als 10.000 Developer, Evangelisten und Admins für drei bis vier Tage in die europäische Hauptstadt, um sich den einen oder anderen von knapp tausend Vorträgen anzuhören. Auch ich suchte ein Hotelzimmer für das Wochenende, wäre dabei aber fast einem Betrüger aufgesessen. Der Plattformbetreiber Booking.com war dabei wenig hilfreich.

Buchen mit Booking.com

Brüssel ist groß und auch dank der zahlreichen europäischen Institutionen verfügt es über eine Vielzahl von Hotels, in denen zu übernachten überraschenderweise oft an Samstagen und Sonntagen billiger ist als während der Woche. Tourismus ist eben nicht die Haupteinnahmequelle der Vermieter und Hotels, es sind die Geschäftsreisenden.

Die Vielzahl und Vielfalt ist kaum überschaubar, daher greifen die meisten Besucher zu Plattformen wie Booking.com, weil sich dort (fast) alle Anbieter tummeln – und zähneknirschend hohe Prozente an Provision an den Vermittler abdrücken. Während Hoteliers auf dem Balkan häufig billigere Preise anbieten, wenn man bei ihnen direkt bucht, kann man darauf im Westen Europas nicht zählen – auch deshalb greifen die meisten Besucher Brüssels zum Anbieter aus Amsterdam, dessen Dienste generell als glaubwürdig, sicher und zuverlässig gelten.

Kein Wunder, dass Booking.com Ende 2022 laut Wikipedia 2,7 Millionen Einträge verzeichnete, knapp 20 Milliarden US-Dollar Umsatz machte und über 21.000 Mitarbeiter beschäftigte. Auch diverse Skandale und Leaks konnten den Aufstieg der 1996 gegründeten Firma nicht stoppen – der Bedarf ist gigantisch.

Doch in letzter Zeit mehren sich Berichte über betrügerische Angebote auf der Webseite, sogar das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor Betrugsmaschen. Der Betreiber macht dabei beim Ausmisten nicht immer eine gute Figur.

Meine eigene Erfahrung damit begann im Januar 2024, als wir eine Unterkunft für zwei Personen im Stadtzentrum Brüssels für besagte Fosdem suchten. Wir waren etwas spät dran, die Lieblingshotels bereits ausgebucht, es musste also etwas Neues her. Ein Angebot stach dabei aus der Masse hervor: 10 von 10 Punkten in der Bewertung, vermutlich neu, weil frisch eingetragen, die Fotos wie aus dem Bilderbuch für ein Apartment und der Preis angemessen.

  • Screenshot von der Apartment-Seite, ...
  • ... von der sich später herausstellen sollte, dass sie fake ist. (Screenshot: Markus Feilner) (Screenshot: Markus Feilner)
  • Das Kleingedruckte der Apartment-Seite (Screenshot: Markus Feilner)
  • Ausnahmslos volle Punktzahl sollte misstrauisch machen. (Screenshot: Markus Feilner)
  • Auszug aus dem Chat mit Anna (Quelle: Markus Feilner)
Screenshot von der Apartment-Seite, ...

Renata und Christian waren begeistert

Die "Modern Apartments Brussels Wifi" zeichneten sich aus durch annähernd perfekte Formulierungen in mehreren Sprachen, eine lange Liste an Extras und einer hohen Klassifikation in Sachen Nachhaltigkeit (Travel Sustainability: Level 3 von 3). Renata aus UK und Christian aus Australien waren begeisterte Gäste und vergaben 10 Punkte, so toll fanden sie das Angebot.

Lage? Mitten im Stadtzentrum, nahe der alten Börse, man akzeptiert Master- und Visakarten, aber keine Barzahlung. Alles scheinbar perfekt, wir buchen 112 m², für vier Tage kostet es 617 Euro, ein vernünftiger Preis für zwei in Brüssel. Alles geht klar, man teilt der Unterkunft mit, abends gegen zehn Uhr einzutreffen, fragt, wie die Schlüsselübergabe funktioniert und ob man separate Rechnungen haben könne. Ab da wurde es seltsam.

"Hallo, ich bin Anna und es freut mich sehr, dass Sie mein Apartment gewählt haben. Alle Fragen, die sie haben, können sie mir hier stellen", lautet die Antwort im Booking.com-E-Mail-Chat. Kein Bezug auf die Fragen. Smalltalk vielleicht? Ein Bot? Nun gut, die nächste Antwort lautete (Großbuchstaben wie im Original, übersetzt aus dem Englischen):

"Bitte BEACHTEN SIE, BEZAHLUNG WIRD AM TAG IHRER BUCHUNG GEMACHT!"

und weiter: "Um Ihre Reservierung zu bestätigen, müssen Sie auf diese Nachricht antworten und Ihre Reservierung bestätigen. Sollten Sie nicht binnen 24 Stunden antworten, (⏰24 Stunden), wird Ihre Reservierung gecancelt."

  • Screenshot von der Apartment-Seite, ...
  • ... von der sich später herausstellen sollte, dass sie fake ist. (Screenshot: Markus Feilner) (Screenshot: Markus Feilner)
  • Das Kleingedruckte der Apartment-Seite (Screenshot: Markus Feilner)
  • Ausnahmslos volle Punktzahl sollte misstrauisch machen. (Screenshot: Markus Feilner)
  • Auszug aus dem Chat mit Anna (Quelle: Markus Feilner)
Auszug aus dem Chat mit Anna (Quelle: Markus Feilner)

Bereits dieser Text enthielt für eine Standardantwort auffällig viele Fehler oder fragwürdige Wiederholungen. Auch die 24-Stunden-Bedingung entsprach in keinster Weise Booking.com-Standards, zumal die eigene Kreditkarte bereits zur Bestätigung benutzt und erfolgreich als Zahlungsmittel bestätigt worden war.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Dann wurde es immer seltsamer 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


m00hk00h 00:25 / Themenstart

Da muss ich tatsächlich eine Lanze für den Support von airbnb brechen, der war wirklich...

sruegamer 08. Mär 2024 / Themenstart

Richtig, dennoch ist der kurze weg manchmal einfacher

Charles... 08. Mär 2024 / Themenstart

Ich denke man darf bezweifeln, dass booking.com eine Zahlung erstattet, die an ihnen...

RolandK989 07. Mär 2024 / Themenstart

Das ist wie bei allen quasi-Monopolen: colleteral damage wird in Kauf genommen. Und warum...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz
Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss

Ein deutscher General scheint mit der sicheren Nutzung von Cisco Webex überfordert. Für deutsche Politiker ist die Lösung ein Verbot chinesischer 5G-Technologie. Wie bitte?
Ein IMHO von Achim Sawall

Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz: Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss
Artikel
  1. Ukrainekrieg: Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt
    Ukrainekrieg
    Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt

    Das ukrainische Militär hat einen Weg gefunden, die Reichweite seiner Kamikaze-Drohnen zu verdoppeln.

  2. E-Bikes und E-Scooter: Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien
    E-Bikes und E-Scooter
    Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien

    Elf Menschen sind im vergangenen Jahr in Großbritannien durch brennende Akkus von E-Bikes und E-Scootern gestorben. Nun werden Konsequenzen gefordert.

  3. Frankreich: Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen
    Frankreich
    Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen

    Gibt es in Frankreich wirklich eine weit verbreitete Bettwanzenplage? Der Regierung zufolge hat Russland das Problem "künstlich verstärkt".

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MindStar: PowerColor Hellhound RX 7900 XTX 889€, Corsair 64 GB DDR5-6000 179€ • MediaMarkt: Wochenendknaller und Android Weeks • Amazon: Notebooks im Angebot • DENON AVR-X2800H + Home 150 599€ • PS5 Slim mit Laufwerk 449€ • Corsair MM200 Extended 19,99€ • TCL 50" QLED 369€ [Werbung]
    •  /