Dann wurde es immer seltsamer
Mit jedem weiteren Schritt wurde es seltsamer. Anna fragt nach der geplanten Check-in-Zeit, die im Chat bereits zweimal genannt worden und im Booking.com-Portal eingetragen war. Außerdem bietet sie (erneut) einen kostenlosen Flughafentransfer an, wenn man denn die genauen Flugdetails übergeben würde. Sprechen wir mit einer KI? Die Antwortqualität lässt es vermuten, irgendwie reden wir aneinander vorbei.
Erst in der dritten Frage- und Antwortrunde erklärt Anna, dass der Check-in "kontaktlos" erfolge, und man einen Tag vor Ankunft die Details erfahre, in einer E-Mail mit Anweisungen und "individuellem Schlüsselcode".
Bezahlen müsse man aber schon heute, sonst sei die Reservierung futsch. Oh, und Anna akzeptiert nur Banktransfer über eine IBAN, die extra für den Kunden generiert werde, oder Crypto-Payments als "noch bequemeres Zahlungsmittel".
Erst, so Anna, nach dem Eingang der Zahlung könne man Datum und Status der Reservierung bestätigen, aber selbstverständlich würde man (unabhängig von Booking.com und unbürokratisch) den vollen Preis zurückerstatten, falls der Besucher kurzfristig verhindert sei. Sobald wir uns mit den Modalitäten einverstanden erklären, würden die Zahlungsdaten übermittelt.
Unser letzter Versuch: "Nein Danke, bitte verwenden Sie die über Booking.com zur Verfügung gestellten Zahlungsdaten (die Master-Kreditkarte)." Anna: "Oh, tut uns leid, wir nehmen keine Kreditkarte, und eine Zahlung via Booking.com ist uns nicht möglich. Aber sie können die IBAN verwenden, die wir Ihnen bald schicken."
Uns reicht es: "Oh, das ist schade, mein Arbeitgeber unterstützt Ihre Zahlungsarten nicht, Anna. Sie sollten die Angabe 'Diese Unterkunft unterstützt folgende Zahlungsmöglichkeiten: Visa, Mastercard auf Ihrem Booking.com-Angebot ändern." Was folgt, ist Stille, Anna meldet sich nicht mehr.
Reality-Check schlägt fehl
Aber es gibt ja noch die Telefonnummer des Apartments – der direkte Kontakt ist schließlich auch das, wozu die Verbraucherzentralen immer raten, sobald sich Zweifel einstellen. Komisch nur, dass hier eine Telefonnummer in Großbritannien vorliegt – hinter der sich eine Voicemail-Hotline verbirgt, bei der man "gerne eine Nachricht hinterlassen" kann, "wir rufen Sie dann zurück". Ein Rückruf erfolgt nicht.
Auch der nächste Reality-Check schlägt fehl: Der Standort der Wohnung auf der Karte bei Booking.com passt irgendwie nicht – ein Vergleich mit Google Maps, Satellite- und Street-View bestätigt, dass am angegebenen Ort ein großes, mehrstöckiges, renommiertes Hotel steht, das zwar viele Zimmer, aber offensichtlich keine derartigen Wohnungen anbietet.
Weil keine weitere Nachricht mehr von den "Modern Apartments Brussels Wifi" kam, schien für uns der Betrugsversuch eindeutig, wir stornierten die Buchung.