Betriebssysteme: Windows 11 nutzt Win32-API aus den 1990er Jahren
Obwohl Microsoft Windows 11 als modernstes und sicherstes Betriebssystem vermarktet, basiert ein erheblicher Teil der zugrunde liegenden Technologie auf Jahrzehnte altem Legacy-Code.
Mark Russinovich, Chief Technology Officer von Microsoft Azure und Gründer von Microsoft Sysinternals, veröffentlichte in einem Video auf X(öffnet im neuen Fenster) Details zur anhaltenden Relevanz veralteter Programmierschnittstellen. Ihm zufolge führt das System bei alltäglichen Aufgaben wie dem Rechtsklick auf eine Datei oder dem Starten von Desktop-Anwendungen Code aus, der bereits in den 1990er Jahren geschrieben wurde.
Im Zentrum steht dabei die Win32-API. Diese Schnittstelle wurde bereits in Windows NT implementiert und erlangte mit Windows 95 weitreichende Verbreitung. Microsoft pflegt bis heute Referenzdokumente für die Programmierung dieser API. Russinovich gab an, dass in den 1990er Jahren niemand innerhalb des Unternehmens damit gerechnet habe, dass Win32 im Jahr 2026 noch immer eine erstklassige API-Oberfläche darstellen würde. Die Erwartungen an die technologische Entwicklung für diesen Zeitraum hätten damals eher fliegende Autos oder Mondstationen vorgesehen als die dauerhafte Nutzung einer Architektur aus den Windows-95-Tagen.
Win32 als Fundament des Ökosystems
Die enorme Beständigkeit von Win32 erklärte Russinovich mit der Funktion als grundlegende Schicht innerhalb von Windows. Eine Vielzahl von Anwendungen, Technologien und ganzen Ökosystemen sei auf dieser Basis aufgebaut worden. Er bezeichnete die API als eine Art Fundament, das so tief im System verwurzelt sei, dass ein Verzicht darauf die Kompatibilität massiv gefährden würde.
In der Vergangenheit gab es laut Russinovich mehrfach Versuche, die Windows-API-Oberfläche zu erneuern und neu zu starten. Ein prominentes Beispiel ist WinRT. Diese Versuche verliefen jedoch nicht so, wie es viele Beteiligte erwartet hatten. Ein Grund dafür sei die anhaltende Trennung zwischen dem Client, Win32 und Webtechnologien wie HTML und JavaScript geblieben.
Erhalt alter Werkzeuge
Neben der Win32-API existieren auch andere Werkzeuge weiter, die vor Jahrzehnten entwickelt wurden. Dazu zählen die Sysinternals-Tools, Sysmon und ZoomIt. Die Bedeutung dieser Programme ist so groß, dass Microsoft Sysmon inzwischen direkt in Windows integriert. Trotz des Fokus auf moderne Oberflächen und Sicherheitsfunktionen bleibt die Legacy-Software damit ein unverzichtbarer Bestandteil der Windows-Architektur.
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