Betriebssysteme: Warum Microsoft nie auf Linux umsteigen wird

Die Integration von Linux in Windows fördert Spekulationen um ein zukünftiges Windows nur mit Linux-Kernel. Realistisch ist dieses Szenario aber wohl nicht.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Windows und Linux - geht das zusammen? Und wenn ja, wie?
Windows und Linux - geht das zusammen? Und wenn ja, wie? (Bild: Pixabay/Montage: Golem.de)

In den vergangenen Wochen häuften sich Mutmaßungen, dass schon der Nachfolger von Windows 10 keinen Windows-Kernel mehr mitbringen, sondern auf einem Linux-Kernel basieren könnte. Computerworld, ZD-Net, Techrepublic und das Blog von Open-Source-Promi Eric S. Raymond, auch bekannt als ESR, spekulierten munter drauflos. Doch bei näherem Hinsehen erweisen sich ihre Argumente größtenteils als haltlos und offenbaren eine veraltete Sichtweise auf Betriebssysteme an sich.

Die Punkte, die Anlass zu den Spekulationen geben und in dem Zusammenhang genannt werden, sind stets die gleichen: Microsoft verdient mit dem Cloud-Service Azure inzwischen deutlich mehr Geld als mit Windows als Betriebssystem, wobei mehr Azure-Instanzen mit Linux als mit Windows Server ausgestattet sind (Microsoft schreibt im Azure-Migrationscenter selbst von einer Aufteilung von jeweils fünfzig Prozent).

Klassische Windows-Applikationen wie Microsoft Office ersetzt die Firma inzwischen häufig durch Software-as-a-Service-Versionen aus der Cloud. Microsoft-Programme, die weiterhin benötigt werden, um auf Software in der Cloud zuzugreifen - zum Beispiel Microsoft Edge - nutzen inzwischen die Open-Source-Engine Chromium und sind auf Linux portiert und verfügbar, jedenfalls als Dev-Preview-Channel für Entwickler.

Überhaupt hat sich die gesamte Einstellung der Firma gegenüber Open Source komplett geändert. Während im Jahr 2001 der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer Linux noch als Krebs bezeichnete, gehört Microsoft heute zu den größten Kontributoren der Open-Source-Szene.

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Im Jahr 2018 kaufte man Github, stellte über das Open Invention Network mehr als 60.000 Patente für Open Source kostenlos zur Verfügung und hatte im Vergleich zu Google doppelt so viele Mitarbeiter, die sich an Open-Source-Projekten beteiligten.

Doch das Hauptargument für die These, dass Windows künftig auf Linux setzt, ist Windows Subsystem for Linux (WSL) 2 für Windows 10. WSL erlaubt es, mit wenigen Klicks nicht nur ganze Linux-Distributionen innerhalb von Windows 10 auszuführen, sondern auch einzelne Programme. WSL 1 versuchte noch, die Linux-Kernelaufrufe mit Hilfe eines Kompatibilitäts-Layers auf die Windows-API zu mappen - im Prinzip also das, was Wine für Windows-Programme auf Linux versucht. WSL 2 aber bringt dafür einen echten Linux-Kernel mit, auf dem die Programme dann laufen können.

Der Schluss, der von einigen daraus gezogen wird, ist: Windows hat jetzt einen Linux-Kernel dabei, es kann also eine softe Migration von Windows-Programmen hin zu Linux geben. Weil die Windows-10-Updates in den letzten Jahren immer wieder große Probleme machten und hastig nachgebessert werden mussten, würde es sich für Microsoft eigentlich nicht mehr lohnen, den Windows-Kernel weiter zu entwickeln, zu patchen und anderweitig zu betreuen, wenn man genauso einfach nur den kostenlosen Kernel von Linux ausliefern könnte - sobald alle eigenen Programme portiert sind. Die Windows-Version, bei der das passiert, wäre dann eine rein auf Linux basierende Windows-Version - damit wäre der Krieg der Betriebssysteme endgültig beendet - mit Linux als Gewinner -, so die Argumentation.

Sieht man sich die genannten Argumente genauer an, zeigt sich jedoch, dass sie sich entweder nicht halten lassen oder schlicht irrelevant sind.

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Warum die Spekulationen hinfällig sind 
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Dampfnudeln 13. Nov 2020

Ich hab alle möglichen großen Distros getestet und musste leider auch immer wegen großen...

Eheran 07. Nov 2020

Da steht extra "generell" und nicht "immer". generell:

Artim 06. Nov 2020

Wo sollte man das nicht erwarten? Apple hat schon immer die Prozessoren genommen, von...

Artim 05. Nov 2020

Ja, Windows 10 Enterprise kann das inzwischen. Aber dass alle Unternehmen, Behörden...

ChrisMaster 05. Nov 2020

Das waren natürlich nur aus der Luft gegriffene Zahlen um zu verdeutlichen, dass es...


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