Betriebssysteme: Linux 4.15 kommt mit Vega-Grafikkarten klar

Besitzer von AMDs neuen Vega-Grafikkarten dürfen sich freuen: Sie können mit Linux 4.15 mit dem Amdgpu-Treiber auch endlich ihren Desktop auf dem Monitor betrachten. Auch für Freesync wurde die Grundlage geschaffen. VR-Brillen lassen sich unter Linux jetzt besser nutzen.

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Unter Linux 4.15 bringen AMDs Vega-Grafikkarten endlich Bilder auf den Bildschirm.
Unter Linux 4.15 bringen AMDs Vega-Grafikkarten endlich Bilder auf den Bildschirm. (Bild: M. Zibelius/GNU Free Documentation License)

Mit einem Schwung neuer Funktionen hat Linux-Chefentwickler Linus Torvalds den ersten Release Candidate von Linux 4.15 veröffentlicht und damit die Testphase eingeläutet. Mit 1.000 Changesets mehr als im Vorgänger fallen die Änderungen ziemlich umfangreich aus. Das ist vor allem dem Patch der AMD-Entwickler geschuldet, der nach langem Hin und Her endlich Unterstützung für AMDs neue Vega-Grafikkarten mit dem freien Amdgpu-Treiber mitbringt. Und Linux kommt jetzt besser mit VR-Brillen zurecht.

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Die Programmierer bei AMD dürften jetzt erst einmal aufatmen: Linus Torvalds hat den vielfach kritisierten und überarbeiteten Code Amdgpu DC im kommenden Linux-Kernel 4.15 aufgenommen. Mit ihm lassen sich endlich die Ausgabe der aktuellen Grafikkartenreihen RX Vega 56 und 64 sowie Raven-Ridge auch auf einem Bildschirm betrachten - auch in 4K und 5K, weil zusätzlich die Unterstützung für HDMI 2.0 und DisplayPort 1.4 (DP) umgesetzt wurde.

Freesync kommt in Linux

Selbst der Ton dürfte bei den meisten AMD-Grafikkarten jetzt über HDMI und DP zu hören sein. Denn der DC-Code bringt auch Verbesserungen mit, der die älteren Grafikkarten 460, 480, 540 oder 580 von AMD nutzt. Das klappte teils auch ohne DC-Code, mit ihm können dank HDMI 2.0 aber auch 4k-Monitore mit Frequenzen von 60 Hz oder mehr angesteuert werden. Der umgebaute DC-Code greift auf die Atomic-Struktur des Kernels zu und schafft deshalb die Grundlage für AMDs Freesync, das eine dynamische Anpassung der Bildwiederholungsrate für Monitore ermöglicht.

Noch ist dafür der Kernel-Parameter amdgpu.dc=1 nötig, bis auch die letzten möglichen Fehler aus dem riesigen Patch ausgeräumt sind. Immerhin umfasst er mehr als 130.000 Codezeilen. Und die Todo-Liste der Entwickler ist längst noch nicht vollkommen abgearbeitet. Deshalb hat der zuständige Kernel-Hacker David Arlie den DC-Code auch gesondert eingereicht. Denn es gibt weitere Änderungen am Amdgpu-Treiber, die im Falle einer erneuten Ablehnung dennoch in den neuen Linux-Kernel aufgenommen worden wären, darunter auch der verbesserte Umgang mit Interrupts und Fehlern. Damit soll CPU- und Speicherlast reduziert werden.

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Dazu gehören vor allem Verbesserungen beim Einsatz von VR-Brillen unter Linux. Zum einen gibt es das sogenannte DRM_Object Lease Infrastructure, mit dem VR-Software eine teilweise direkte Kontrolle über Grafikkarten erhalten statt den Umweg über den Xserver zu nehmen. Darüber hinaus werden die Bildschirme in VR-Brillen als Non Desktop Displays eingestuft und so nicht automatisch von Desktops im Mehrfachbildschirmbetrieb konfiguriert. Von den Steam-Entwicklern gibt es noch Code, der bestimmte Aufgaben der VR-Software priorisieren kann. Das soll vor allem die Verzögerungen vermeiden, die Schwindel bei der Verwendung von VR-Brillen auslösen können. Die Prioritäten können Entwickler über die Vulkan-Erweiterung VK_EXT_global_prority in Mesa 17.3 setzen.

Die erweiterte Speicherverwaltung Hugepages gibt es bereits seit Jahren im Linux-Kernel. Jetzt haben die Entwickler der Treiber für Intels eingebettete Grafikeinheiten und Nouveau für Grafikchips von Nvidia dort jeweils die Unterstützung für Hugepages eingebaut. Der Intel-Treiber unterstützt darüber hinaus die aktuelle Intel-Prozessoren der Core-i-8000-Generation alias Coffee Lake ohne den Umweg des bisher benötigten Kernel-Parameters i915.alpha_support=1.

Bessere Unterstützung für Prozessoren

Der Nouveau-Treiber bringt neben grundlegenden Optimierungen auch die Unterstützung für die Temperaturüberwachung bei Nvidias Pascal-Chips mit. Verbesserungen gab es auch beim Grafiktreiber VC4 für den Raspberry Pi, er kann Puffer im Zwischenspeicher verwerfen, wenn der Arbeitsspeicher droht, knapp zu werden. Außerdem gibt es jetzt einen Treiber für das 7-Zoll-Touchscreen, den die Raspberry Pi Foundation selbst bewirbt.

Für AMDs neue Zen-Prozessoren gibt es jetzt eine funktionierende Temperaturüberwachung. Darüber hinaus wurde die Unterstützung der Speicherverwaltung NUMA (Non-Uniform Memory Access) in EPYC-Prozessoren von AMD verbessert sowie die Unterstützung für AMDs Verschlüsselungstechnik Secure Encrypted Virtualization (SEV) für virtuelle Maschinen aktiviert. Die Linux-eigene virtuelle Maschine KVM wird SEV allerdings erst im nächsten Linux 4.16 nutzen können.

Präzisere CPU-Taktraten

Besitzer eines Skylake-X-Prozessors von Intel können jetzt auch unter Linux von Turbo Boost Max 3.0 Gebrauch machen und die CPUs ganz offiziell übertakten. Für Haswell-CPUs gibt es Verbesserungen an der Energieverwaltung der SATA-Schnittstelle, die die Akku-Laufzeit auf Laptops mit besagten Prozessoren verlängern sollen. Die in Linux 4.13 eingeführten und in Linux 4.14 wieder zurückgenommenen Änderungen am Auslesen der aktuellen Taktrate von CPUs in /proc/cpuinfo sind in Linux 4.15 wieder aktiviert, nachdem der Code verbessert wurde und nun weniger Systemlast verursacht. Zudem wurden erste Patches für die Unterstützung für die neuen RISC-V-Prozessoren aufgenommen.

Diese und weitere Neuerungen in Linux 4.15 können im aktuellen Release Candidate getestet werden, der auf kernel.org erhältlich ist. Läuft alles nach Plan, wird die finale Version von Linux 4.15 Mitte Januar 2018 veröffentlicht werden.

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