Betriebssystem: Unix-Pionierin Lorinda Cherry ist tot

Die Informatikerin Lorinda Cherry kam aus Langeweile zu den Bell Labs, noch bevor C erfunden wurde. Die Entwicklerin von Unix-Text-Werkzeugen ist nun gestorben.

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Lorinda Cherry in einer Dokumentation über das Unix-System in den 80er Jahren
Lorinda Cherry in einer Dokumentation über das Unix-System in den 80er Jahren (Bild: AT&T Archives and History Center)

Die Mathematikerin und Entwicklerin Lorinda Cherry, die bereits sehr früh an der Entwicklung des originalen Unix-Betriebssystems mitgewirkt hat, ist gestorben. Das berichten Weggefährten von Cherry auf der Mailingliste der Unix Heritage Society (TUHS), die sich der Pflege der Erinnerung und Geschichte des Unix-Betriebssystems verschrieben hat.

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Zu diesen Ursprüngen hat Cherry ihren Teil beigetragen. Nach ihrem Masterabschluss in Informatik im Jahr 1969 arbeitete Cherry zunächst einige Jahre als Fortran-Programmiererin. Sie sei davon aber gelangweilt gewesen, heißt es in einem Porträt des National Center for Women & Information Technology (NCWIT) über Cherry.

Sie wechselte den Job und landete letztlich bei den legendären Bell Labs, wo Unix erfunden wurde und bei denen sie jahrelang in dem originalen Forschungsteam arbeitete. Zu dieser Zeit zu Beginn der 70er Jahre war Unix noch nicht in der Sprache C geschrieben.

Rechenprogramme und Textsatzsysteme

Bekannt ist Cherry vor allem für ihre Arbeit mit Bob Morris an dem Rechenprogramm dc (Desk Calculator) sowie später an der darauf aufbauenden Programmiersprache und Umgebung für numerische Berechnungen bc (Basic Calculator).

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Gemeinsam mit dem Unix-Pionier Brian Kernighan entwickelte Cherry eqn (Equation). Dieses Textsatzprogramm ermöglicht die Darstellung mathematischer Formeln. Die inzwischen deutlich weiter verbreiteten Tex und Latex bauen syntaktisch auf der Idee von eqn auf. Cherry erstellte außerdem ein Renderingprogramm, um die für Lichtsatzsysteme erstellten Kopien auch auf Röhrenmonitoren darstellen zu können.

Darüber hinaus erstellte Cherry zahlreiche Statistikprogramme zur Analyse von Text, die letztlich in der wohl ersten umfänglichen Grammatiküberprüfung für Unix landeten: Writer's Workbench. Das Programm war schnell an US-Universitäten beliebt, die auf Unix setzten, und enthält bereits eine Routine, die auf sexistische Wortwahl aufmerksam machte und Alternativen dazu vorschlug.

Eine von wenigen Frauen am Unix-Anfang

Im Jahr 2018 erhielt Cherry gemeinsam mit Evi Nemeth, die Unix-Administrations-Handbücher schrieb, den Pioneer in Tech Award der NCWIT. Zu diesem Anlass schrieb Douglas McIlroy, der Erfinder der Pipes und Filter in Unix, eine Würdigung von Cherrys Arbeit, die er nun auf der Mailingliste wiederholt. McIlroy weist darin auch auf die Ungerechtigkeiten hin, die Cherry widerfahren sind.

So sei sie bei den Bell Labs zunächst nur als Lehrassistenz angestellt worden, nicht als technische Angestellte wie ihre männlichen Kollegen. Auch eine mögliche Hinterbliebenenrente für männliche Partner der weiblichen Angestellten bei den Bell Labs sollte diesen zunächst verwehrt bleiben. Die Personalabteilung schickte Cherry zwar versehentlich eine entsprechende Vertragsnotiz dazu, forderte Cherry aber auf, diese zurückzugeben, was die Entwicklerin wiederum verweigerte.

McIlroy schreibt noch, der Begriff Pionierin sei passend, um Cherry zu beschreiben. Sie blieb der Entwicklung von Unix bis hin zu Plan 9 treu und hat die Bell Labs erst im Jahr 1994 verlassen.

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non_sense 17. Feb 2022

Unix war doch nie ein wirklich freies Betriebssystem. Auch da standen kommerzielle...

rainer_d 16. Feb 2022

Dann hat sie den Award wohl leider nur posthum bekommen. Das Unix System...



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