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Betriebssystem: Russland will von Windows auf Linux wechseln

Für öffentliche IT-Aufträge in Russland soll künftig Linux statt Windows bevorzugt werden. Zahlreiche Systeme müssten dafür neu geschrieben werden.

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In Russland soll bald überall Linux in der Verwaltung laufen. (Bild: ALEXANDER NEMENOV/AFP via Getty Images)

Das russische Ministerium für digitale Entwicklung bereitet offenbar weitgehende Änderungen in Bezug auf die bisherige Vergabepraxis für öffentliche IT-Aufträge vor. Das berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf das Ministerium. Dieses habe die Pläne bestätigt und erarbeite derzeit entsprechende Anforderungen. Sollte dies umgesetzt werden, könnte Russland damit eine schon länger anhaltende Strategie zur Abkehr von ausländischen Softwareprodukten umsetzen und stattdessen auf Linux setzen. Das dürfte aber nur mit großen Anstrengungen wirklich erreichbar sein.

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Konkret geplant ist demnach, dass IT-Anbieter und Dienstleister ihre Lösungen künftig auch für Linux-Systeme bereitstellen müssen, wenn sie weiter im Register zur öffentlichen Auftragsvergabe geführt werden wollen. Mit dieser Auflistung einher geht nicht nur die Bevorzugung bei öffentlichen Aufträgen, die Unternehmen erhalten darüber hinaus Vergünstigungen auf die Gewerbe- und Körperschaftssteuern sowie zu zahlende Versicherungsbeiträge. Zudem wird die Umsatzsteuer komplett erlassen. Das Register umfasst derzeit etwa 4.400 Unternehmen und 13.900 Produkte und Angebote.

Die russische Verwaltung arbeitet bereits länger daran, sich unabhängiger von ausländischen Produkten zu machen, allen voran Windows. Ein bereits 2019 verabschiedetes Gesetz zwingt PC-Hersteller im Land etwa zu einer Vorinstallation russischer Software. Vielfach sind moderne Windows-Systeme auch gar nicht zugelassen, weshalb teils noch auf Windows XP gesetzt werden muss, das die Verwaltungen schon vor drei Jahren gegen Linux austauschen wollten. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet der russische Linux-Distributor Astra Group offenbar auch an einem Exchange-Ersatz. Auf dem Smartphone-Markt versucht Russland seit Jahren mit einer eigenen Variante von Sailfish OS einen Ersatz für Android und iOS zu etablieren. Russland setzt auch schon lange auf eigene kryptografische Algorithmen, die jedoch manipuliert sein könnten.

Probleme mit Software und Hardware wegen Sanktionen und Krieg

Ob die nun angekündigten Pläne nur eine Weiterführung dieser Arbeiten sind oder eine direkte Folge der Sanktionen gegen Russland nach dessen Angriffskrieg auf die Ukraine, lässt sich nur schwer einschätzen. Leichter wird die Arbeit mit internationalen IT-Dienstleistern wegen der Sanktionen aber sicher nicht. So musste etwa Github seine Dienste für russische Unternehmen einstellen. Der Angriffskrieg führte auch zu einem massiven IT-Fachkräftemängel, der unter anderem durch Remote-Arbeit von Gefängnisinsassen mit IT-Kenntnissen verringert werden soll. Der Ersatz sämtlicher Windows-Technik und ausländischer Software ist wohl aber auch ohne den Fachkräftemängel ein riesiges Problem und dürfte Jahre dauern. Immerhin müsse dafür Software wahrscheinlich komplett neu geschrieben werden, berichtete Kommersant.

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Mittelfristig dürfte Russland außerdem Schwierigkeiten mit seiner Hardware bekommen. So beteiligt sich Taiwan an den Sanktionen und schränkte den Export von CPUs und Technik zur Halbleiterfertigung massiv ein. Auch die ARM-Lizenzen verlor Russland. Für aktuelle Geräte könnten damit bald Ersatzteile knapp werden und eigene Entwicklungen auf Grundlage von ARM müssten eingestellt werden. Alternativ dazu setzt Russland auf eigene Designs auf Grundlage von RISC-V und für die Elbrus-CPU-Serie auf eine VLIW-Architektur mit eigenem Befehlssatz. Doch die eigene Chipproduktion dürfte wenig konkurrenzfähig sein. Erst Ende 2022 soll eine eigene 90-nm-Produktion in Betrieb gehen, bis 2030 sollen 28 nm erreicht werden.