Betriebssystem: MacOS Tahoe ignoriert Apples eigene Design-Regeln

Software-Ingenieur Nikita Prokopov hat in seinem Blog aufgezeigt(öffnet im neuen Fenster) , dass MacOS Tahoes Interface-Design gegen Prinzipien verstößt, die Apple 1992 in den Macintosh Human Interface Guidelines selbst formuliert hat. Im Zentrum der Kritik steht die übermäßige Verwendung von Icons in Anwendungsmenüs.
Die damaligen Richtlinien zeigten einen direkten Vergleich: Auf der einen Seite ein mit Icons überladenes Menü, das Apple als schlechtes Design kennzeichnete. Auf der anderen Seite die empfohlene Variante mit minimaler Ikonografie. Prokopov demonstriert, wie aktuelle Tahoe-Menüs genau dem Muster folgen, das Apple einst als problematisch einstufte.
Icon-Inflation verschlechtert Übersicht
Prokopov argumentiert, dass trotz deutlich verbesserter Bildschirmauflösungen seit den frühen 1990er-Jahren das grundlegende Prinzip hinter der Icon-Nutzung weiterhin Gültigkeit besitzt. Die Übersättigung mit Icons reduziere deren Wirksamkeit, statt die Bedienbarkeit zu verbessern.
Der Software-Ingenieur erklärt in seinem Blogbeitrag: Icons erfüllen ihren Zweck am besten, wenn sie Nutzern helfen, Funktionen schneller zu finden. Wenn jedoch jeder Menüpunkt ein Icon erhält, geht die visuelle Differenzierung verloren, die Icons erst nützlich macht. Als potenziell effektivere Methode verweist er auf Microsofts frühen Ansatz, der Icons für häufig genutzte Funktionen reservierte.
Inkonsistenz verschärft das Problem
Die Kritik geht jedoch über die reine Icon-Menge hinaus. Prokopov dokumentierte Fälle, in denen Apple unterschiedliche Icons für identische Funktionen in verschiedenen Anwendungen verwendet. Die Neu-Funktion etwa erscheint je nach App mit fünf verschiedenen Icon-Designs.
Zusätzlich gibt es Fälle, bei denen identische Icons unterschiedliche Funktionen in separaten Anwendungen darstellen. Das Icon zum Erstellen einer neuen Notiz in der Notizen-App entspricht dem Icon zum Bearbeiten einer Adresse in der Kontakte-App – was Verwirrung bei Nutzern auslösen kann.
Prokopovs Blogbeitrag enthält zahlreiche visuelle Beispiele dieser Muster. Er bietet auch Alternativansätze an, darunter reduzierte Icon-Nutzung und Farbcodierungssysteme zur Verbesserung der Menü-Klarheit.