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Betriebsratssitzung aufgenommen?: Staatsanwaltschaft ermittelt nach Tesla-Strafanzeige

Im Tesla-Werk in Grünheide soll ein IG-Metall-Vertreter eine Betriebsratssitzung aufgezeichnet haben. Die Gewerkschaft bestreitet dies.
/ Ingo Pakalski
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Die IG Metall kämpft für eine stärkere Beteiligung im Betriebsrat im Tesla-Werk in Grünheide. (Bild: IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen)
Die IG Metall kämpft für eine stärkere Beteiligung im Betriebsrat im Tesla-Werk in Grünheide. Bild: IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder hat gegen einen IG-Metall-Vertreter ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz eingeleitet. Die Ermittlungen wurden am 10. Februar 2026 eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft am Wochenende(öffnet im neuen Fenster) mitteilte.

"Ihm wird vorgeworfen, in einer Betriebsratssitzung am 10. Februar 2026 im Tesla-Werk in Grünheide mittels eines Laptops heimlich eine Tonaufnahme angefertigt zu haben" , heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungsbehörden haben nach eigenen Angaben eine für die Auswertung des Notebooks notwendige Datensicherung des Geräts veranlasst.

Die IG Metall wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme umgehend zurück : "Diese Behauptung ist eine ebenso dreiste wie kalkulierte Lüge." Nach Schilderung der Gewerkschaft sei die Betriebsratssitzung unterbrochen und der Werkschutz sowie die Polizei gerufen worden, die das Notebook beschlagnahmt habe. Die Gewerkschaft kritisiert, dass dem IG-Metall-Vertreter keine Möglichkeit gegeben worden sei, die Vorwürfe zu entkräften.

Streit zwischen Tesla und der IG Metall

Als Tesla-Arbeiter den IG-Metall-Vertreter vor die Tür begleitet hätten, habe dort bereits ein von Tesla bestellter Kameramann gewartet, heißt es von der Gewerkschaft. IG-Metallsekretär Markus Sievers erklärte Golem, dass die Polizei die Notebook-Daten auswerten könne, um sich davon zu überzeugen, dass keine Aufnahme der Sitzung auf dem Notebook gemacht worden sei.

Wenige Stunden nach dem Vorfall soll Tesla-Werksleiter André Thierig eine E-Mail an alle Beschäftigten im Werk verschickt haben. Darin gibt er an, ein Gewerkschaftssekretär der IG Metall habe die Betriebsratssitzung aufgezeichnet und damit eine Straftat begangen.

Der Tesla-Werksleiter reagierte auf die Schilderungen der Gewerkschaft und sagte, er halte es für mehr als fragwürdig, die Situation als unwahr oder durch die Geschäftsleitung als inszeniert darzustellen. "Schließlich gab es mehrere Dutzend Zeugen, vor denen der IG-Metall-Vertreter geäußert hat, dass er angeblich vergessen habe, sein Mikrofon abzustellen" , so Thierig.

"Mit fingierten Vorwürfen Wahlen zu beeinflussen, erinnert uns an das Vorgehen autoritärer Regime" , erklärte hingegen Jan Otto, Leiter des IG Metall Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen. Er ist sich sicher, dass die Ermittlungsbehörden "nichts finden" werden. Die Gewerkschaft wolle "rechtlich gegen die Verantwortlichen für diese Schmutzkampagne" vorgehen.

Bei Tesla in Grünheide wird ein neuer Betriebsrat gewählt

Anfang März 2026 wählen rund 10.700 Arbeiter und Angestellte in der Tesla-Fabrik in Grünheide einen neuen Betriebsrat. Über zehn Listen stehen zur Wahl. Die IG-Metall-Liste ist mit 16 Sitzen derzeit die größte im Betriebsrat, die Führung liegt jedoch bei vier anderen Listen, die laut Kritikern der Geschäftsleitung nahestehen.

Thierig und Tesla-Chef Elon Musk sind für ihre gewerkschaftsfeindliche Haltung bekannt. Der Tesla-Werksleiter lehnte einen Tarifvertrag für die Beschäftigten im Werk in Grünheide im Dezember 2025 kategorisch ab ; die IG Metall drängt auf einen Tarifvertrag. Zuvor drohte Thierig bei einer internen Veranstaltung indirekt damit, dass das Unternehmen weniger investieren werde, falls die IG Metall bei der bevorstehenden Betriebsratswahl eine Mehrheit erzielen sollte .


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