Betrieb soll weiterlaufen: Insolventer Flugtaxihersteller Volocopter sucht Investoren

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens von Volocopter hat das Amtsgericht Karlsruhe Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, erklärte Volocopter(öffnet im neuen Fenster) , das im badischen Bruchsal sitzt.
Der Anwalt gab bekannt, bis Ende Februar 2025 ein Sanierungskonzept entwickeln und mit Investoren umsetzen zu wollen. "Das Unternehmen benötigt jetzt eine Finanzierung, die es ermöglicht, die letzten Schritte zum Markteintritt zu gehen."
Volocopter(öffnet im neuen Fenster) fehlt noch eine Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa), um mit den senkrecht startenden vollelektrischen Fluggeräten Passagiere befördern zu dürfen. Die Firma geht trotz des am zweiten Weihnachtstag angemeldeten Insolvenzverfahrens davon aus, dass diese im neuen Jahr kommt und es dann losgehen kann.
Volocopter gibt sich optimistisch
"Wir sind sowohl technologisch als auch bei der Flugerfahrung sowie im Zertifizierungsprozess im nationalen und internationalen Wettbewerb ganz weit vorne" , sagte Volocopter-Chef Dirk Hoke, der das Unternehmen Ende Februar 2025 verlassen wird.
"Der Geschäftsbetrieb läuft weiter" , teilte eine Sprecherin mit. "Ziel ist ein Erhalt der Arbeitsplätze und das Insolvenzverfahren zu nutzen, um Volocopter zu sanieren und nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen." Unter Hoke sei die Zahl der Mitarbeiter von rund 700 auf derzeit 500 gesenkt worden.
Erst Mitte November 2024 hatte Volocopter Oliver Vogelgesang zum Finanzchef gemacht. Er kam vom ebenfalls insolventen Elektroflugzeug-Pionier Lilium aus Bayern.
Lilium-Rettung zu Heiligabend
Lilium teilte erst Heiligabend mit, das Investorenkonsortium Mobile Uplift Corporation übernehme den Betrieb . 750 Mitarbeiter, denen wenige Tage vor Weihnachten gekündigt worden war, sollten einem Sprecher zufolge zurückgeholt werden. Anders als bei Volocopter läuft das Insolvenzverfahren dort in Eigenverwaltung.
Die CSU-Politikerin Dorothee Bär hatte die Flugtaxibranche mit einem Interview vor einigen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Doch so richtig zum Laufen kam der Industriezweig in Deutschland nicht. Lilium und Volocopter hatten in der Vergangenheit immer wieder finanzielle Unterstützung gesucht.
Staatliche Hilfen waren immer wieder im Gespräch
Staatliche Hilfe aus Baden-Württemberg und Bayern blieb aus, auch wenn solche finanziellen Unterstützungen im Laufe des Jahres samt Wechsel des Volocopter-Hauptsitzes nach Bayern immer wieder im Gespräch war. Zuletzt war es um je 50 Millionen Euro vom Bund und Bayern gegangen. Das Geld kam dann am Ende von Investoren.
Vor einem Monat berichtete Bloomberg, dass der chinesische Mischkonzern Geely an der Übernahme des Flugtaxi-Start-ups Volocopter interessiert sei . Volocopter wollte sich damals dazu nicht inhaltlich äußern.
Nun heißt es in der Erklärung, in der Vergangenheit hätten zahlreiche Finanzierungsrunden die Entwicklung und den Betrieb vorangetrieben. Bis vor kurzem habe Volocopter so in einem äußert schwierigen Finanzumfeld bestanden. "Trotz intensiver Bemühungen ist es dennoch nicht gelungen, eine tragfähige Lösung zu finden, um den regulären Betrieb außerhalb eines Insolvenzverfahrens der Volocopter GmbH aufrechtzuerhalten."
Volocopter-Chef kritisiert die Politik
Hoke hatte die Politik nach den ausgebliebenen Hilfen kritisiert und ihr mangelnde Unterstützung vorgeworfen: "Natürlich richtet man in einer derart technologisch komplexen und kapitalintensiven Branche wie unserer auch den Blick in Richtung des Staates" , sagte er dem Wirtschaftsmagazin Capital.
Dass der CEO im Frühjahr 2025 ausscheidet, hat mit der Insolvenz allerdings nichts zu tun und ist schon länger bekannt. Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche soll als Beiratsvorsitzender einen Nachfolger suchen.
Eigentlich hatte Volocopter während der Olympischen Spiele in Paris Menschen fliegen wollen. Auch wenn dem Unternehmen noch die Erlaubnis zum kommerziellen Passagierbetrieb fehlt, sind die Flugtaxis dennoch zu sehen. So gab es in Paris Show-Flüge unter anderem in der Nähe von Schloss Versailles und regelmäßige Testflüge. Auch Piloten darf Volocopter ausbilden.
Kritik an urbaner Luftmobilität
Das Start-up hat Städte wie Rom und Osaka auf der Agenda. Regelmäßige Flüge in Deutschland haben indes keine Priorität, weil die Städte hierzulande den Angaben nach nicht so groß und dicht besiedelt sind. Zudem hätten sie autarke Nahverkehrsnetze. In Deutschland arbeitet Volocopter mit der ADAC-Luftrettung zusammen, um etwa den Einsatz für Rettungszwecke zu erproben.
Die modernen Fluggeräte sind nicht unumstritten, die als nachhaltig und leise beworben werden: Eine Analyse des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ergab im September 2024, dass sich Reisezeiten kaum verkürzten, während die Kosten und im Vergleich zu E-Autos auch die CO 2 -Emissionen stiegen . "Nützlich kann urbane Luftmobilität vor allem bei Notfalleinsätzen sowie zum Anbinden entlegener Regionen sein."