Besuch in Teslas Gigafactory Grünheide: Vor der Hochzeit kommt Godzilla
Als wir uns das erste Mal das Gelände der Gigafactory in Grünheide angeschaut haben, war noch kein einziger Baum in dem Kiefernforst gefällt. Mehr als sechs Jahre später ist das Tesla-Areal an der Autobahnausfahrt Freienbrink nicht mehr wiederzuerkennen. Und wir bekommen das erste Mal die Gelegenheit, uns die Fabrik von innen anzusehen.
Die Tesla-Fabrik in Brandenburg hat in den wenigen Jahren ihres Bestehens schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es gab und gibt weiterhin Proteste von Anwohnern, überzogene Ausbauversprechen von Elon Musk, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung und einen starken Einbruch der Verkaufszahlen durch Musks politische Eskapaden.
Spekulationen über Fabrikschließung
Zwischenzeitlich gab es sogar Spekulationen darüber, dass die Fabrik dicht gemacht werden könnte, falls die IG Metall die Betriebsratswahlen gewinnt. Inwieweit diese Befürchtungen den Ausgang der Betriebsratswahl beeinflusst haben, ist schwer einzuschätzen. Am Ende gewannen unternehmensfreundliche Listen, die den Kurs der Geschäftsführung unterstützen.
Zwar sind Musks politische Aktivitäten nach seinem Ausscheiden aus der US-Behörde und seinem zwischenzeitlichen Zerwürfnis mit US-Präsident Donald Trump weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch noch immer reicht ein Blick auf seine tagtäglichen Beiträge auf X, um festzustellen, dass seine frauen- und ausländerfeindlichen Positionen unverändert Bestand haben. Es gibt daher weiterhin genügend Gründe, seine Unternehmen nicht zu unterstützen.
Tesla Model Y – das meistgekaufte Privatauto
Dennoch erholten sich die Tesla-Verkaufszahlen vor allem im März 2026 wieder deutlich. Das in Grünheide produzierte Model Y war das beliebteste Elektroauto in Deutschland. Einer Auswertung des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) zufolge war das SUV in den Monaten Januar bis März 2026 sogar der beliebteste Neuwagen bei privaten Käufern. Noch vor dem Skoda Elroq und dem VW Golf.
Nach Angaben von Werksleiter André Thierig soll die Zahl der Mitarbeiter daher kurzfristig aufgestockt werden. "Bis Ende Juni wollen wir circa 1.000 neue Mitarbeiter hier an Bord haben. Dann erhöhen wir im Juli die Produktion um circa 20 Prozent auf gut 6.000 Einheiten pro Woche in einem ersten Schritt", sagte Thierig der Nachrichtenagentur dpa. Im ersten Quartal habe die Fabrik mit mehr als 61.000 Fahrzeugen einen neuen Produktionsrekord aufgestellt.
Hochgerechnet auf das ganze Jahr ergäbe das eine Produktion von 250.000 Fahrzeugen. Das ist immer noch weit von der Produktionskapazität von 500.000 Fahrzeugen entfernt. Zwischenzeitlich reduzierte Tesla die Zahl der Mitarbeiter in Grünheide von rund 12.400 auf 10.700. Die Fabrik liegt damit hinter den ursprünglichen Ausbauzielen von 22.500 Mitarbeitern deutlich zurück.
Beim Rundgang durch die Hallen fällt auf, dass von den mehr als 10.000 Mitarbeitern nur wenige zu sehen sind.
Viele Roboter, wenige Mitarbeiter
Ebenso wie andere Autofabriken ist auch die Gigafactory in Grünheide weitgehend automatisiert. Ein Kuka-Roboter, geschützt hinter hohen Gittern, reiht sich neben den anderen. Die Menschen sind vor allem dazu da, den reibungslosen Ablauf der Produktion und die Qualität der einzelnen Schritte zu überwachen. So werden 800 Roboter von 200 Mitarbeitern bedient. Eine "dunkle Fabrik", wie es sie in China mangels menschlicher Arbeitskräfte schon gibt, ist Grünheide jedoch noch lange nicht.
Tesla strebt an, möglichst viele Fahrzeugteile in Grünheide selbst herzustellen. Das fängt mit dem komplexen Druckgussteil für den hinteren Unterboden an, das von der Vigel Giga Bi 1600(öffnet im neuen Fenster) gefertigt wird. Zudem stellt das Presswerk die erforderlichen 15 gepressten Karosserieteile für das Model Y her.
Pressteile aus der Vorproduktion
In der Fabrik fällt auf, dass sich die vorgefertigten Pressteile in langen Reihen in ihren Transportbehältern stapeln. Das liegt daran, dass jeden Tag jeweils ein anderes Teil vorproduziert wird. Dann werden die Werkzeuge wieder gewechselt, was ein aufwendiger Prozess ist. Eine zweite Pressstraße fehlt noch. Sie würde wohl erst bei der vollen Produktionskapazität benötigt.
Nach dem Zusammenschweißen und -nieten der Karosserie hebt der größte Roboter, Godzilla genannt, das Chassis auf eine höhere Ebene, wo es die Fahrt in die Lackiererei antreten kann. Nach der Tauchlackierung und dem Auftragen von fünf Lackschichten müssen Mitarbeiter das Ergebnis genau kontrollieren. Unsaubere Ergebnisse werden bisweilen mit den Fingerspitzen überprüft. Kaum vorstellbar, wie das künftig von einem humanoiden Roboter wie Teslas Optimus übernommen werden soll.
Qualitätskontrolle im Lichttunnel
Einsatzmöglichkeiten für Kollege Roboter dürfte es am ehesten in der Endmontage geben. Dort sind pro Schicht mit 1.000 Mitarbeitern noch die meisten Menschen beschäftigt. Die Gigafabrik verfügt über fünf Haupt- und etliche Nebenlinien. Auf ihnen werden beispielsweise Komponenten wie Türen und Sitze produziert.
Wie in jeder Autofabrik gibt es auch in Grünheide die sogenannte Hochzeit, bei der Karosserie und Fahrwerk inklusive Batterie zusammengeführt werden. Es gibt 289 Arbeitsstationen in der Endmontage. Die bekannteste davon dürfte der sogenannte Lichttunnel sein, in dem die abschließende Qualitätskontrolle stattfindet. In Grünheide werden die fertigen Model Y noch von Mitarbeitern aus dem Werk gefahren. Künftig sollen die Autos das autonom erledigen.
Anders als von Musk ursprünglich angekündigt, gibt es in Grünheide weiterhin keine Zellproduktion. Das Projekt wurde gestoppt, nachdem der damalige US-Präsident Joe Biden die staatliche Förderung von E-Autos mit der Batteriezellproduktion in den USA verknüpft hatte. Weil sein Nachfolger Trump die Förderung inzwischen beendete, spielt das keine Rolle mehr.
Zellproduktion soll 2027 beginnen
Daher könnte die Produktion im kommenden Jahr starten. Tesla habe mit der Suche nach mehreren Hundert neuen Beschäftigten für die Batteriezellfertigung begonnen, teilte das Unternehmen der dpa mit. Für die bisherigen Mitarbeiter wäre das sicherlich ein Signal, dass der Bestand der Fabrik derzeit nicht gefährdet ist.
Allerdings ist unklar, welche Produkte künftig in Grünheide produziert werden sollen. Musk setzt weiterhin voll auf KI und autonome Autos. In der texanischen Gigafabrik startete bereits die Produktion des Robotaxis Cybercab. Die Massenproduktion des Cybercab und des Tesla-Lkw Semi soll laut Quartalsbericht(öffnet im neuen Fenster) (PDF) noch in diesem Jahr starten.
Mit seinem Krieg gegen den Iran hat US-Präsident Trump wohl unfreiwillig dazu beigetragen, das Interesse an E-Mobilität zu forcieren. Er wird in diesem Jahr daher eher die Auszeichnung zum Mitarbeiter des Jahres in Grünheide als den Friedensnobelpreis bekommen.
- Anzeige Hier geht es zu The Apprentice - The Trump Story bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

