Bestattung im Weltall: "Der Mond ist kein Friedhof"
Der US-Wissenschaftsautor und Dichter Christopher Cokinos(öffnet im neuen Fenster) geht in einem Beitrag auf spacenews.com(öffnet im neuen Fenster) der Frage nach, ob der Mond als Friedhof genutzt werden soll. Anlass dafür war die Peregrine-Mission von Astrobotic , bei der die zwei Weltraumbestatter Celestis(öffnet im neuen Fenster) und Elysium Space(öffnet im neuen Fenster) die Asche von 70 Menschen und einem Hund zum Mond bringen wollten.
Letztendlich erreichte die Landefähre den Mond nicht und verglühte stattdessen in der Erdatmosphäre.
Als bekannt wurde, dass eine kommerzielle Landefähre menschliche Überreste an Bord hatte, erregte dies vor allem den Ärger der Diné. Das Volk der Navajo und andere Kulturen betrachten den Mond als heilig.
Charles Chafer, der CEO von Celestis, äußerte sich dazu im Januar 2024(öffnet im neuen Fenster) : "Ehrlich gesagt respektieren wir zwar jedermanns Überzeugungen, aber wir halten die Bedenken [der Diné] nicht für zwingend." Das private Unternehmen Celestis will die Asche seiner Kunden zum Mond schicken, und zwar ab einem Preis von 12.995 Dollar (etwa 12.100 Euro).
Nicht die ersten menschlichen Überreste im All
Bereits in den 1990er-Jahren kam es zu einer ähnlichen Situation. Damals hatte ein Raumschiff der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Asche des Pioniers der Mondforschung, Eugene Shoemaker, an Bord. Daraufhin entschuldigte sich die Behörde und versprach, sich in Zukunft in dieser Angelegenheit zu beraten – was, wie man an der Peregrine-Mission sieht, nicht geschah.
Zunächst einmal gehöre der Mond niemandem persönlich, sondern grundsätzlich allen Erdenbürgern, erklärt Cokinos. Zwar verbietet der Weltraumvertrag die Hinterlegung von Aschenresten nicht direkt. Doch spätestens seit der Entdeckung von Wassereis in den dunklen Kratern des Mondsüdpols wurde ein internationales Gespräch über die Achtung des Mondes und den Umgang mit ihm angestoßen.
Entsprechend ist die Überführung von Leichen auf einen Himmelskörper laut Cokinos Ansicht keine Privatangelegenheit, die von solchen Diensteanbietern geregelt werden sollte. Der Besitzanspruch des Mondes ist nicht nur vertraglich geregelt; der Trabant selbst ist ein wichtiges menschliches Symbol und wissenschaftliches Archiv.
Der Blickwinkel eines Diné-Doktoranden
In der Fachzeitschrift Nature schrieb Alvin Harvey(öffnet im neuen Fenster) , der Diné-Doktorand der Luft- und Raumfahrt am MIT (Massachusetts Institute of Technology): "Die Verbindung von indigener und westlicher Wissenschaft könnte bei der Lösung von Problemen helfen und zur Entwicklung von Strategien und innovativen Ansätzen führen, die unseren gemeinsamen Mond schützen und feiern."
Cokinos hatte mit Harvey zuvor bereits über die Angelegenheit gesprochen. Besonders junge indigene Menschen stehen der Arbeit der US-Raumfahrtbehörde Nasa positiv gegenüber: "Sie lieben den Weltraum. Sie lieben die Vorstellung, dass sie davon träumen und dorthin reisen können." Er glaubt zudem, dass "der Kosmos, die Sterne, der Mond" die gesamte Menschheit, vor allem die Ureinwohner, verbinden. Es sind Orte, an die die verstorbenen Ureinwohner in ihrer Vorstellung an den Tod reisen.
Nutzung des Mondes: Wo sind die Grenzen?
Die Frage der Nutzung des Mondes sei auch moralischer Natur, sagt Cokinos: "Eine ablehnende Haltung gegenüber den Bedenken einer Kultur – oder einer Nation – ist kein gutes Zeichen für einen sorgfältigen, rücksichtsvollen Umgang mit dem Mond" , schreibt er in seinem Beitrag.
Zudem regt er an, über Grenzen für die Nutzung des Mondes nachzudenken: Was ist mit dem Anlegen eines Mondfriedhofs? Oder mit Werbung auf dem Mond, die von der Erde aus sichtbar ist? Wie sieht es mit Fotos von digitalen Werbetafeln auf der Mondoberfläche aus? Oder dürfen Produkte von Firmen als Marketingaktion einfach auf dem Trabanten verstreut werden?
"Wenn Celestis und andere Unternehmen dieser Art sterbliche Überreste in die Umlaufbahn oder in den Weltraum schicken wollen, ist das ihr gutes Recht. Aber der Mond ist kein Friedhof und weder verlorene Socken noch Seelen haben dort etwas zu suchen" , fordert der Dichter und Wissenschaftsautor.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.