Beschaffung: Verzögerungen bei Kamikazedrohnen-Projekt der Bundeswehr

Ein internes Dokument des Koblenzer Beschaffungsamtes vom 31. Oktober 2025 zeigt Probleme bei der geplanten Ausstattung deutscher Streitkräfte mit Kamikazedrohnen. Die Ausrüstung der Bundeswehr-Brigade in Litauen bis Anfang 2027 wird in dem sechsseitigen Papier als "gefährdet" eingestuft, berichtet der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) .
Das Verteidigungsministerium plant demnach die Anschaffung von bis zu 12.000 Einheiten sogenannter Loitering Munition für rund 942 Millionen Euro. Die Firmen Stark, Helsing und Rheinmetall wurden aufgefordert, Angebote einzureichen. Das Budget soll zu jeweils einem Drittel auf die drei Hersteller verteilt werden.
Laut dem als Verschlusssache eingestuften Dokument, das dem Spiegel vorliegt, haben sich die "großen Risiken" einer beschleunigten Serienbeschaffung "größtenteils materialisiert" . Bei allen drei vorgesehenen Lieferanten gebe es derzeit Schwierigkeiten, heißt es in dem Bericht.
Technische Probleme bei Feldversuchen
Die Drohnenmodelle Virtus von Stark und HX-2 von Helsing werden bereits seit April getestet. Beide Hersteller befinden sich bei der Lieferung "wesentlicher vertraglicher Liefergegenstände" im Verzug. Bei Feldversuchen im Oktober auf dem Truppenübungsplatz Munster zeigten sich technische Defizite.
Die Financial Times berichtete, dass die Stark-Drohne Virtus ihr Ziel zweimal verfehlt habe. Eine Drohne sei unkontrolliert über bewaldetem Gebiet niedergegangen. Stark habe zugesagt, ein Konzept zur Behebung vorzulegen.
Helsing kündigte kurzfristig einen Wechsel des Gefechtskopf-Herstellers an. Statt der Saab-Munition soll nun ein panzerbrechender Gefechtskopf des spanischen Anbieters Instalaza verbaut werden. Dieser Wechsel erfordere "weitere technische Klärungen" , so das Beschaffungsamt.
Die Rheinmetall-Drohne Raider befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Das Modell wird als "ähnlich einem Prototypen" beschrieben. Es bestünden "Unsicherheiten zum Planungsstand" , heißt es in dem Dokument.
Bewertung des Bundesverteidigungsministeriums
Das Beschaffungsamt strebt an, bis Ende November Verträge abzuschließen, sofern die Hersteller die Probleme "abschließend überzeugend" klären können. Die Befassung des Haushaltsausschusses mit der notwendigen 25-Millionen-Vorlage noch in diesem Jahr sei allerdings "nicht realistisch" .
Eine Stark-Sprecherin zeigte sich optimistisch: Man sei zuversichtlich, bereits vor 2027 ein zertifiziertes System liefern zu können. Helsing wollte sich zu den laufenden Verhandlungen nicht äußern.
Das Bundesverteidigungsministerium bewertet die Situation anders als das Beschaffungsamt. Eine Sprecherin erklärte, die zeitgerechte Ausstattung der Litauen-Brigade im Jahr 2027 sei "nach aktuellem Projektstand" nicht gefährdet. Man befinde sich im engen Austausch mit den Unternehmen.



