Abo
  • Services:

Berliner Datenschutzbeauftragter: Jemand muss den Datenschutz sexy machen!

Gegen die Überwachung bietet der Staat den Bürgern nichts als seine Datenschützer - und trotzdem interessiert sich kaum einer dafür, wer den Job macht. Wir brauchen jemanden wie Sascha Lobo!

Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Demonstranten in Berlin
Demonstranten in Berlin (Bild: John Macdougall/AFP/Getty Images)

Der Berliner Kommunikationsprofi Sascha Lobo würde sich als nächster Berliner Datenschutzbeauftragte eignen - wenn es nach dem Anforderungsprofil von Alexander Dix geht, der nach 30 Jahren aktivem Datenschutz in Rente geht. "Mein Nachfolger wird sicherlich einen ganz anderen Stil verfolgen", sagt Dix. "Ich würde mir wünschen, dass er die Diskussion über das Internet der Dinge und Big Data und die entsprechenden Antworten des Datenschutzes noch viel stärker in die Gesellschaft trägt."

Inhalt:
  1. Berliner Datenschutzbeauftragter: Jemand muss den Datenschutz sexy machen!
  2. Die Suche nach einem Nachfolger ist ein Politikum

Dix denkt, dass ein Kommunikationsprofi den Datenschutz wieder einen Schritt voranbringen kann: "Man muss darüber nachdenken, wie man das Nicht-Fassbare gegenständlich und sinnlich erfahrbar macht. Da könnten nicht-juristische Formen der Thematisierung wie Kunst, Comics und andere Formen der Kommunikation wie Computerspiele und Apps eine wichtige Rolle spielen. Da wünsche ich meinem Nachfolger eine glückliche Hand."

"Ohne Verwaltungserfahrung rennt man rasch gegen die Wand"

Auch wenn das Anforderungsprofil von Dix auf Lobo passen würde: Der kandidiert nicht - und seine Nominierung ist auch nicht Gegenstand der gegenwärtigen Personalüberlegungen im Berliner Abgeordnetenhaus. Kandidaten wie ihm fehlt auch die Behördenkompetenz, was problematisch werden könnte. Dix sagt daher auch: "Ohne Verwaltungserfahrung rennt man rasch gegen die Wand."

Einen bekannten Kandidaten zu nominieren, könnte aber sinnvoll sein, um das Thema in die Medien zu bringen - zum Stillstand im Berliner Abgeordnetenhaus gibt es bislang keine Nachricht. Allein die Humanistische Union Berlin-Brandenburg monierte, dass der Senat "mit dieser nicht fristgerechten Neubesetzung der Stelle sein Desinteresse am Datenschutz, der Datensicherheit, dem Schutz der Privatsphäre und der Informationsfreiheit zeigt". Anders als in Schleswig-Holstein gibt es in Berlin auch kein offenes Bewerbungsverfahren.

Nachfolge sollte wohl überlegt sein

Stellenmarkt
  1. STUTE Logistics (AG & Co.) KG, Bremen
  2. Robert Bosch GmbH, Abstatt

Genau dieses Desinteresse müsste aber eine Nachricht sein: Denn die staatliche Datenschutzkontrolle ist das einzige Gegengewicht, das der Staat dem Bürger angesichts der zunehmenden Überwachung seitens Sicherheitsbehörden und Unternehmen bietet. Und das Gleichgewicht der Kräfte - im Amerikanischen so schön "Checks and Balances" genannt - ist das, was eine Demokratie im Kern ausmacht. Die Nachfolge von Dix ist also nicht irgendeine Personalie, die man mal im üblichen politischen Personalkarussell abhandeln sollte.

Die Berliner Datenschutzbehörde gehört überdies zu den Perlen der deutschen Datenschutzaufsicht. Ausgestattet mit 39 Vollzeitstellen ist sie - gemessen an der Bevölkerungszahl in den Bundesländern - eine der größten Datenschutzaufsichtsbehörden Deutschlands. Dafür hat nicht nur Dix, sondern auch schon sein Vorgänger Hansjürgen Garstka gesorgt, der bei Wilhelm Steinmüller studierte. Steinmüller war es, der 1972 in einem Gutachten (PDF) für den damaligen liberalen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher den etwas sperrigen Begriff der "informationellen Selbstbestimmung" erfand.

Die Suche nach einem Nachfolger ist ein Politikum 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Der Marsianer, Spaceballs, Titanic, Batman v Superman)
  2. (u. a. Deadpool, Alien Covenant, Assassins Creed)
  3. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)

Maceo 13. Jul 2015

Sehr gut beschrieben, Danke.

Doomhammer 10. Jul 2015

Stimmt, echt guter Artikel.

Doomhammer 10. Jul 2015

Welcher Link?

Truemor 03. Jul 2015

Auch wenn es sicher der Betrachtungsweise der Entscheidungssphäre zuwider läuft, bin ich...

LinuxNerd 03. Jul 2015

Denn dieser ist doch nur zum Labern und ein wenig Bürrokratie betreiben da. Ein kleines...


Folgen Sie uns
       


Wacom Intuos im Test

Das Wacom Intuos ist klein und kompakt - fast schon untypisch für Wacom-Geräte. Gerade angehende digitale Künstler freuen sich über die präzise Stifteingabe zu einem erschwinglichen Preis. Allerdings gibt es auch Nachteile - weniger Makrotasten und fehlende Touch-Eingabe gehören dazu.

Wacom Intuos im Test Video aufrufen
Datenschutz-Grundverordnung: Was Unternehmen und Admins jetzt tun müssen
Datenschutz-Grundverordnung
Was Unternehmen und Admins jetzt tun müssen

Ab dem 25. Mai gilt europaweit ein neues Datenschutz-Gesetz, das für Unternehmen neue rechtliche Verpflichtungen schafft. Trotz der nahenden Frist sind viele IT-Firmen schlecht vorbereitet. Wir erklären, was auf Geschäftsführung und Admins zukommt.
Von Jan Weisensee

  1. 2019 Schweiz beginnt UKW-Abschaltung
  2. Cybersecurity Tech Accord IT-Branche verbündet sich gegen Nationalstaaten
  3. Black Friday Markeninhaber plant Beschwerde gegen Löschung

Ryzen 7 2700X im Test: AMDs Zen+ zieht gleich mit Intel
Ryzen 7 2700X im Test
AMDs Zen+ zieht gleich mit Intel

Der neue Ryzen 7 2700X gehört zu den schnellsten CPUs für 300 Euro. In Anwendungen schlägt er sich sehr gut und ist in Spielen oft überraschend flott. Besonders schön: die Abwärtskompatibilität.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Ryzen 2400GE/2200GE AMD veröffentlicht sparsame 35-Watt-APUs
  2. AMD-Prozessor Ryzen-Topmodell 7 2700X kostet 320 Euro
  3. Spectre v2 AMD und Microsoft patchen CPUs bis zurück zum Bulldozer

Grenzenloser Datenzugriff: Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet
Grenzenloser Datenzugriff
Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet

Neue Gesetze in den USA und der EU könnten den Weg für einen ungehinderten und schnellen weltweiten Datenzugriff von Ermittlungsbehörden ebnen. Datenschützer und IT-Wirtschaft sehen die Pläne jedoch sehr kritisch.
Ein Bericht von Friedhelm Greis

  1. Kontoeröffnung Kleinganoven, überforderte Hotlines und ein einfaches Konto
  2. Elektronische Beweise EU-Kommission fordert weltweiten Zugriff auf Daten
  3. Panera Bread Café-Kette exponiert Millionen Kundendaten im Netz

    •  /