Berliner Datenleak: Ermittler noch tagelang mit Download beschäftigt
Nach dem Leak von mehreren Terabyte an internen Verwaltungsdaten rechnet der Berliner Senat mit einem langwierigen Prüfverfahren. "Was unser Anspruch natürlich ist und woran wir arbeiten, ist, dass wir diese Daten systematisch analysieren können", sagte der zuständige Staatssekretär Florian Hauer am 7. September 2026 vor dem Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses (Video ab 44:00(öffnet im neuen Fenster)). Allerdings könne der Download der Dateien noch einige Tage dauern.
Zunächst sollten die Daten mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) nach ihrem Risiko bewertet und priorisiert werden. Anschließend sollten die als von KI identifizierten Dateien händisch von den zuständigen Referenten und Sachbearbeitern überprüft werden.
Wenn festgestellt werde, dass die Veröffentlichung der Daten eine potenzielle Gefährdung für Menschen, Einrichtungen oder die Infrastruktur bedeute, werde zusammen mit den Sicherheitsbehörden eine einzelfallbezogene Prüfung, Risiko- und Gefährdungsbewertung vorgenommen, sagte Hauer. Die Veröffentlichung der Daten sei für betroffene Behörden, Unternehmen und Bürger "extrem ärgerlich" und "auch in Teilen gefährlich".
Am 4. September 2026 veröffentlichte die Hackergruppe Rhysida mehrere Datenpakete mit einem Umfang von 5,79 Terabyte im Darknet. Diese enthalten nicht nur zahlreiche personenbezogene Daten, sondern auch vertrauliche Unterlagen, beispielsweise zur Erweiterung des Bundeskanzleramts.
Hauer: Nur NfD-Daten geleakt
Nach Einschätzung Hauers sind jedoch nur Daten der niedrigsten Geheimhaltungsstufe NfD (Nur für Dienstgebrauch) abgeflossen. "Grundsätzlich will ich darauf hinweisen, dass wir hier über Datenmaterial sprechen, das maximal die Einstufung V als NfD hat, maximal. Das führt zumindest mit Blick auf Einrichtungen des Bundes und auch Verteidigungsfähigkeit und nationale Sicherheit und Bundeswehr zu dem Punkt, dass ich hoffe, dass am Ende dort nur solche Daten abgeflossen sind, die zumindest in diesem Kontext keine erhöhte Sensibilität aufweisen und wir am Ende zu dem Ergebnis kommen, dass das Dinge sind, die nicht die nationale Sicherheit gefährden."
Es habe sich herausgestellt, dass einzelne Dateien von der Bezeichnung her als sicherheitsrelevant geklungen, sich bei der Überprüfung aber als unkritisch herausgestellt hätten. So sei es in einer Datei zum Militärischen Abschirmdienst (MAD) lediglich um Anwohnerparkausweise gegangen. "In dieser Datei waren keinerlei personenbezogene Daten, also keine Daten zum Fahrzeug, keine Daten zu Personen enthalten", sagte Hauer.
Zuvor hatte Hauer eingeräumt, dass die zuständige Organisationseinheit des Landeskriminalamts (LKA) die Daten noch nicht vollständig heruntergeladen habe. Es werde technisch eine Woche dauern, sämtliche Dateien herunterzuladen. Ebenfalls stellte Hauer klar, dass sich der Senat bis zuletzt nicht im Klaren über den Umfang des kopierten Materials gewesen sei.
Noch bis kurz vor der Veröffentlichung sei man davon ausgegangen, "dass es etwas über 100.000 sein würden und mit einem gewissen Potenzial, dass es bis zu 215.000 sind". Der Hackergruppe zufolge wurden jedoch 1,4 Millionen Dateien entwendet.
2.000 Outlook-Archive enthalten
Zudem wolle der Senat betroffene Bürger informieren, falls deren Daten in dem Leak auftauchten. "Auch hier muss man erst in die Dateien, in die Dokumente reinschauen, um diese Personen zu identifizieren, um sie dann auch so schnell wie möglich zu informieren und idealerweise auch zu beraten", sagte Hauer und räumte ein: "Das ist allein aufgrund der schieren Datenmenge eine Herausforderung, die sich nicht in den nächsten Tagen bewerkstelligen lassen wird. Das wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen."
Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge(öffnet im neuen Fenster) befinden sich in dem Dateienkonvolut nach bisherigen Erkenntnissen Bewerbungsunterlagen, Ausweiskopien, E-Mail-Adressen, Vertragsdaten und interne Passwörter.
Ebenfalls enthalten seien Personalakten, Arbeits- und Gehaltsunterlagen, Aufhebungsverträge, Protokolle von Mitarbeitergesprächen sowie Angaben zu Disziplinarmaßnahmen und Wiedereingliederungen nach Krankheiten. Es seien zudem E-Mail-Archive geleakt worden, wovon mindestens 858 Beschäftigte seien. Das betreffe mehr als 2.000 Outlook-Archivdateien mit rund 2,7 Terabyte Daten, die ein- und ausgehende sowie teilweise auch gelöschte E-Mails aus Jahren Verwaltungsarbeit enthielten.
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