Schnell tauschen, langsam laden

Zum einen würde der Ladevorgang fast 30 Mal so schnell gehen. Zum anderen wäre es schonender für den Akku, wenn er nicht an der Säule mit hoher Leistung schnell geladen werden müsste. Schnell tauschen, langsam laden lautet stattdessen das Konzept. Mindestens zwei Stunden soll ein Ladevorgang dauern. Dabei wird der Ladevorgang mit Hilfe von Lichtwellenleitern überwacht, so dass geringe Verformungen durch Gasbildung registriert werden. Im Vergleich zum Nio-Konzept soll der Verzicht auf Schrauben zudem eine deutlich höhere Anzahl an Batteriewechseln ermöglich.

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Weitere Vorteile bestünden darin, dass der Akku von den Autokäufern nur geleast werden müsse. Das sei günstiger als der Kauf, da der Betreiber den Akku wegen der längeren Lebensdauer auch für andere Zwecke einsetzen könne. So könnten die Akkus in den Wechselstationen auch als Netzpuffer dienen. Laut Infra-Dianba lässt sich durch einen solchen "Dual Use in den Intervallen zwischen den Hauptwechselzeiten die Lebensdauer von Batterien um den Faktor 2 bis 3,5 erhöhen". Das bringe volkswirtschaftlich hohe Vorteile.

Akkus auf Vorrat halten

Und die Nachteile? Diese bestehen beim Wechselakku-Konzept unter anderem darin, dass die ohnehin knappen und teuren Akkus auf Vorrat in den Wechselstationen bereitgehalten werden müssen. Durch den Expresswechsel liegt der Mehrbedarf dem Unternehmen zufolge jedoch nur noch bei sechs Prozent der eingesetzten Batterien. Das heißt, eine Station für 1.000 Wechsel pro Tag hat dann 60 Akkus in ihrem Lager.

Der derzeit wohl größte Nachteil: Es gibt in Europa noch keinen Autohersteller, der das Konzept übernimmt. Denn dazu müsste man sich auf einen einheitlichen und austauschbaren Akkutyp einigen. Ein schwieriges Unterfangen. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat in einem dreiseitigen Papier (PDF) die aktuellen Argumente gegen einen solchen Einheitsakku zusammengefasst.

China könnte neuen Standard setzen

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Dudenhöffers Zwischenfazit: "Unter 'normalen' Marktgesetzen haben Batteriewechselsysteme keine Chance zum Durchbruch." Doch die schiere Größe des chinesischen Marktes könnte dazu führen, dass die europäischen Hersteller das Konzept übernehmen müssten, um dort wettbewerbsfähig zu bleiben. "Ähnlich wie bei Lithium-Ionen-Batterien hat China mit dem Wechselstationenmodell die Chance, klare Wettbewerbsvorteile für das Land und seine Unternehmen aufzubauen", schreibt Dudenhöffer.

Infra-Dianba-Chef Li sagte im Gespräch mit Golem.de, dass sich sein Unternehmen bereits in Gesprächen mit einem europäischen Anbieter befände, "aber wir dürfen noch keinen Namen nennen". Aber am Ende müssten europäische Hersteller mitmachen, damit das Konzept hierzulande erfolgreich sein könnte.

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

Appell an deutsche Hersteller

Das fordert auch die Berliner Taxi-Innung. Sie hat, benannt nach ihrem Chef, einen Nadolski-Plan (PDF) entworfen. Die Innung würde sich freuen, "wenn bald auch VW, Daimler Benz und BMW attraktive Modelle mit Batteriewechselfunktion plus Ladekabel für den Notfall anbieten könnten", heißt es darin. Allerdings liegt die Taxi-Branche derzeit schon im Clinch mit Mercedes-Benz, weil das Unternehmen die E-Klasse nicht mehr als Taxis umrüsten will.

  • Seit dem Frühjahr 2022 testet das Unternehmen Infra-Dianba einen MG 5 mit Wechselakku in Berlin. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Nach dem Willen der Berliner Taxi-Innung soll der MG 5 nicht das einzige Taxi mit Wechselakku bleiben. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der MG 5 wird von VWs chinesischem Kooperationspartner SAIC gebaut und soll auch VW-Komponenten enthalten. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Wechselstation am Berliner Westhafen benötigt eine Fläche von 70 Quadratmetern. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein Wechselvorgang dauert etwa drei Minuten. Neuere Stationen schaffen dies in einer Minute. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Wechselrahmen fährt auf einem Schlitten und nimmt die Batterie auf. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Dann fährt der Schlitten unter dem Auto in das Lager mit den Ersatzakkus. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Dort werden die Akkus möglichst langsam geladen. Der Ladevorgang wird mit Lichtwellenleitern überwacht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das typenoffene System von Aulton Dianba verwenden bereits 14 chinesiche Hersteller/Marken. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Über diese Kontakplatte wird der Akku mit dem Fahrzeug elektrisch verbunden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Akkus werden nicht in das Fahrzeug geschraubt, sondern eingehängt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Wechselakkusysteme sind in China bereits weit verbreitet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Ein Wechselvorgang dauert etwa drei Minuten. Neuere Stationen schaffen dies in einer Minute. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Hauptadressat ist jedoch die Berliner Landespolitik. Mit deren Unterstützung wollen die Taxifahrer "in fünf Jahren 4.000 Taxis mit einem Minimum an Kosten und unter Beibehaltung ihrer Beweglichkeit und Wirtschaftlichkeit" auf Elektroantrieb umstellen. Dazu müssten bis zu "30 markenneutrale Batteriewechselstationen an logistisch attraktiven Standorten wie zum Beispiel Tankstellen im Stadtgebiet eingerichtet und betrieben werden". Mit sechs markenneutralen Express-Batteriewechselstationen und 800 Wechseltaxis pro Jahr könnten bis 2027/2028 rund 60 Prozent des Berliner Taxibestandes elektrifiziert werden.

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 Berlin: Wie Wechselakkus das Taxi-Geschäft retten sollenWann steigen europäische Hersteller ein? 
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Joey5337 11. Mai 2022 / Themenstart

Das ist das Problem. Du bist vielleicht ein Laternenparker, aber die Mehrheit aller...

Joey5337 11. Mai 2022 / Themenstart

Pro Tag? Bei kurzer Recherche kam ich in Berlin auf 90.000 km pro Jahr im 2-Schicht...

Dwalinn 05. Mai 2022 / Themenstart

Wobei ich mich frage ob die Taxis überhaupt so stark im Schichtsystem genutzt werden...

ChMu 02. Mai 2022 / Themenstart

Zu einfach. Da muss man ja gar nichts machen und die Fahrzeuge sind quasi immer voll...

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